Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1863)
- Date
- 1863-08-04
- Page
- Seite 490 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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490 nicht mehr betreten. Am 7. d. M. in Paris durch einen Omnibus überfahren, erlitt ein so reiches und viel versprechendes Leben einen vorzeitigen Tod, der nicht blos seine nähern Freunde schmerzlich berührt, sondern — wovon schon mehrfache Anzeichen vorliegen — von allen Seiten tief empfunden wird." — Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 19. Juli. Ueber das bisherige Schicksal des v. Mühlfeld'schen Antrags beim Reichsrath wegen Zulassung der Israeliten zum Notariate haben wir bis heute Folgendes beizubringen: In den Ausschuß für den Mühlfeld'schen Antrag, betreffs Aufhebung des §. 7 der Notariats-Ordnung, wurde aus den Abtheilungen gewählt: Gutowski, Kuranda, Mühlfeld, Mazzuchelli, Hagenauer, Wenzyk, Lohninger, Dan der Straß, Kuziemski. (Dieser Ausschuß hat Grafen Mazzuchelli zum Vorsitzenden und Dr. van der Straß zum Schriftführer gewählt.) Dieser Ausschuß versammelte sich sofort Behufs seiner Constituirung, mit dieser fiel aber auch zugleich die Schlußberathung über den Antrag selbst zusammen. Der Ausschuß löste seine Aufgabe in der Zeit von kaum einer halben Stunde. Das Resultat ist die Annahme des Mühlfeld'schen Antrages mit überwiegender Majorität. Der Berichterstatter Dr. van der Straß wird seinen Bericht schon in der am nächsten Montage stattfindenden Sitzung des Ausschusses dem letzter» erstatten. Die Frage, die dem Ausschüsse vorlag, war allerdings klar und einfach; es handelte sich um ein Princip, das sich, sollte man meinen, von vornherein jeder weitern Debatte entzog. Gleichwohl ging eine solche dem Beschlüsse vorher. Der Antrag stieß namentlich von Seite der galizischen Ausschußmitglieder auf Widerspruch. CanonicuS Kuziemski erklärte die Zulassung der Juden zum Notariate in Galizien geradezu für unthunlich; die beiden polnischen Abgeordneten (Gutowski und Wenzyk) wiesen auf das voraussichtliche große Mißtrauen der galizischen Bevölkerung gegen etwaige jüdische Notare hin; einer von ihnen machte überdies das Bedenken geltend, daß das Notariat bis zu einem gewissen Grade ein Richteramt sei. Die Ausschußmitglieder Kuranda und Mühlfeld ließen es an kräftigen Widerlegungen nicht fehlen. Ersterer bemerkte, er finde es nicht mehr für würdig genug, jetzt noch in eine Debatte über das in Rede stehende Princip einzugehen: wenn jedoch von einem Mißtrauen der christlichen Bevölkerung gegen jüdische Notare die Rede sei, so sollte doch auch auf die 800,000 Juden*) Galiziens Rücksicht genommen werden, denen doch wohl das Recht zustehen sollte, sich an einen Notar ihres Glaubens wenden zu können. Auf eine weitere Bemerkung eines polnischen Abgeordneten erwiderte derselbe Redner, er wundere sich, daß der polnischen Bevölkerung eine so illiberale Denkungsweise in einem Momente zugemuthet werde, in der ein Theil ihres Stammes unter allseitigen Sympathien für die Civilisation kämpft. Der Abgeordnete Mühlfeld wies darauf hin, daß eigentlich eine Bestimmung über die Ausschließung der Juden vom Richteramte nicht epistire, daß ja überdies die Ernennung von Notaren jüdischen Glaubens in den Händen der Regierung liegen werde, die eventuell sicher auf besondere Verhältnisse Rücksicht zu nehmen nicht verabsäumen würde. Die beiden polnischen Abgeordneten erklärten sich für den Antrag im Principe, jedoch gegen dessen Anwendung auf Galizien. Der Antrag wurde, wie oben erwähnt, vom Ausschüsse mit Majorität angenommen. Daß die Minister sich zur Unterstützung des Mühlfeld'schen Antrages nicht erhoben, haben wir bereits im Abendblatte registrirt; im Ausschuffe war die Regierung nicht vertreten. Frankreich. Paris, im Juli. In der Sitzung der fünf Akademieen wird wahrscheinlich die Candidatur des Herrn I. Oppert für den zweijährigen Preis von 20,000 Frcs. auf Widerstand stoßen, da ihn die Akademie der Inschriften nur mit einer Majorität von zwei Stimmen vorgcschlagen; sein Mitbewerber ist Herr Mariette. — Ein sehr tüchtiger Journalist, Dr. Eduard Fischet aus Danzig, ist bei einem Besuche in Paris durch einen Omnibus überfahren worden und auf der Stelle todt geblieben. Mehrere deutsche Blätter, an welchen er mitarbeitete, haben schon ihr tiefes Bedauern über diesen Unglücksfall ausgesprochen. — Zum Großrabbiner von Metz ist, wie die Arch. isr. melden, der bisherige Rabbiner zu Phalsbourg vom Central-Consistorium einstimmig gewählt worden. — Nach demselben *) Diese Zahl ist zu hoch gegriffen, unseres Wissens um die Hälfte. Die Redactiou.