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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-08-04 · Heft 32 (4.8.1863) · p. Seite 484

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 32 (4.8.1863)
Date
1863-08-04
Page
Seite 484 (sequence 2)
Language
German
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484 trmg liegt. Nichts zieht aber hierbei die Aufmerksamkeit mehr auf sich als das Benehmen der polnischen Abgeordneten, welche schon im Ausschuß gegen den Antrag sprachen und votirten. Da haben wir abermals einen Beweis für die wirkliche Gesinnung der Polen, und alle Redensarten der geheimen polnischen Nationalregierung zeigen sich hiergegen als Wind. Wir Juden sehen hieran abermals, was unsere Glaubensgenosien von den Polen zu erwarten haben. — Auch wir können nicht umhin, dem in Paris so plötzlich zu Tode gekommenen Dr. Fischel einige Worte des Nachrufs zu widmen (s. w. u.). Wir haben mit demselben in keinerlei Verbindung gestanden; doch ist es uns bekannt, daß er als Publicist bei jeder sich darbietenden Veranlassung freimüthig für das Recht seiner Glaubensgenossen eintrat, und wissen wir überhaupt die bedeutende Kraft zu schätzen, die in ihm verloren gegangen, und die sicher noch Verdienstliches geleistet hatte, wenn wir auch mit seiner Auffassung des jüdischen Standpunktes nicht immer übereiostimmten, und darüber sogar einmal zu einem heftigen Zusammenstoß mit ihm in der „Magdeburger Zeitung" kamen. Der Verstorbene gehörte zu den ehrenvollen Charakteren, welche die Ungerechtigkeiten reactionarer Machthaber standhaft ertragen, unter keiner Bedingung ihre religiöse Ueberzeugung opfern, um weltliche Vortheile zu erlangen, und der Wahrheit, wie sie in ihnen lebt, niemals ins Gesicht schlagen. Er hat aber auch bewiesen, daß eine tüchtige Kraft selbst unter so ungünstigen Umstanden sich eine Bahn zu brechen vermag, und würde er bei längerem Leben, durch solche Prüfungen gestärkt, sicherlich ein höheres Ziel erreicht haben, als wenn er nach dem Assessoratsexamen sofort in den hergebrachten Geschäftsgang als Richter oder Anwalt hätte treten können. Jedenfalls aber zeigt sich auch an diesem Beispiele, wie unentbehrlich unter den obwaltenden Umständen die von uns ausgesprochene Idee der Rießerstiftung zur Unterstützung und Förderung gerade solcher Männer ist, und wie schwer die Verpflichtung hierzu aus unserer Glaubensgenosseaschast lastet. — Wenn die Ungarn und Polen thatsächlich erwiesen haben, daß im Osten Europa's die nach nationaler Selbstständigkeit ringenden Völkerschaften hierbei durchaus noch nicht auf den Standpunkt der modernen Gesellschaft, des modernen Staatslebens gelangt sind, sondern die staatliche Freiheit lediglich für sich und ihren Stamm, nicht aber für ihren Staat und deren sämmtliche Glieder erstreben, vielmehr innerhalb des letzteren Ausschließung und Unduldsamkeit aufrecht erhalten wollen: so kann eS uns nicht wundern, wenn die Rumänen und Serben ihrerseits denselben Beweis führen, und sie, welche die Hülfe Europa's gegen die Oberherrschaft der Pforte mit so vielem Rumor anrufen, eine Tyrannei gegen ihre jüdischen Mitbürger ausüben, wie sie unter der türkischen Herrschaft niemals vorgekommen. Wir sagten, im Osten Europa's, da im Gegensatz die Italiener den Grundsatz der Glaubensfreiheit und der bürgerlichen Gleichberechtigung unbedingt angenommen und verwirklicht haben. Mögen die westlichen Mächte, welche die Rumänen und Serben in Protection genommen haben, dieselben belehren, daß man nicht für sich fordern dürfe, was man Anderen verweigert, und sie nölhigen, die Principien der Gerechtigkeit gegen alle Staatsangehörigen auszuüben. — Literarischer Wochenbericht. Musikalisches. Berlin, Anfang Juli. Vor einem Kreise geladener Zuhörer fand am 25. Juni die nochmalige Aufführung der Motette statt, welche zur Einweihung des neuerbauten Schulhauses von dem Herrn L. Lewandowski componirt worden war. Bei der ersten Aufführung hatten nicht nur die Sänger des Synagogenchores, sondern auch die Zöglinge des hiesigen jüdischen Seminars, sowie die Gesangsschüler der Knabenschule mitgewirkt und war dabei die nicht unbeträchtliche Anzahl von 120 Sängern betheiligt gewesen. Die Schönheit der Composition sowohl, wie die präcise Aufführung hatten allgemein den Wunsch rege gemacht, diese Composition noch einmal zu hören, und diesem Wunsche war der Componist bercirwillig nachgekommen. Die Composition verfehlte auch diesmal nicht, einen tiefen Eindruck hervorzubringen, und wurde dem Componisten allgemeine Anerkennung zu Theil. Der Dichter des Textes ist der Rector der hiesigen Knabenschule und Dirigent der Lehrerbildungsanstalt, der Herr A. Horwitz, und man kann sich alles Lobes dieses zwar kleinen, aber formell wie inhaltlich gleich vorzüglichen Dichtwerkes enthalten, wenn man weiß, wie Gutes gerade auf diesem Gebiete von dem Dichter bereits zu Tage gefordert worden ist.

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