Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1863)
- Date
- 1863-08-04
- Page
- Seite 485 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226397--21431-3301339- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
485 Bei der letzten Ordensverleihung wurde der rothe Adlerorden auch dem Königl. Musik-Director Professor Stern, Dirigent des gleichnamigen weltberühmten Gesangvereins, des Shnagogenchors der Reformgemeinde und Inhaber des Conservatoriums für Musik, zu Theil. Das letztere Institut zahlt eine bedeutende Anzahl Studirender aus allen Theilen Europa's. Die ersten Lehrer Berlins, Hans v. Bülow, Musikdirector Weitzmann, Hofpianist Golde, Hofschauspieler Berndal, Domsänger Otto und Geyer u. a. unterrichten an demselben. Denjenigen, die eine gründliche Ausbildung in der Musik erstreben, krau dieses Institut nicht warm genug empfohlen werden. E. B. Berlin, 15. Juli. Bei Anwesenheit der Wiener Hofschauspielerin, der Frau Julie Rettich, kommt auf dem hiesigen Bictoria-Theater 1 Act aus der neuen Trilogie Märkers, „die Karolinger", zur Aufführung. Die dazu gehörige Musik, bestehend aus einer Jntroouction, mehreren Chören und einem Schlußmarsch, ist von dem Hrn. L. Lewaudowski, Dirigent des Synagogenchores, componirt. Wir hatten Gelegenheit, einen Theil der Partitur zu prüfen, und müßten uns sehr täuschen, wenn die Aufführung nicht eine sehr wirkungsreiche sein sollte. E. B. Berlin, 8. Juli, ra« b'a nvv'»T. Sabbathliche Eyuagogal - Gesänge, componirt von A. Grünzweig, regen«; ch<m in Arad. Eigenthum des Herausgebers. Die Erscheinungen auf dem Gebiete der Synagogenmusikliteratur mehren sich von Jahr zu Jahr, was ein um so erfreulicheres Zeichen für die Regsamkeit auf diesem Gebiete bekundet, da die Herausgabe von Synagogengesangen gewöhnlich mit schweren Opfern verbunden ist, weil sich in höchst seltenen Fallen ein Verleger für diese Art von Compositionen findet und der Componist genöthigt ist, dieselben auf eigene Kosten herauszugeben. Daß sich natürlich mancher berufen fühlt Synagogengesänge herauszugeben, der nur eine sehr mangelhafte Befähigung für diese schwierigste Art der Composition hat, liegt in der Natur der Sache. Die vorliegenden Gesänge (im Selbstverläge des Herausgebers erschienen) bekunden vor manchen anderen ihrer Gattung einen gewissen Grad musikalischer Begabung, und würde der Compenist wohl auf diesem Gebiete etwas Tüchtiges zu leisten im Stande sein, wenn er sich bestrebte sein Talent durch einen gewissenhaften Unterricht auszubilven. Gegenwärtige Gesänge aber tragen doch noch zu sehr den Charakter des Schülerhaften an sich und lassen hauptsächlich in Bezug auf das, was man reinen Satz und gute Stimmführung nennt, manches zu wünschen übrig, abgesehen davon, baß sie der Würde des Gotteshauses zu wenig Rechnung tragen und, wenn man ihnen einen anderen Text unterlegte, von profanen Gesängen gar nicht zu unterscheiden waren. In Bezug auf die mangelhafte Stimmführung heben wir nur einiges hervor. Auf Seite 3 von der letzten Note der ersten zur ersten Note der zweiten Zeile finden sich Octaven in den Außenstimmen, eben solche auf Seite 4, Zeile l, Tact 5, k e und f e im Sopran und Alt 2do., Tact 7 zu 8 d c und d c in denselben Stimmen, Zeile 2 vom dritten zum vierten Tact et und e k in den Außenstimmen (verdeckte 8 ven), Tact 4 des c und des c im Baß und zweiten Alt, Seite 49, Zeile 1, Tact 2 ba und e d, sehr schlecht klingende Fortschreitung in Quinten u. s. w. Querstände sind nichts Seltenes und eine Auslassung des wichtigsten Intervalls, der Terz, findet man häufig. Zwar findet sie sich hier und dort in der Orgelbegleitung ergänzt, doch ist erstens die Klangfarbe der Orgel eine andere als die der Singstimmen, kann also nicht eineu fehlenden Ton der letzteren ergänzen, und zweitens sind in wenigen Gemeinden Orgeln, die Gesänge mußten also 2 capella aufgeführt werden und sind auch darauf berechnet. Eben so häufig aber hat weder die Orgel noch haben die Singstimmen eine Terz, wie auf Seite 45, Zeile 2, Tact 3, wo man 6s vergebens sucht. Derselbe Mangel zeigt sich auf Seite 17 im zweiten Tact der letzten Zeile. Nicht minder fühlbar ist aber der Mangel an richtiger Accentuation. Wir finden Betonungen wie echod, statt eduid, jodechö statt jod4dio, bodim statt boelim» shillos statt s'hillus, melecli statt melech (im Adaun aulom) und dergleichen mehr. Gerade darauf muß ein Componist hebräischer Texte sein besonderes Augenmerk richten, da eine richtige Accentuation den Wohllaut der hebräischen Sprache fördert. Die Ausstattung des Werkes ist eine recht geschmackvolle. Emil Breslaur. 32*