Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1863)
- Date
- 1863-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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27. Jahrgang. Allgemeine 32_ Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben seit Rabbiner I>r. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 4. August 1863. Ditsr Zeitung ersLriirt wöchentlich einmal. Dienstag«, in 1'/- bi- 2 Bogen. Preis de« Jahrgang» 3 Tblr. Halbjäbrig I Tblr. 15 Rgr. Dierteljäbrig 22 sr Rgr. Inserate werde» mit 1 * 2 Rgr. für die Petirzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebübrcn betragen für 1 Bogen 4 Dblr., lür '/r Bogen 3 Tblr., für V« Bogen 2 Tblr. Alle Buchhandlungen. Postämrcr und Zeitung-»Expeditionen nebmen Bestellungen an; der Haurtexve« dition für beide Letztere bat sich da« König!. Lachs. Hauxi»Zeitung« - Bureau bier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Wochenschau. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Darmstadt, Leipzig, München. Preußen: Magdeburg. Oesterreichischer Kaiserftaat: Wien. Frankreich: Paris. Italien: AuSOberitalien. Schweiz: Endingen, Baden- Bern. — Nachtrag: Philadelphia', Wien, Wien. Leitende Artikel. Bonn, 26. Juli. Wochenschau. In der Schweiz drängt es zu einer Entscheidung in der Angelegenheit der Juden. Der Bundesrath kann sich einer Entschließung und höchsten Entscheidung nicht mehr entziehen. Von der andern Seite hat der Aargauer Rath für den Rückschritt durch Verkündigung eines neuen retrograden Judengesetzes bestimmte Position gefaßt. Das Ausland hat die Schwei; durch den Mund der holländischen Kammer und die Instruction des französischen Ministers zur Gleichstellung der Israeliten aufgefordert und gemahnt. Dennoch hegen wir wenig Hoffnung. Bor allen Völkern leiden die Schweizer durch und durch an Egoismus. Sie wollen die Freiheit nur für sich, und selbst im eigenen Lande nur für sich; selbst der Fremde, der sich in ihrer Mitte aufhalt, soll ausgeschlossen bleiben; und da sie unglücklicher Weise die seit so vielen Jahrhunderten in der Schweiz lebenden Israeliten noch immer für Fremde ansehen wollen, so sollen diese unter ihnen geächtet und ausgeschlossen bleiben. ES ist dies ein ärgerliches Schauspiel, das der Schweiz zur Schande gereicht, das aber auch abermals beweist, daß die Vcrfassungsform eines Staates an sich noch wenig ausmacht, da Unrecht, Unduldsamkeit und Vorurtheile innerhalb jeder Regierungsform sich geltend machen können. Die alte Phrase, welche die Schweiz als „den Hort der Freiheit in Europa" feierte, haben die Schweizer selbst schon seit lange gründlich als eine Täuschung erwiesen. — Nach Wien hat der Antrag des Abg. v. MLhlfeld auf Zulassung der Juden zum Notariat die Blicke auf diesem Gebiete wieder einmal gezogen. Es ist dies einer der kleinen Prüfsteine, an welchen das Gold der wahren Freisinnigkeit erprobt wird, und die darum auch für das Allgemeine Werth und Bedeutung haben. Aus den bisherigen Berichten (s. w. u.) laßt sich schließen, daß das Abgeordnetenhaus den Antrag mit Majorität annehmen werde. Ob aber das Herrenhaus beistimmen werde, und ob das Staatsministerium dafür sei, ist noch sehr zweifelhaft. Darum hat diese Angelegenheit bis jetzt nur eine principielle Bedeutung, noch dazu, da die Verwirklichung immer erst in den Händen der Verwal-