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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-08-18 · Heft 34 (18.8.1863) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 34 (18.8.1863)
Date
1863-08-18
Page
Seite 525 (sequence 11)
Language
German
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525 gestattet war. Sehr viele und sehr reiche Raskolniks werden davon Gebrauch machen. AuL Polen, im Juli. Die „K. Z." enthält eine Reihe von Aufsätzen unter der Überschrift: „Polnische Skizzen aus der Gegenwart, von einem deutschen Augenzeugen". No. IH lautet: „DerpolnischeJude". Der Verf. kennt zwar die jüdischen Ceremonien nicht genau, zeigt sich aber überall als durchaus von freundlichem Geiste beseelt. Wir heben folgende Aeußerungen hervor: Der polnische Jude verläugnet nicht seine orientalische Abstammung und Tracht; gelbliche Gesichtsfarbe, markirte Backenknochen, großer Bart, der nie geschoren wird, langer, bis an die Füße reichender Rock charakterisireu ihn. Unter dem Rocke trägt er kurze Hosen und bis an die Kniee reichende Stiefeln. Ich habe Juden gesehen, die diesen Anzug Tag und Nacht nicht vom Leibe bekamen, namentlich auf Reisen. Der reisende Jude kehrt bei Untergang der Sonne in irgend eine Hütte eines anderen Juden ein, wird dort stets wie ein Bruder empfangen und kann bleiben, so lange es ihm gefällt. Ein Bett epistirt nicht, aber ein Bund Stroh oder eine harte Bank genügen zum Lager: er zieht seinen langen Rock aus, rollt ihn zusammen und legt ihn unter den Kopf; ein alter, abgeschabter, saudfarbiger Mantel, gewöhnlich von russischer Naturwolle gefertigt, ist seine Decke, im Winter auch wohl ein alter, langer Schafpelz. Die Gastfreundschaft wird streng geübt, auch an Nichtjuden, und diese schöne Sitte söhnt uns einiger Maßen wieder aus mit dem Schmutz und den Entbehrungen aller Art, denen man in den Dörfern ausgesetzt ist. Merkwürdig ist es, daß die Umgangssprache der Juden in Polen und Rußland ein verdorbenes Deutsch, das sogenannte Jüdischdeutsch ist, gewiß eine interessante Untersuchungs-Aufgabe für Philologen. Sie sprechen unter sich diesseit und, wie man mir sagt, auch jenseit des Ural ein Deutsch, das, wenn auch sehr verdreht und gemischt mit slawischen und hebräischen Wörtern, doch für den Deutschen, wenn er einige Wochen unter ihnen weilt, verständlich ist. Sie sind übrigens nicht nur für die Reisenden in diesen unwirthbaren Gegenden ganz unentbehrlich, sondern selbst der polnische und russische Edelmann kann ohne sie gar nicht epistiren. Der Jude besorgt alle Geschäfte, schafft Gelder herbei, ist überall und nirgends, Dolmetscher, Gaftwirth, Milchpächter, Unternehmer für die Krone, Lieferant der Armee, Mäkler für Getreide und Holz, Unterhändler des Gutsbesitzers für den Absatz, des Ertrages von Feldern und Walrungen, kurzum, er ist die Lebensader des Landes. Deshalb ist gegenwärtig die Androhung der Todesstrafe bei Lieferung von Lebensmitteln an die russische Armee durch die Juden eine der gefährlichsten Maßregeln der geheimen National-Regierung für die Russen. Die Armee ist nur gewohnt, von Juden bedient und versorgt zu werden; aber schon mancher Sohn Jacob's hat die so sehr verlockende, gewinnbringende Speculation jetzt mit dem Tode büßen müssen, und daher herrscht die größte Furcht unter ihnen, den Russen zu dienen, obwohl sie im Ganzen dem Kaiser zugethan sind, weil derselbe ihnen in Len letzten Jahren mannigfache Freiheiten verliehen hat. Der Zwang, in den Städten nur besondere Viertel bewohnen zu dürfen, ist aufgehoben, sie können Officiere werden und Staatsämter bekleiden, haben also mehr Rechte, wie bei uns. Ick lernte einen russischen Dfficier kennen, welcher Jude war, und ebenfalls einen jüdischen Capellmeister eines Infanterie-Regiments. Sein Musik-Corps bestand über die Hälfte auch aus Juden; dieselben dienten schon zehn Jahre bei demselben, waren zur Musik commandirt worden, ohne eine Note zu kennen, viel weniger jemals ein Instrument in Händen gehabt zu haben. Sie spielten indessen jetzt eorrect auf ihren mangelhaften Instrumenten: einfachen Trompeten, Clarinctten, Posaunen, Waldhörnern, Baßtuba und Viuerpfeifen. Die Musik ist rauh, aber kriegerisch, mit vielem Trommelgewirbel und streng genau im Tacte; sie nennen das die kleine Musik; bei der Division fungirt die große Musik, die Go Mann zählt und gut besetzt ist. Auch die umherwandernden Musikbanden, welche bei Festlichkeiten, Hochzeiten :c. und zum Tanze spielen, bestehen nur aus Juden. Der Jude ist also auch der Träger der Tonkunst im Volke, und sogar theilweise der Schauspielkunst, denn an einem oder zwei Tagen des Jahres ist er der jocose, ausgelassene Unterthan des Fürsten Carneval; er hat in Polen seinen Carneval eben so gut, wie der cölnische, venetianische oder römische Bürger, nämlich am Purimfeste im Februar. Am Abend vor dem diesjährigen Purim war ich in einer reichen Judcnfamilie: die mit außergewöhnlich weißem Leintuch bedeckte Tafel spendete süße, meist mit Honig zubereitete Kuchen: zierliche Krystalltellerchen standen umher, vollgehäuft mit 3-1**

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