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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-08-11 · Heft 33 (11.8.1863) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 33 (11.8.1863)
Date
1863-08-11
Page
Seite 502 (sequence 4)
Language
German
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502 ein wenig zu früh, daß die Juden sich etwa schon für ihr nächstes Paffahfest ihren Vorrath an Christenblut einkellern sollten. Die Brunner Krawalle sind nach allen Berichten die Eruption einiger judenseindlichen Arbeiter, und die zurechnungsfähige Bevölkerung der an hervorragenden jüdischen Industriellen reichen Stadt steht den Exceffen nicht nur ganz fern, sondern spricht auch offen ihre Entrüstung über lene muthwillige Rotte aus, die den Frieden der Stadt und die sonst ungetrübte Eintracht der Einwohnerschaft christlichen und jüdischen Glaubens zu stören versucht. Bedenklicher hätte auf den ersten Blick die Judenhetze in Lemberg scheinen können. Man weiß, wie die Juden, wenn sie sich inmitten eines Nationalitäten-Kampfes gestellt sehen, nur zu oft das Bad ausgießen müssen und von beiden Parteien maltraitirt werden. Bei dem Zustande, in welchem sich Galizien jetzt, während der polnischen Jnsurrection, befindet, hätte nichts größeres Unheil stiften können, als ein in diesem Momente der nationalen Erregtheit, wenn auch noch so ungerecht erhobenes unbesonnenes Wort der Anklage gegen die Juden. Das ist glücklicherweise nicht nur nicht der Fall, denn auch der Lemberger Krawall ist lediglich ein ordinärer, jeder politischen Triebfeder entbehrender Straßenexceß, sondern das polnische Hauptorgan Lembergs benützt sogar den Anlaß, der Indignation über den Vorfall und zugleich der Anerkennung des Verhaltens der Juden Worte zu leihen. Das polnische Organ erinnert daran, daß, während in Lemberg „Bubenstreiche an den Juden verübt werden, im benachbarten Russisch-Polen sich das Blut der nunmehr in Leid und Freud durch die unauflöslichen Bande des gemeinsamen Märthrerthums geeinten christlichen und jüdischen Söhne Polens mische", und mahnt, daß „cs schlecht passe, Judenhetzen zu machen in einem Momente, wo die Polen für die Wiedergeburt ihres Vaterlandes kämpfen, ein Unternehmen, das nie gelingen könne, wenn nicht die Verbrüderung aller Stande und Confessionen die Grundlage desselben sei". Es ist dies ein schönes Wort und zur guten Stunde gesprochen. Freilich auf die Excedenten wird es wenig Effect machen, denn bis zu ihnen pflegt das Wort der Journale eben nicht zu dringen; gleichwohl ist es von Werth, daß die öffentlichen Organe derartige Vorfälle brandmarken und auch der übrigen Bevölkerung deren Abscheulichkeit zu Gemüthe führen. Die Haltung der Bevölkerung kann in solchen Fällen viel wirksamer sein, als die Intervention der bewaffneten Macht, welche doch in der Regel erst auf dem Schauplatz erscheint, wenn das Schauspiel eben vorüber ist. Der Stadt und dem Lande, wo solche Epceffe heutzutage noch Vorkommen, gereichen sie sicher nicht zur Ehre, denn sie sind ein Zeichen mangelnder Volksbildung, und in der Thal weiß man ja, daß nur zu lange in Oesterreich das Vorurtheil gegen die Juden genährt wurde. Die Umkehr ist noch von zu jungem Datum und auch noch nicht einmal allgemein genug, als daß die ganze, zum Theil mit jenem Voruriheil großgezogene Generation schon von dem Gerechtigkeirsgefühl auch gegen die andersgläubigen Mitbürger erfüllt sein sollte. Nichts aber wird nun mehr dazu beitragen, die unbefangene Meinung aller Volksklassen von den Juden herzustellen, als die Gesetzgebung, wenn sie fortfährt, wie sie endlich seit einigen Jahren begonnen, auch den Juden das gleiche Recht zu gewähren, welches jedem Staatsbürger gebührt. In dieser Richtung ist und muß der Staat Träger der Aufklärung sein. Vielleicht wird es selbst nicht an Versuchen fehlen, aus den jüngsten Judenhetzen gar noch Waffen gegen die Juden-Emancipation zu schmieden, denn noch giebt es bei uns bekanntlich Partisane jener Christlichkeit im Staate, die jeden Andersgläubigen vom Gemeinwesen ausfchließt. Aber diese Versuche werden fehlschlagen, sie müssen fehlschlagen, wenn Oesterreich fortfährt, sich auf constitutionellem Wege zum Rechtsstaat umzubilden, denn auch das Recht der Juden ist ein Recht, das nicht schlechter geworden ist, weil dieses Volk eine furchtbare tausendjährige Leidensgeschichte zu erzählen hat. Inzwischen hat unsere Gesetzgebung noch Manches zu thun, bevor dieses Recht völlig hergestellt ist, und man sollte nicht säumen, die Schuld abzutragen. Erst wenn dies vollständig geschehen sein wird, wird selbst bei den niedersten Volksklaffen der Quell jener Leidenschaften versiegen, aus welchem Judenhetzen entspringen. Solange der Staat selbst die Juden wie nicht gleichberechtigte Bürger behandelt, nährt er noch immer das Vorurtheil." So weit die „Presse." Wir fügen hinzu, daß man aus Allem ersieht, daß die Juden auch nicht der leiseste Vorwurf, eine Veranlassung gegeben zu haben, trifft. Vielmehr muß man die Mäßigung der Juden in Lemberg, wo sie mehr als zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen, bewundern, da sie dort so leicht Gleiches mit Gleichem vergelten konnten, was aber Unheil über das ganze Land bringen würde. Die „Presse" bringt (außer den von uns w. u. gegebenen Nachrichten) noch folgende Correspondeuz:

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