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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-08-18 · Heft 34 (18.8.1863) · p. Seite 520

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 34 (18.8.1863)
Date
1863-08-18
Page
Seite 520 (sequence 6)
Language
German
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520 Xa nun in vielen Gemeinden die öffentliche und allgemeine Consirmation noch nicht heimisch geworden, so wird Liese Sammlung vielen, noch ungeübten Lehrern eine willkommene Gabe fein. Ter Verfasser giebt solche Ansprachen für alle Abschnitte der Thora, indem er für jede Ansprache einen Text aus der laufenden Sidra wählt. Wir treffen hier, offen gesagt, auf die beste Seite des Buches, indem der Verfasser die Texte mit großer Geschicklichkeit zu wählen und anzuwcnden verstanden hat. Eine Irrung jedoch hat der Verfasser darin begangen, daß er für jede Sidra entweder eine Ansprache des Barmitzwa oder eine Ansprache des Lehrers giebt, so Laß d"r Barmitzwa aus der einen, der Lehrer aus der folgenden Sidra spricht, während doch beide Anreden an Einem Sabbath geschehen. Es hätten deshalb nclhwendig für jede Sidra eine Ansprache des Barmitzwa und des Lehrers gegeben werden müssen. Dieser Umstand vermindert die Brauchbarkeit des Werkchens für die Lehrer gar sehr. Was nun die Ausführung selbst betrifft, so gestehen wir dem Verfasser gern Wärme der Empfindung, Reinheit der Gesinnung und Schwung der Gedanken zu. Dagegen ist seine Sprache nicht correct und gefeilt; die Sätze sind viel zu lang und verschoben für den Zweck; auch ist der Unterschied zwischen der Sprache des Kindes und des Lehrers nicht bemerkbar, und daher die Redeweise für das Alter des ersteren zu hoch gegrissen. — Frankfurt a O., 2. August. Najnowsze spiewy nabozne narodown polskie, oder: „Die neuesten religiösen Nationallieder Polens". Ins Deutsche treu übertragen und herausgegeben von Lina Morgenstern. Berlin. Aus drei Gründen fühlen wir uns veranlaßt, obigen Liedern auch in diesen Blättern einige Zeilen zu widmen, und zwar: erstens, weil die Ucbersctzerin eine Jüdin, — zweitens, weil selbige ihrer literarischen Bestrebungen und Leistungen wegen überhaupt verdient, daß ihr Name auch in weiteren Kreisen bekannt würde, — und drittens endlich, weil in der Sammlung zwei Lieder enthalten sind, welche ursprünglich und ganz direct für die Juden Polens verfaßt worden. — Das erstere von beiden <No. 4 der Sammlung) ist betitelt: Modliuva na nowy rok 5622 „Gebet zum neuen Jahr 5622"*) *) Was sich im Sommer 1861 in Polen (Warschau) zugetragen und in wieweit die dasigen Juden daran bctheiligt gewesen, dürfte den Lesern dieser Zeitung wohl noch erinnerlich sein. und hat zum Thema die „Einheit". — Israel sei von Gott erwählt, durch schwere Leiden geprüft, durch die Erziehung zur Einheit aber stets vor Untergang behütet worden. Der Drang nach Einheit nur habe die Israeliten Polens mit ihren Brüdern leiden, ringen, kämpfen und — sterben lassen. Die beiden Volker, so für eine Sache litten und kämpften, möge Gott völlig zur Einheit verbinden und verschmelzen. Und das Beste, was kommen könne, sei die Bewährung des Wahlspruchcs: „Einheit und Liebe nähre das Herz!" — Wir heben (aus Strophe Hl.) nur folgende Zeilen heraus: O mögst Du, Gott, zwei Völker ewig binven. Die schon das Blut mit Thränen heut verschmilzt. Daß sie vereint die Marter überwinden, Und Tu den Schmer; erneuter Wunden stillst! Im Schluß einer jeden Strophe (Refrain) läßt der Dichter Israel, das „so viel schon hat gelitten", zu Gott für Polen „um bessere Zeiten bitten". — Das andere der beiden israel. Lieder (No. 7) hat die Ueberschrist: Modüiwa na sadny dzieri „Gebet am BersöhnnngStage", besteht aus drei Strophen vou je acht Versen und stellt den Israeliten*) dar als Büßenden, Zerknirschten, mit Thränen im Blick und Demuth im Herzen, flehend zu seinem Gott um Trost im Leiden, Licht in der Finsterniß, Freud' nach dem Schmerze, Glück nach dem Verluste u. s. w. u. s. w. — Der poetische Gehalt dieses Liedes steht übrigens dem des vorher besprochenen bedeutend nach. Tie Uebersetznng jedoch ist hier eben so treu und so trefflich gelungen, wie dort. Unsere L. M. ist in dieser Beziehung wirklich Meisterin zu nennen. Ihre Uebertragungen sind nirgends matt und schlaff, vielmehr überall frisch und kräftig; denn sie weiß ihnen stets den Geist einzuhauchen, der in den Originalen lebet und webet. L. M. hat sich übrigens auch als Original- Schriftstellerin schon ttefflich bewahrt. Wir verweisen nur auf die Schrift „Andacht, Glaube und Pflicht", welche sie vor Kurzem im Verein mit vr. Immanuel Ritter herausgegeben. Die in diesem Werke enthaltenen poetischen Stücke sollen durchgängig aus ihrer Feder gefloffen sein. — Louis Wehl. *) Indeß nicht ausschließlich den von Polen.

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