Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-08-18 · Heft 34 (18.8.1863) · p. Seite 519

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 34 (18.8.1863)
Date
1863-08-18
Page
Seite 519 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226364-3226399--21467-3301377
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

51S Fahne" (4. Mos. 2, 2) knüpft der Redner in origineller Weise, daß diese Fahne noch heute für Israel in der Thora .besteht. Zwar sei der Abfall von dieser Fahne nicht mehr so häufig wie früher, aber doch werde sie von vielen Israeliten nicht mehr so festgehalten und hochgetragen wie von unfern Vätern. Dem abzuhelfen, fordert er seine Zuhörer auf, einerseits die religiösen Einrichtungen in den elterlichen Hausern auch in den ihrigen festzuhalten; fteilich komme es jetzt sogar häufig vor, daß die Eltern selbst ihre Kinder zur Verletzung der religiösen Gesetze auffordern und anhalten; andererseits das Gotteshaus als „das Zelt der Zusammenkunft", um welches sich ganz Israel lagert, anzusehen, und fort und fort dem Gottesdienste besonders an Sabbathen und Festtagen beizuwohnen. Wie wir schon ftüher einmal bemerkt, besitzt Herr Kahn die nicht zu unterschätzende Eigenthümlichkeit, mit sehr einfachen und ungekünstelten Worten eindringlich und kraftvoll zu sprechen, was hier nun durch die hübsche Anwendung des Textes sehr gehoben worden. — Festrede zur Verfassungsfeier am 28. Februar 1863 von Rabbiner Di*. P. Fischer in einer böhmischen Gemeinde. Leipzig, 1863. Der Redner hat Kraft und Schwung in seiner Sprache, besitzt auch Kunst der Auslegung; aber er ist wohl noch Neuling auf der Kanzel, für diese noch zu überschwänglich, und die vorliegende Predigt ist ohne logische Anordnung, die, wie wir unseren jüngeren Amtsgenossen nicht genug zu Gemüthe führen können, eine der unumgänglichsten Erfordernisse der Predigt ist. — Zwei Predigten bei der Shnagogenweihe zu Jebenhausen von Rabbiner Herz. An Psalm 26, 8 knüpft der Redner in der ersten Predigt, der eigentlichen Weihepredigt, die Mahnungen: 1) in dem Gotteshause weihevoll und andächtig zu sein und sich zu verhalten; 2) das Gotteshaus zu lieben und oft zu besuchen; 3) den Wandel im Leben nach den im Gotteshause empfangenen Lehren einzurichten. In der zweiten, am darauffolgenden Sabbath-Chanukkah gehaltenen Predigt deutet er Secharjah 2, 14., auf die drei Stätten, die außer dem Gotteshause dem Herrn geweiht werden müssen, und versteht darunter das Herz, die Familie und den Sabbath, letzteren als die rechte Heiligung für das ganze Leben. Die Sprache des Redners ist warm und herzlich, einfach und fließend, wie ein würdiger Scclensorger zu der ihm anvertrauten Gemeinde spricht und bei ihr auf williges Entgegenkommen rechnen darf. — Betrachtungen über die Bibel und unserer Weisen Aussprüche in Predigten von Samson Gunzenhauser, Rabbiner in Butterhausen (Württembergs. Erste Lieferung. Stuttgart, 1863. Der Verfasser ist mit Fug und Recht ein Gegner langer Predigten, und wollte daher in einer Sammlung kurzer Predigten, die meist nur gedrängte Betrachtungen über einen religiösen Gegenstand sind, jüngeren Amtsgencssen Beispiel und Stoss darbieten. Wie der etwas sonderbar geformte Titel („und unserer Weisen Aussprüche") andeutet, legt der Verfasser wiederum mit Fug und Recht ein großes Gewicht auf die Verwendung von Sprüchen aus Talmud und Midrasch für die jüdische Homiletik. Daß nun der Verfasser von diesem Gesichtspunkte aus manches Gute geliefert hat, erkennen wir gern an : trotzdem glauben wir nicht, daß dieses Werk bedeutende Ansprüche machen kann. Wenn die Länge der Predigt den Zuhörer ermüdet und oft die Gedankenarmuth recht fühlbar macht, so bleibt die allzu kurze Predigt ohne Eindruck und schneidet die Befriedigung am besten Punkte ab. Auch begegnet es dem Verfasser sehr häufig, daß er einer höchst kurzen Predigt eine sehr lange Einleitung voranfchickt, so daß die Vorhalle viel größer ist als das daran gefügte Häuschen. Wenn in einer langen Predigt das Thema zu sehr auseinander gefasert wird, so kann die kurze es nur knapp zufchneiden und wird es oft ganz unerschöpst lassen« Wählt nun der Redner einen sehr bedeutenden Gegenstand, so wird er völlig unbefriedigt lassen. Man lese z. B. in dieser Sammlung die Rede über die Tradition, wo natürlich die einfachsten Fragen, die an diesen Gegenstand gestellt werden können, unerwähnt und unbeantwortet bleiben. Eigcnthümlichkeit der Anschauung, neue Gedanken, zutreffende Behandlung haben wir in Liesen Betrachtungen nicht viel gefunden. — Auch die Benutzung von „Aussprüchen unserer Weisen" ist nichts anderes, als was jetzt jeder jüdische Prediger thut, hie und da eine talmudische und midraschifche Sentenz einflechten. Wir haben daher für diese Schrift nur die Empfehlung, daß sie auf die Kürze der Predigten verweist, was wir jedoch dahin modisiciren müssen, daß die Predigt ein knappes Maß einhalten müsse, um nicht in den entgegengesetzten Fehler zu verfallen. — Buch der Weihe für den Barmitzwa, eine Sammlung Ccnsirmationsreden für Consirmatoren und Confirmanden, nach allen Wochenabschnitten geordnet von l)i. Adolf Ehrentheil, Rabbiner in Horic «Böhmen). Wien, 1862. Der Leser findet in diesem Schriftchen eine Sammlung von Ansprachen des Barmitzwa an Eltern und Lehrer und des Lehrers an den Barmitzwa, also eigentliche Cousirmationsredeu nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.