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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-08-18 · Heft 34 (18.8.1863) · p. Seite 516

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 34 (18.8.1863)
Date
1863-08-18
Page
Seite 516 (sequence 2)
Language
German
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516 sprechend und unbegreiflich bezeichnet ist, darum der Cognition jener völlig entzogen und als ein Mysterium hingestellt wird. Wie bemerkt, wir wollen hier dem Christenthume diese seine Forderung nicht bestreiten, nicht einmal den Widerspruch andeuten, daß eine göttliche Offenbarung nichts weiter als ein unbegreifliches Geheimniß sein solle, sondern wir wollen hier nur constatiren, daß es so und nicht anders ist. Dieser unbedingten Forderung seitens des Christenthums entspricht dann auch der Inhalt seiner Glaubenssätze. Ohne jetzt schon an die Prüfung des ganzen christlichen Glaubensschatzes zu gehen, werfen wir nur einen Blick aus die ersten Credo's, die allen christlichen Kirchen gleicherweise eigen und daher in jedem Katechismus zu finden sind. Sie lauten: 1) „2ch glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde"; 2) „Ich glaube an Jesus Christus, den einzigen Sohn desselben, unfern Herrn, der empfangen worden vom heiligen Geiste, geboren aus der Jungfrau Maria, gelitten hat unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgefahren zur Holle, am dritten Tage wieder erstanden von den Todten, zum Himmel gestiegen, sitzend zur Rechten Gottes des Vaters, von wo er kommen wird zu richten die Lebenden und Todten"; 3) „Ich glaube au den heiligen Geist, der hervorgeht aus dem Vater und dem Sohne".*) Wir gehen nicht weiter, weil von da ab die Kirchen von einander abweichen. Wer diese Fundamentalglaubeussätze des Christenthums liest, dem wird sofort der Widerspruch einleuchten, den die Vernunft und das Gefühl dagegen erheben. Sei die Erklärung, Deutung, Auslegung noch so einfach. *) Es lauten diese Credo's im lateinischen Texte des katholischen Katechismus folgendermaßen, s. Catechismus ex Decreto Concilii Tridenlini, ad parochos Pii V. Pont. Max. jussu edilus. Colon. 1861, p. 15 seq.: Credo in Deum patrem omnipotentem, creatorem coeli et terrae; Et in Jesum Christum, filium ejus unicum, Dominum nostrum, qui conceptus est de Spiritu sanclo, natus ex Maria Virgine, passus sub Pontio Pilato, crucifixus, mortuus et sepullus, descendit ad inferos, tertia die resurrexit a mortuis, ascendit ad coelos, sedet ad dexlram Dei patris omnipötentis, inde venturus est judicare vivos et mortuos. Credo in Spirituni Sanctum, qui ex Patre Filioque procedit. Das lutherische Bekenntniß lautet bekanntlich ebenso. oder gekünstelt, in dem einzigen Gotte eine dreifache Persönlichkeit anzuerkennen, ist der Vernunft unmöglich; ja drei Personen, die so von einander gesondert find, daß die eine derselben ein eigenthümliches Geschick erleiden und sich ihm hingeben konnte, in der Einheit des göttlichen Wesens eine Dreiheit zu finden, aus seiner Einigkeit eine Dreieinigkeit zu machen, ist die Vernunft nicht im Stande. Es ist also ein Mysterium, das die Vernunft und das Gefühl in ihrem ganzen Wesen und in ihrer Thatigkeit völlig ausschließt. Daß Gott Mensch worden, als Mensch geboren werde, esse, trinke, wachse, sich entwickele, thätig sei, leide und sterbe, ist der Vernunft und dem Gefühle ebenso unbegreiflich, ebenso widersprechend, da hier die Grundbegriffe des Unendlichen und Endlichen, des Unbegrenzten und Begrenzten, des Gottseins und Menschseins geradezu in den Kampf, oder vielmehr in den vollständigsten Widerspruch treten. Es ist wiederum ein Mysterium, das die Vernunft und das Gefühl in ihrem ganzen Wesen und in ihrer Thäigkeit völlig ausschließt. Daß in dem Leiden und dem Tode dieses Mensch gewordenen Gottes nicht blos der Mensch leide und sterbe, sondern auch der Gott, so daß dadurch dieses Leiden und Sterben nicht die gewöhnliche Bedeutung eines menschlichen Leidens und Sterbens, sondern eine unendliche Bedeutung und Wirkung, nämlich die Erlösung der sündigen Menschen, jedoch nur sofern sie daran glauben, erhielt, ist wiederum der Vernunft und dem Gefühle unbegreiflich, da der Begriff Gott und der Begriff Leiden und Sterben sich gegenseitig aufheben, also abermals ein Mysterium, das die Vernunft und das Gefühl ausschließt. Daß die dritte göttliche Person, der „heilige Geist", aus den beiden anderen „hervorgeht", dennoch aber von ihr die zweite, der Sohn, „empfangen" worden, ist ebenfalls der Vernunft und dem Gefühle widersprechend, unbegreiflich, ein Mysterium. Wir haben es also mit den weiteren Glaubenssätzen, die an diese Credo's sich anschließen, aus ihnen hervorgehen, von ihnen bedingt werden, die aber auch jene Glaubenssätze selbst bedingen, noch gar nicht zu thun; denn diese schon erweisen vollkommen, daß sie im Gegensatz zur Vernunft und zum Herzen des Menschen stehen, nicht etwa blos von diesen nicht erwiesen, vielmehr bei jeder Prüfung verworfen, sondern schon gar nicht verstanden und begriffen werden, weil alle Begriffe der Dinge darin sich selbst aufheben. Darum hat schon das „Neue Testament" selbst, dann die Kirche und die Kirchenväter, ja alle Kirchenlehrer bis auf diesen Tag das unbedingte Glauben

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