Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1863)
- Date
- 1863-08-18
- Page
- Seite 517 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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als das erste und wesentlichste Erforderniß angesehen und ausgesprochen, weil ohne dieses Glauben jene Glaubenssätze des Christenthums nur Worte sind, und derjenige, sei es christlicher Laie oder christlicher Theologe, der die angeführten Glaubenssätze nicht als die wirklichen und wesentlichen deS Christenthums annimmt, nicht blos die Kirche, Kirchenväter und Kirchenlehrer, sondern auch das „Neue Testament" verwirft, sich also ein Christenthum eigener Art und aus eigene Hand fabricirt. Ganz in derselben Weise, wie die h. Schrift, der Talmud und das jetzige Iudenthum, also das Iudenthum in allen seinen Phasen einmüthig den für keinen Juden erklärt, der den Glaubenssatz: „der Ewige, unser Gott, ist einzig und einig" (beide Begriffe sind im verbunden) läugnet, so erklären das „Neue Testament", die Kirche und die Kirchenlehrer den für keinen Christen, der die obigen drei Credo's nicht glaubt. Ebenso aber wie vom Judenthume nichts übrig bleibt, wenn jene drei Zeugnisse des Judenthums verworfen werden, so bleibt auch vom Christenthume nichts übrig, wenn diese drei Zeugnisse des Christenthums verworfen werden. Es resultirt hieraus also: daß das Iudenthum kein unbedingtes Glauben, sondern überall nur ein vernunftgemäßes Glauben als Forderung und Erforderniß hinstellt, da es lediglich das Glauben an das Dasein Gottes als sein unverrückbares Fundament aufstellt, dieses Glauben aber in dem Wesen des ganzen Menschen begründet ist und der Vernunft und dem Gefühle nicht widerspricht, dann zwar auch das Glauben an die göttliche Offenbarung will, welches Glauben jedoch darum nicht unbedingt ist, weil eine Uebereinstimmung mit dem Lehrrnhalt des Judenthums immer noch auch mit der Nicbtannahme dieses Glaubenssatzes bestehen kann. Das Christenthum hingegen stellt das unbedingte Glauben als seine erste Forderung und Erforderniß auf, weil dieses unbedingte Glauben sein eigentliches Wesen, und sein Lehrinhalt unbegreiflich, der Vernunft und dem Gefühle widersprechend, sie daher ausschließend, Mysterium ist. Wir haben hier, unserer Aufgabe gemäß, keinen Blick auf den Islam zu werfen: aber auch dieser, wie schon sein Name giebl („Islam: die unbedingte Hingebung")*) stellt Glaubenssätze als unbedingte Forderungen auf, wie das unbedingte Glauben an das höchste Prophetenthum Muhameds, an die Praedestination, welche die Freiheit *) S. Tornauw, moslem. Recht S. 2 ff. des Menschen aufhebt (Fatalismus), an die Unerschaffenheit des Koran, der dem Muhamed durch den Erzengel Gabriel vom Himmel gebracht wurde — Glaubenssätze, deren unbedingte Annahme den Begriff des „Gläubigen" ausmacht und allein dem Gläubigen die Seligkeit des Paradieses sichert, deren Annahme aber von einer vernunftgemäßen Prüfung nicht abhängig gemacht, einer solchen vielmehr nicht unterzogen werden darf. — Wir wollen nun dem Christenthume das Recht, das unbedingte Glauben als sein Wesen von seinem Bekenner zu fordern, durchaus nicht bestreiten, und gestatten uns daher nur die eine Bemerkung, daß freilich, sobald einmal ein unbedingtes Glauben gefordert wird, der Inhalt desselben ohne bestimmbare Grenze ist, da ihm das einzige Correctiv, die Uebereinstimmung mit der Vernunft, fehlt. Es ist daher auch den Reformatoren nie eingefallen, die weiteren Glaubenssätze der katholischen Kirche zu verneinen, weil sie der Vernunft widersprachen, sondern weil sie nicht schriftgcmäß seien, aus dem „Neuen Testamente" nicht erwiesen und belegt werden könnten. Aber auch das Heidemhum stand auf dem unbedingten Glauben, und die Gebilde aller heidnischen Religionen konnten von ihren Bekennern nur durch das unbedingte Glauben gehalten werden. War doch selbst die Art von Philosophemeu, welche in einigen heidnischen Religionen, wie der indischen und persischen, enthalten war, in deren concreten Gestaltung dem vernunftgemäßen Begreifen längst entzogen. Das Iudenthum unterscheidet sich daher wesentlich hierdurch von allen übrigen Religionen. Es hat den Kampf um das Dasein Gottes nur mit dem Atheismus, Materialismus und Skepticismus, dagegen den Kampf um den rechten Begriff, die rechte Lehre von Gott mit allen anderen Religionen zu führen. (Fortsetzung folgt.) Spenden-Liste für die Vieler - Stiftung 1) zur monumentalen Herausgabe der Schriften Riesters, 2) zur Unterstützung solcher Israeliten, die Gerichtsassefforen oder zu Gymnasial- und Nniversitäts- Lehrämtern befähigt, aber ihrer Religion wegen nicht angcstellr sind. 433) Leopold Schwarz in Carlsbad 2 Thlr. 434—442) Rabb. Dr. Hamburger in Altstrelitz ges. von vr. Arndt 34*