Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1863)
- Date
- 1863-07-28
- Page
- Seite 474 (sequence 6)
- Language
- German
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474 die Hauptsache ist, die betreffenden Gelder bereits bewilligt worden. Jedoch sind in letzter Zeit Schwierigkeiten eingetreten, die für den Augenblick den Beginn des Baues verzögern. Hoffen wir jedoch, daß es dem strebsamen Vorstände bald gelingen werde, die Schwierigkeiten zu beseitigen und den beabsichtigten Anbau zu beschleunigen, mit dem ja auch die zweckmäßige Umgestaltung des Gottesdienstes so eng verknüpft ist. Preußen. Cöln, im Juli. Die Bevölkerung der Rh ein - Provinz betrug bei der letzten Zählung im December 1861 bei 2,371,202 Katholiken und 767,294 Evangelischen 34,248 Israeliten. Die Gesammtzahl betrug 3,215,784, da der kleine Rest sich auf andere christliche Seelen zertheilt. Es ist demnächst in der Rheinprovinz erst der 94ste Mensch jüdischen Glaubens, während in dem ganzen preußischen Staate der 72ste Mensch ein Jude ist. Bonn, im Juli. (Privatmitth.) Wir haben in diesem Bl. bereits die Eingaben des jüdischen Predigers Levi in Birnbaum, betreffs der Jnspection jüdischer Schulen durch christliche Geistliche, erwähnt. Jetzt enthält das „Centralblatt für die gesammte Unterrichts- Verwaltung in Preußen" (Juniheft) ein Rescript des Ministers, das folgendermaßen lautet: 138) Beaufsichtigung jüdischer Schulen durch geistliche Schulinspectoren. Der Königlichen Regierung sende ich die Vorstellung des jüdischen Religionslehrers L. zu N. vom 16. v. M. mit dem Auftrag zurück, den Bittsteller wegen der Ertheilung des Gesang-Unterrichts in der dortigen Schule nach Maßgabe des Berichts vom 1. d. M. zu bescheiden. Die Beschwerde desselben über die Prüfung des Oberpfarrers Ä. in der Religion kann auf sich beruhen, da der rc. L. zur Erhebung dieser Beschwerde nicht legitimirt ist. Im Allgemeinen wird aber den geistlichen Schulinspectoren in dieser Hinsicht, auch wenn sie nur in alttestamentlicher Geschichte und in der Sittenlehre prüfen, Vorsicht anzuempfehlen, und wird diese Prüfung, sobald sich Widerspruch geltend macht, zu unterlassen sein. Berlin, den 17. März 1862. Der Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten. In Vertretung: Lehnert. Frankfurt a/O., 12. Juli. (Privatmitth.) Der Sitz des Central-Comitö's des vor 3 Jahren von hiesigen Männern gegründeten „Colonisationsvereins für Palästina" soll von hier nach Berlin verlegt werden. Doch schweben hierüber noch die Verhandlungen zwischen den hiesigen Comit« - Mitgliedern und den Männern, welche in der benachbarten Hauptstadt der Förderung der Sache sich angenommen haben. In jedem Falle aber wird das hiesige Somit« als solches seine Thätigkeit in der qu. Angelegenheit nicht einstellen, sondern vielmehr aufs Kräftigste fortsetzen. — Der vor einigen Monaten dahier gestiftete und bereits in diesen Blättern besprochene Brüder-Verein (mns c-rn) hat an Mitgliedern bedeutend zugenommen und wird vom kommenden Herbste ab seine Wirksamkeit auch auf die geistige Anregung und Bildung der Mitglieder durch wissenschaftliche Vorträge, Auslegen von Journalen im Vereinslocale u. dgl. ausdehnen. — An dem öffentlichen städtischen Leben und der Förderung communaler Zwecke und Institutionen nehmen die hiesigen Israeliten den thätigsten Antheil. Der Geist der Ausschließung, früher hier so einheimisch, macht sich nirgends mehr geltend, und Juden werden überall zugezogen, überall gewählt und wiedergewählt, wo man nur von ihrer Fähigkeit und Thätigkeit Ersprießliches erwartet. So findet man hier Juden in den ersten städtischen Behörden (Magistrat und Stadtverordnetencollegio), im Vorstand und der Commission der vereinigten Kaufmannschaft, so wie in den Vorständen, Commissionen rc. aller sonstigen Vereine und Gesellschaften, von denen gemeinnützige Zwecke angestrebt und gefördert werden. Gilt es durch öffentliche Vorträge Belehrung und Bildung zu verbreiten, so sind natürlich unsere Juden auch nicht die Letzten. Bon den beiden höchst gediegenen Vorträgen „über Preußens Handelsvertrag mit Frankreich", welche Herr Fabrikbesitzer Moritz Levy im hiesigen Handwerkerverein gehalten, ist in dieser Zeitung bereits die Rede gewesen. Einige Wochen später hat in demselben Vereine vor einem sehr zahlreichen Auditorio Herr Lehrer Louis Wehl über „Hermann den Cherus'ker" einen Vortrag gehalten. Eines der hiesigen Localblätter widmete diesem Vortrage fast zwei volle Spalten, bezeichnete ihn im Ganzen als „höchst interessant", die (vom Redner entworfene) Schilderung von den Sitten der alten Deutschen, so wie das Bild von der großen Schlacht im Teutoburger Walde, als „besonders anziehend und