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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-07-28 · Heft 31 (28.7.1863) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 31 (28.7.1863)
Date
1863-07-28
Page
Seite 475 (sequence 7)
Language
German
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475 die Aufmerksamkeit der Zuhörer spannend." Der reichste Beifall, schloß der Ref., lohnte die schöne Arbeit, deren Fortsetzung wir bestimmt erwarten. — Unserer Nachbargemeinde Zielenzig lKreis Sternberg) ist seitens der Stadt ein schöner Platz zum Synagogen-Bau geschenkt worden, mit welchem denn auch, wie wir hören, noch in diesem Jahre soll vorgegangen werden. Aus dem Posenschen, im Juli. lPrivatmitlh.) Einer der ältesten und tüchtigsten jüdischen Schulmänner im Großherzogthum, Herr Lehrer Stenzel in Gnesen, begeht am 15. d. M. das fünfundzwanzigjährige Jubiläum seiner Wirksamkeit als Dirigent der dasigen israelitischen Elementarschule. — In Wittkowo wird ein seit 18 Jahren gehegter Plan nun endlich zur Ausführung kommen, nämlich der Bau eines eignen Schulhauses für die israelitische Jugend. — Die Gemeinde Ragwitz erhält zur Besoldung ihres Lehrers von der K. Regierung in Posen alljährlich einen Zuschuß von 30 Thalern. — Nachdem nun schon in so vielen Gemeinden unserer Provinz eine Besserung der Lehrcrgehalte eingetreten, wird natürlich jetzt auch weit seltener denn früher von schnellem Stellenwechsel oder von langdauernden Vacanzen etwas gehört. Außerdem lernen die jüngern Lehrer auch immer mehr einsehen, daß es weit geralhener sei, da als Beamter zu fungiren, wo man bald oder mit der Zeit definitiv angestellt wird, als anderweit Stellen zu suchen, die zwar besser dotirt sind, aber immer nur „auf Zeit" vergeben werden. — Essen, im Juli. (Privatmitth.) Durch die Wahl des Lehrer-Collegiums des israelitischen Seminars in Münster wurde ich in diesem Jahre zum Assistenten bei der Prüfung der Abiturienten in den hebräischen Fächern designirt und demnächst durch den Leiter der Anstalt, Herrn Rittergutsbesitzer L ö b, auf den 1. Juli dorthin berufen. Daß ich diesem ehrenvollen Rufe mit Vergnügen folgte, bedarf wohl keiner näheren Motivirung. Ich fühle mich nunmehr gedrungen, über das Resultat der Prüfung, so wie über meine sonstigen Wahrnehmungen durch Ihr treffliches Organ, welches schon eine so lange Reihe von Jahren den Interessen des Judenthums mit derselben Hingebung dient, Bericht zu erstatten. — Es hatten sich sechs junge Leute zur Prüfung gestellt, von welchen einige zwei, einige drei Jahre in der Anstalt waren. Der ehrwürdige Herr Cohen, welcher schon über 50 Jahre seine Kräfte der Erziehung und Bildung der Jugend gewidmet hat, eröffnet den Act mit der Prüfung in der Religion. Mit noch frischem Geiste zeigte der greise Lehrer durch eine Unterredung über die wichtigsten Lehren des Judenthums den Standpunkt der Examinanden in diesem wichtigen Fache. Wir hatten hier Gelegenheit wahrzunehmen, wie aus der rechten Wärme für den Glauben der Väter seitens des Lehrers sich den Schülern Begeisterung mittheilt. Wenn auf irgend einem Gebiete, so gilt auf dem religiösen gewiß der Satz: Wer Andere für Etwas begeistern will, der muß in der eignen Brust Begeisterung empfinden. Die gewöhnliche Schulweisheit läßt kalt und reicht hier nicht aus. Ich will darum auch mit meinem alten Lehrer nicht rechten, wenn er mit seinen Ansichten über die Ceremonial-Gesetze etwas stark zur Orthodoxie hinneigt, weil ich von der Ueberzeugung durchdrungen bin, daß Lehre und Leben bei ihm im Einklänge stehen und bloße Phrasen nicht die Stelle ächter Handlungen vertreten. Demnächst prüfte Herr Treu in der biblischen und nachexilischen Geschichte. Obschon nach meinem Dafürhalten diesen wichtigen Fächern auf dem Stundenplan die Unterrichtszeit etwas karg zugemessen ist, so muß ich mich dennoch mit den Leistungen wohl zufrieden erklären. Die jungen Leute hatten einen richtigen Ueberblick über das große Gebiet der Geschichte unseres Volkes und waren auch mit den Specialitäten einzelner Abschnitte ziemlich vertraut. Daraus erhellt zur Genüge, daß Lehrer und Schüler mit Liebe auf diesem großen Felde gearbeitet haben. Nach einer kurzen Pause begann das Examen in der hebräischen Sprache, im Uebersetzen der heiligen Schriften und in der Exegese. Der als tüchtiger Lehrer bekannte Herr Dr. Steinberg und Herr Cohen prüften in diesen Fächern. Ich gestehe es gerne, daß meine Erwartungen gerade auf diesem Gebiete weit übertroffen wurden. Seit Jahren gewohnt, Klagen über mangelhafte Ausbildung der Seminaristen im Hebräischen zu hören, war ich sehr natürlich auf die Leistungen gespannt. Ich gebe indeß der Wahrheit nur die Ehre, wenn ich sage, daß diese Klagen, insofern sie sich auf die Wirksamkeit der Lehrer beziehen, vollständig unbegründet sind. Da ich selbst vor 25 Jahren in der Anstalt gewesen bin, so bin ich wohl am besten im Stande, einen Vergleich zwischen Ehedem und Jetzt anzustellen, und

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