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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-07-28 · Heft 31 (28.7.1863) · p. Seite 476

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 31 (28.7.1863)
Date
1863-07-28
Page
Seite 476 (sequence 8)
Language
German
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476 dieser Vergleich fällt ganz entschieden zu Gunsten der Gegenwart aus. Damals behandelte nur ein Lehrer die jüdischen Fächer in seinem Hause und wohnten nicht einmal alle Schüler dem Unterrichte regelmäßig bei; jetzt hingegen sind es die drei genannten Lehrer, welche mit Eifer und sichtbarer Vorliebe in schöner Harmonie in diesen Gegenständen unterrichten! Und wenn dennoch mitunter bei Entlassung der jungen Leute sich im Hebräischen nur Mittelmäßiges zeigt, so wolle man den Grund nicht in der Organisation des Unterrichts suchen, sondern in der mangelhaften Vorbildung, die fast stets erkennbar ist und deren nachtheilige Folgen sich weit über die Seminarzeit hinaus erstrecken. Auch diesmal war eine ziemlich große Verschiedenheit in den Fähigkeiten unter den Examinanden erkennbar. Wenn aber, wie das hier der Fall war, Seminaristen dahin gebracht werden, daß sie Schriften, wie die Psalmen, correcc übersetzen und die grammatischen Formen genau anzugeben vermögen, den Commentar -nsrv, und leichte Stücke aus dem mi:a geläufig lesen und verstehen können, so meine ich, damit sei der Weg zu einem schönen Ziele nicht nur geebnet, sondern auch das Ziel selbst bedeutend näher gerückt, so der angehende Lehrer nur für seine eigene Fortbildung etwas thun will und nicht in eitler Selbstüberschätzung die Hände zufrieden in den Schooß legt. Zur Erzielung einer bessern Vorbildung beim Eintritt ins Seminar, da wir einmal keine Präparanden-Anstatten besitzen, ist in diesem Jahre, nach meinem Dafürhatten, ein sehr bedeutungsvoller Schritt gcthan durch die Einführung der Aspiranten-Prüfung, welche am selben Tage zum ersten Male stattsand. Auf den Wunsch des Herrn Lob und des Lehrer-Collegiums wohnte ich auch dieser Prüfung bei. Es hatten sich 14 Aspiranten, im Alter von 15 bis 21 Jahren, eingefunden. Ihre Leistungen in den deutschen Elementar-Gegenständen genügten im Allgemeinen, im Hebräischen zeigte sich fast durchweg der bereits erwähnte Uebelstand. Nur Einzelne waren im Stande, nicht ganz leichte Stücke aus dem Pentateuch ohne grobe Verstöße zu übersetzen. Von hebräischer Grammatik hatte die Mehrzahl kaum das Dürftigste erfahren. Auch in der biblischen Geschichte zeigte sich eine auffallende Unwissenheit. Nach beendigter Prüfung wurden die Leistungen der einzelnen Aspiranten vom Lehrer-Collegium, in Gegenwart des Herrn Löb, der von seinem Landgute Caldenhof bei Hamm herübergekommen war und den ganzen Tag in der Anstalt verbrachte, gewissenhaft gegeneinander abgewogen und den Fähigsten der Vorzug gegeben; bei ziemlich gleicher Befähigung entschied daS Alter. Ich bin fest überzeugt, daß dies Verfahren seine guten Früchte tragen wird, sowohl für daS Gedeihen der Anstalt, als auch für das Wohl der Gemeinden. In Zukunft werden es vollends unfähige Subjekte nicht mehr wagen, sich zur Aufnahme zu melden, und so wird auch der Lehrerstand als solcher nur dadurch gewinnen. Aus einer spätern Unterredung mit Herrn Löb erfuhr ich zu meiner großen Freude, daß dieser treffliche Mann die nölhigen Schritte gethan hat, um den Bestand des Seminars zu sichern. Um nicht indiScret zu werden, muß ich eS mir versagen, hierüber die näheren Details anzugeben. Ich kann nur mit dem heißen Wunsche schließen, daß dem wohldenkenden Manne sein Vorhaben zum Heile unserer Jugend gelingen möge! — Blumenfeld. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 15. Juli. (Privatmitth.) Die jüngsten Depeschen der drei Großmächte an das russische Cabinet sind nun an die Oeffentlichkeit getreten und zeigen, daß sie gleichlautend als 4te Proposition die Wotte haben: „Volle und gänzliche Gewissensfreiheit und Aufhebung der die Ausübung des katholischen Cultus treffenden Beschränkungen." Wir wollen an dieser Fassung nicht mäkeln, denn wenn die ersteren Worte für alle Religionen und Confessionen genügen, so liegt es andererseits in der Natur der Sache, daß, wenn die Beschränkungen für eine Confession fallen, die nicht die Religion der Machthaber ist, sie für alle anderen auch fallen werden. — Aus Krakau, 11. Juli, wird der „Presse" telegraphirt: „In Janow haben die Russen am 7. d. furchtbar gehaust. Die ganze Stadt, mit Ausnahme von 5 Häusern, wurde niedergebrannt. Zwanzig Israeliten und eine Anzahl von Verwundeten kamen in den Flammen um." — AuS Preßburg schreibt man der „Presse": Man hat Ihnen neulich von Pesth ein charakteristisches Document mitgetheilt; ich will diese Collection bereichern. Im Jahre 1558 bewilligte Se. Majestät der Kaiser, daß es den Juden zu Neuhänsel gestattet sein soll, ein Christenhaus anzukaufen, um daselbst eine Synagoge in Verbindung mit einer Schule zu erbauen. Da die Gemeinde die nöthigen Geldmittel nicht aufbringen

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