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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-08-04 · Heft 32 (4.8.1863) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 32 (4.8.1863)
Date
1863-08-04
Page
Seite 488 (sequence 6)
Language
German
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488 geführt ist, sodann zur Vornahme von Trauungen, Vollzug von Ehescheidungen und Befreiungen von der Leviratsehe (Chaliga). Hinsichtlich der allgemeinen, den Religionsverband bedingenden Aufsichtsrechte kann dem Rabbiner, als der nach den Grundsätzen der mosaischen Religion bestellten Autorität die Ausübung der gemäß der §§. 39 bis 41 des zweiten Verfassungsedictes begründeten Befugnisse, soweit sie mir den Grundsätzen der israelitischen Religionsgeseüschaft vereinbarlich sind, nicht beanstandet werden. Vorstehende Grundsätze finden auch Anwendung, wenn in Folge der Bestimmungen des Landtagsabschiedes vom 10. November 1861, Abschnitt Hl. §. 15 an Orten und in Bezirken, in welchen bisher Israeliten nicht ansässig waren, neue israelitische Cultus-Gemeinden zu bllden sind." Preußen. Magdeburg, 20. Juli. Der in Paris zu Tode gekommene l>r. Fischel aus Danzig war ein langjähriger Mitarbeiter der „Magd. Ztg.", und diese widmet ihm einen ausführlichern Nekrolog, den wir hier mittheilen. Zuvor geben wir, was die „Pariser Deutsche Zeitung" über seinen Tod berichtet: Am letzten Dienstage (den 7. d. M.) ereignete sich in der Rue Royale, an der Stelle, wo dieselbe die Rue Saint Honore durchschneidet, ein schreckliches Unglück. Ein noch junger Mann, der aus einem Fiacre ausgestiegen war, wurde von einem andern Wagen erfaßt und unter einen vorbei fahrenden Omnibus geschleudert. Eins der Hinterräder ging ihm über den Kopf. Der Tod erfolgte, ohne daß der Unglückliche auch nur einen Schmerzensruf ausgestoßen hätte. Es war ein schrecklicher Anblick. Der Arme, der so unversehens in den Straßen von Paris sein Leben endete, war ein Deutscher, Dr. Fischel, früher Asstssor in Berlin. Derselbe hatte sich mit ei ner Empfehlung res Herzogs von Coburg nach Heidelberg gewandt, um an der dortigen Universität eine Professur zu erhalten. Ter Geschäftsträger des Herzogs von Coburg in Paris, Herr Königswarter, ließ sofort eine Untersuchung über die Ursachen anstellen, die den Tod seines Schutzbefohlenen herbei geführt. Es stellte sich heraus, daß Unvorsichtigkeit des Verunglückten allein an dem traurigen Vorfälle schuld war. Er hatte mit einer jungen Sängerin, die auf Kosten des Herzogs von Coburg von Fräulein Bochkolz-Falconi, der bekann ten, seit längerer Zeit in Paris lebenden Deutschen Sängerin, ausgebildet wird, und einer andern Dame eine Spazierfahrt gemacht und war gerade aus dem Wagen ausgestiegen, um den Kutscher zu bezahlen, als ihn, indem er unvorsichtig einen Schritt zurück trat, der andere Wagen erfaßte. Der Nachruf der „M. Z." lautet: In der Blüthe der aufstrebenden Mannesjahre hat uns im fernen Paris der Tod einen lieben Freund und werthen Mitarbeiter entrissen, den Assessor beim königlichen Stadtgericht zu Berlin, 0r. jur. Ed. Fischel. Zu Danzig geboren, hatte er sich in Hamburg bereits einige Jahre der kaufmännischen Laufbahn gewidmet, als er, dem eingebornen Drange zu den Wissenschaften folgend, nach Preußen zurückkehrte und nach abgelegtem Abiturientenepamen die juristischen Studien in Berlin begann und vollendete. Die reichen Mittel der großen Universttät und Hauptstadt benutzend, bildete Fischel seinen nach allen Seiten erschlossenen Geist zu schöner Harmonie in wissenschaftlicher und ästhetischer Beziehung aus und legte so einen Grund, auf dem er bis an sein Lebensende rüstig fortgearbeitet hat. Nach Vollendung der juristischen Vorstufen trat er 1858 als unbesoldeter Assessor bei dem Berliner Stadtgericht ein und wendete sich, nachdem er schon ftüher mehrfach auf diesem Felde thätig gewesen war, zugleich mit großem Eifer und vielem Erfolge der Publicistik zu. Von jener Zeit an verdankt ihm die „Magd. Z." eine Reihe von Artikeln, die sofort die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Scharfsinn, die Kenntnisse und die Gewandtheit der ungewöhnlichen Kraft lenkte, die sich hier der Entwicklung unserer Verfassung und des Rechtsstaates zuwendete. Eine schnell zunehmende Anzahl von Anerbietungen für die verschiedensten Blätter ehrte seine eminente Feder; doch konnte Fischel trotz außerordentlicher Arbeitskraft und Lust nur wenige davon befriedigen, zog sich in neuerer Zeit mehr und mehr aus der Journalistik zurück und war im Begriff es ganz zu thun. Neben seiner Berufs¬ und Correspondententhätigkeit hatte mittlerweile Fischel auch durch Flugschriften lebhaft und kräftig in die öffentlichen Angelegenheiten eingegriffen. In dem Italienischen Kriege nahm er gegen Frankreich und für Oesterreich in einem „Mahnruf an das Deutsche Volk" Partei, den er unter dem Titel: „Brennuszug und Moskowitenthum" erscheinen ließ und der, auf Veranlassung des Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha umgearbeitet, mit dem Titel: „Die Despoten als Revolutionäre" herauskam, eine massenhafte Verbreitung fand

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