Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1863)
- Date
- 1863-08-18
- Page
- Seite 523 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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523 Absendung einer Dankadresse an den Reichsraths-Abgeordneten Dr. v. Mühlfeld für dessen Auftreten in der Frage wegen Zulassung israelitischer Candidaten zum Notariate beschlossen, welche dieser Tage an denselben abgehen soll. bereits im höchsten Flor blühenden Badeortes zu sein, indem er auf schriftstellerischem Wege durch Monographien die medicinische Welt auf dieses österreichische Pyrmont aufmerksam machte. Wien, im Juli. (Privatmitth.) Dieser Tage bewegte sich ein großer Leichenzug hinter dem Sarge eines Mannes, der, wenn er auch seinem Berufe nach ein Kaufmann war, nichts desto weniger in Rücksicht auf seine ausgebreitete talmudische Gelehrsamkeit und seinen hochftommen Lebenswandel weithin einen sehr rühmlichen, mit hoher Achtung genannten Namen hatte. Herr Emanuel Isaak Hirschfeld — so hieß der Verewigte — genoß rabbinisches Ansehen und hatte auch durch eine lange Reihe von Jahren, wahrend welcher hier in Wien die dritte Person im Rabbinats- Collegium fehlte, diesen Posten als Rabbinats-Assessor, mit Verzichtleistung auf jeden Gehattsbezug, ausgefüllt. In der sphardischen Synagoge, die er seit 30 Jahren ununterbrochen früh und abends besuchte, weil ihm die in den sphardischen Synagogen herrschende Gebetsordnung zusagte, genoß er stets all' die Ehren und Aus Zeichnungen eines Chachams, und war auch die sphar dische Gemeinde, den gelehrten ehrwürdigen Chacham Baruch an der Spitze, im Leichenzuge zahlreich vertreten. Die Leichenreden hielten der hiesige Rabbiner Herr Horowitz, ferner der Temesvarer Rabbiner, Sohn des Verblichenen, und der allverehrte Dr. Jellinek. Der Verewigte hinterließ 4 Söhne, die sämmt lich der Intelligenz angehörend, geachtete Stellungen im socialen Leben einnehmen. Einer derselben ist Dr. I. H. Hirschfeld, gegenwärtig Rabbiner zu Augsburg, der sich als vorzüglicher Kanzelredner auszeichnet; der zweite Sohn ist Rabbiner in Temesvar; der dritte einer der geachtetsten jüdischen Aerzte Wiens; der vierte ist k. k. Oberfeldarzt in der österreichischen Armee. Der vorletzte, Dr. Josef Hirschfeld, der sich in der Beschneidungsftage so rühmlich hervorthat (siehe Allg. Z. des Judenth., 21. Jahrgang, No. 52, Pag. 709) und von dem erst kürzlich die hiesigen Zeitungen seine Ernennung zum correspondirenden Mitgliede der Loeiets d’Hydrologie Medicale de Paris und der Gesellschaft deutscher Aerzte zu Paris brachten, ist zugleich Badearzt des bei Wien gelegenen Curortes Pyrawarth, und hat das Verdienst, so zu sagen der Schöpfer dieses noch vor wenigen Jahren unbekannten und jetzt AuL dem Tokayergebirge, 25. Juli. (Privatmitth.) Bei der jüngst stattgehabten chassidischen Wallfahrt hatten wir die Ehre, russisch-polnische Rabbinen in unserer Mitte zu haben, und waren die Festlichkeiten zu Ehren des Rebben in Szigeth recht großarttg. Dieses abenteuerliche Treiben abgerechnet, ist das Leben in unserem Gebirge ziemlich einfach und wird ein jeder Fortschritt bald im Keime erstickt. Kaum, daß sich unsere Schulen auf dem gewöhnlichen Niveau behaupten und die Gemeindeinstitutionen nicht von chassidischen Einsiüsterungen untergraben werden. Unsere Aufgeklärten wallfahren nach Liszka zum Rebben, und dieser nach Szanc zum heiligen Rebben in Angelegenheit der Abonger Rabbinenversammlung, da diese die Organisirung einer neuen österreichisch-ungarischen Gemeinde in Jerusalem duldete, jener aber im Jntereffe der polnisch-russischen Chassidim ein jedes Sondergelüste nicht auflommen lassen will. Diese chassidische Krankheit raubt uns unsere besten Kräfte und droht unsere Schulen zu verschlingen. Wir fanden unsere Verhältnisse niemals trauriger als heute, unser Cultus- und Schulwesen niemals zerrütteter als jetzt, und fänden Lehrer und Schüler nicht hie und da Aufmunterung seitens der h. Regierung, aus wäre es mit unserem Hoffen, mit den Träumen der letzten zehn Jahre. Wohl sollten sich unsere Schulen weniger ängstlich an Verordnungen klammern, die bei uns niemals Gesetzeskraft hatten, noch je haben werden, und sollten selbige auf Erweiterung des hebräischen Unterrichtes dringen, wenn anders die Lehrer nicht vor leeren Bänken unterrichten wollen. Doch wäre es ebenso thöricht als unüberlegt, von der Maffe Hülfe zu hoffen oder von der vielgepriesenen Willkürherrschast der Gemeinden, die bei uns weit lieber ihre Groschen nach Lifzka schicken, als Schulen gründen. Unsere Schulen benöthigen die kräftige Stütze einer hohen Regierung, die Liebe der Gemeinden und die Unterstützung der Vornehmen. Da sich bei uns die Intelligenz zurückgezogen hat und Männern die Leitung der Gemeinde anvertraut ist, denen das Schulwesen nicht am Herzen liegt, war es möglich, die Win- 34