Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1863)
- Date
- 1863-08-11
- Page
- Seite 506 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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506 Minister gelegentlich in der Discussion fallen ließ, geht dahin, „ob denn die zwei Millionen Juden,* *) wenn sie herrschen würden, ebenso tolerant gegen die Christen wären?"**) Bei der ersten Lesung des Antrags sprach sich v. Mühlseld ungefähr so aus: die von ihm übergebene Petition mehrerer Concipienten israelitischer Religion habe ihn bewogen, diesen Antrag zu stellen, obwohl ihn höhere Motive als die in der Petition enthaltenen dabei leiteten. Er müsse rechtfertigen, warum er, der im vorigen Jahre den Antrag stellte, ein großes Gesetz (Religions-Edict) zu beschließen, jetzt mit einem so kleinen Theile vor das Haus trete. Aber er habe traurige Erfahrungen gemacht. Einerseits habe er in der vorigen Session erfahren, daß es im negativen Willen des Hauses begründet war, daß das vom Ausschüsse ausgearbeite Religionsgesetz nicht aus die Tagesordnung gebracht wurde, denn sonst hätte ein Beschluß des Hauses das Gesetz auf die Tages-Ordnung bringen müssen. Ebenso sei es der Regierung ergangen, welche im Mai 1861 die Vorlage eines Gesetzes über die Regelung der internationalen Verhältnisse der katholischen Kirche zu den akatholischen Bekenntnissen versprochen. Dieses Gesetz sei nicht an das Haus gelangt, weil, wie der Staatsminister gesagt, früher die Unterhandlungen mit dem päpstlichen Stuhle über diesen Gegenstand zu Ende geführt werden müßten, was bis heute noch nicht geglückt sei. Diese beiden Erfahrungen hätten ihn gelehrt, daß es nicht an der Zeit sei, mit einem großen Gesetze hervorzutreten; dann sei es aber die Ausgabe, nach Zulässigkeit und amt glänzend verwalket, und ein Lord-Mayor der City hat wirklich mehr Bedeutung als ein Österreich. Notar. Die Redaction. *) Zwei Millionen? Sind damit die Juden in Oesterreich oder alle Juden gemeint? Die Redaction. **) Wie wir schon mitgetheilt, stimmten zwei Minister für den Antrag; zwei waren gerade anderweitig beschäftigt. Die Ansicht des Herrn Justizministers bleibt aber immer von der wesentlichsten Bedeutung, da die wirkliche Verleihung des Notariats von ihm reffortirt... Man zeihe uns nicht des Mißtrauens, wir haben in dergleichen Dingen schon allzuviel erlebt. Uebrigens waren es nicht die Polen, sondern die Ruthenen, die dagegen stimmten. Auch eine schöne Gegend! Die Redaction. Möglichkeit dahin zu wirken, daß, wenn das Gesetz im Großen und Ganzen nicht möglich ist, durch einzelne Gesetze mögliche Verbesserungen anzustreben. Redner entwickelt noch weiter die Geschichte der confessionellen Gesetzgebung seit 1849 und empfiehlt seinen Antrag, da die Weglassung des §. 7 aus der Notariatsordnung an dem System derselben gar nichts ändere. Pesth, 30. Juli. (Privatmitth.) In diesen Tagen ist hier der „Bericht über die ersten drei Schuljahre der kön. israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Pesth" von dem Director A. Lederer erschienen, der sicherlich die volle Aufmerksamkeit aller Schulfreunde auf sich zu ziehen geeignet ist. Nach drei Aufsätzen: „Die Bibel, die Naturkunde und die Weltgeschichte als Leitsterne der Pädagogik" in ungarischer Sprache, „die Behandlung der israel. confessionellen Lesestücke" und „die Methodik des hebräischen Unterrichtes in jüdischen Volksschulen" (von Emanuel Schütz) in deutscher Sprache, Aufsätze, welche ihren Gegenstand, wenn auch nicht erschöpfend, doch mit großer Klarheit und wahrhaft pädagogischer Einsicht behandeln, so daß ihr Standpunkt eben der der Entwicklung ist, auf welchem das Bedürfniß der Gegenwart befriedigt und dem der Zukunft vorgearbeitet wird, folgt die Geschichte der „Praeparandia", ihre innere Organisation, Statistik u. s. w. Diese Geschichte zeigt uns höchst charakteristische Momente, die zwar nicht erhebend, aber doch beruhigend und ermuthigend sind. Es zeigt sich nämlich auch hier, daß sowohl die jüdische Bevölkerung, als auch die Regierung das Bedürfniß erst zur unumgänglichen Nothwendigkeit heranwachsen ließen, und es auch dann erst zögernd und mit kärglichen Mitteln befriedigten, daß aber dennoch dieses Bedürfniß durchdrang, sich Bahn brach und so die Bürgschaft in sich trägt, nach allen Seiten hin zu wachsen und sich kräftig zu entwickeln. Es war so weit gekommen, daß die Pesther katholische Lehrerbildungsanstalt allein 1857 von 100 israelitischen Lehramtszöglingen besucht ward, so daß die Zahl dieser die der katholischen übertraf. Nicht minder zahlreich waren die übrigen Präparandien Ungarns besucht, und an der Prager und Wiener Präparandie wurde wegen der starken Frequenz den israelitischen Lehramtszöglingen die Aufnahme erschwert, oft auch gänzlich verweigert. Dies charäkterisirt unsere Zeit. Darin zeigt sich der Fortschritt in den