Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1863)
- Date
- 1863-08-18
- Page
- Seite 521 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226399--21469-3301379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
521 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Von der Regnitz, 21. Juli. Im Mai 1850 wurde der erste Israelit in Nürnberg in den Gemeindeverband ausgenommen, nachdem „die kaiserlichen Kammerknechte" gegen Ende des 1-1. Jahrhunderts ganz aus der Reichsstadt vertrieben worden waren. Sie siedelten sich zwar im benachbarten Fürth an, fanden aber dort nicht den gehörigen Spielraum, weshalb sie immer wieder, trotz aller Plackereien, mit Nürnberg in geschäftlichen Verkehr traten. Nach einem Rathserlaß von 1773 erhielt ein Jude Einlaß in die Stadt Nürnberg nur an zwei Thoren, und mußte sür einen Tag Aufenthalt 45 kr. an den Stadtpfänder und 15 kr. sür ein ihn aus allen Gängen begleitendes altes Weib bezahlen. Kein Jude durste in Nürnberg übernachten, in keinem Hause eines Christen ein Gewölbe zu Geschäften benutzen, aus dem Markte sich nicht sehen lassen, und eben so gehässig waren die Bestimmungen über den Landesproductenhandel re. Im October 1800 wurde der Judenzoll zwar aufgehoben, aber dagegen der Thorzoll auf 7 kr., der Legitimationsschein auf 30 kr., die Erlaubnis zum Uebernachten auf 1 fl. Gebühr festgesetzt. Gegenwärtig wohnen in Nürnberg 153 jüdische Familien, die eine Schule und ein Gebethaus einrichteten; man ist daran, einen Friedhof zu erwerben, zu welchem Zwecke der Banquier Eahn soeben 1000 fl. offerirt hat, mit dem Versprechen weiterer Gaben, wenn die Mittel nicht reichten. — Zwei Privatgesellschaften verweigern die Ausnahme von Juden; im Museum, wo die Elite Nürnbergs sich versammelt, fanden bis jetzt 15 solche statt; unter den jüdischen Bewohnern Nürnbergs befinden sich zwei Arvocalen und zwei Aerzte. l Fr. I.) Preußen. Aus der Provinz Posen, 25. Juli. (Privatmitth.) Unter den aus hiesiger Provinz Verhafteten, die dieser Tage nach der neuen Stadtvogtei in Berlin gebracht werden, befindet sich auch der sonst allgemein geachtete israelitische Kaufmann und Spediteur Herr I. Rosenthal aus Bromberg. Herr Rosenthal wurde nämlich am 13. d. M. zu feiner Vernehmung nach Posen requirirt, weil er, wie es in seiner geschäftlichen Stellung nicht zu umgehen war, unter den vielen Collis und Waarensendungen, die er erhält und spedirt, auch Waffen weiter geschafft hatte. Die letzteren waren nicht als solche declarirt, und Herr Rosenthal wußte nicht, daß die Declaration mit dem wirklichen Inhalt nicht stimmte. Man erwartet, daß Herr R. bald zu den Seinigen zurückkehren wird. — Tic zum Schubiner Kreise gehörige israel. Gemeinde Labischiu hat von dem Herrn Dberpräsirenten die Erlaubniß zur Abhaltung öffentlicher Collecten behufs Renovirung einer Synagoge erhalten. L. 1*. Paderborn, 1. August. In unserer Sravt ist heute in bescheivener, aber erhebender Weise die Einweihung des israelitischen Waisenhauses für Rheinland und Westfalen gefeiert worden. An der Hand ihrer verehrten Mutter, der Gründerin und Vorsteherin der Anstatt, Fräulein Nathan, zogen die elternlosen Knaben unv Mädchen, begleitet von den Spitzen der Behörden, teu Mitgliedern der Synagogen - Gemeinde und auch auswärtigen Gönnern, aus den engen Räumen des provisorischen Waisenhauses in das neuerbaute, das, vor dem Kasseler Thore gelegen, sich als ein würdiges Denkmal der Humanität präsentirt. Der verdienstvolle Lanvrath Herr v. Grasso öffnete die Pforten des Hauses und des Betsaales, die Zöglinge stimmten das „Heilig" an, tDCvauf der Herr Rabbiner Dr. Schwarz aus Cöln die Festrede hielt, die, ausgezeichnet an Gehalt unv Vortrag, Herz und Geist der Zuhörer mächtig ergriff. Dem Gebet für König und Vaterland folgte ein entsprechender Vortrag des Herrn Oberlehrers Alsbach aus Camen, Mitglied des Curatoriums, der auch die Seelenfeier für die verstorbenen Wohlthärcr rer Anstalt abhielt. Vor Beendigung des Goueöciensles unv ver Thora-Vorlesung — bei welcher Gelegenheit von den Anwesenden circa 500 Thlr. für das Waisenhaus gespendet wurden — beteten die armen Waisen vas Kubisch, wobei sich ibre und "Aller Angen mit Thränen füllten. — Se. Mas. der König geruhten Allergnävigst Ihre Segenswünsche sür das Gedeihen der Anstalt unrer huldvollen Ausvrücken an die Vorsteherin des Hauses auf telegraphischem Wege aus Gastein hierher gelangen zu lassen. «V