Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1863)
- Date
- 1863-07-28
- Page
- Seite 471 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226396--21416-3301323- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
471 gänzlich auf die deutsche Seite gestellt habe und die dänischen Israeliten in ihrem Patriotismus sich deshalb weigerten, zu Ehren Rießer's Beiträge zu geben. Wir haben allezeit die patriotische Begeisterung unserer dänischen Glaubensgenossen eben so hoch geachtet wie gerechtfertigt gefunden, und es wird uns Niemand auch nur eine Zeile Nachweisen können, wo wir sie darin verletzt und nicht vielmehr aufrichtig belobt hätten. Um so mehr dürften sie aber auch den Patriotismus eines deutschen Mannes, wenn nicht begreifen, doch dulden muffen, und es ist gewiß, freimüthig gestanden, eine engherzige Anschauung, ein beschränkter Gesichtspunkt, die hohen Verdienste, die sich Rießer um alle Juden, um Wahrheit und Recht erworben hat, um dieses einen Factums willen, daß er von seinem deutschen Standpunkte aus sich nicht in Uebereinstimmung mit seinen dänischen Glaubensgenossen besaid, verkennen und die dem ganzen Manne gebührend: Achtung außer Augen setzen zu wollen. Doch hierauf wollten wir nicht naher eingehen, sondern nur aus die vunderlichen Figurationen, welche sich in politischer Beziehung bei den Juden aller Länder und Parteien vorfindea, und die wir durch deren Schilderung wie durch die mannigfachsten Bemerkungen vermehren könnten. Schon die oberflächliche Uebersicht zeigt uns eine wahre Musterkarte politischer Ansichten und Parteinahmen, und zwar wie diese bei ihnen zur tiefsten Ueberzeugung, zur lebhaftesten Begeisterung, zu consequenter Thal geworden. Es ist dies in ihrer Gesammtheit eine wunderliche Erscheümng, welche mit der früheren Einheit in ihrer Stellung und Richtung geradezu contrastirt. Es ist leicht, darin eine Folge der Entwickelung zu sehen, welche die Juden in ihrem staatsbürgerlichen Leben gewonnen haben, und :s ist nur Sorge zu tragen, daß dadurch die Einheit der Juden in religiöser Beziehung und ihr Verstand niß unter einander in diesem ihrem Lebensmomente nicht leide, vielmehr um so geklärter und bewußter hervorgehe. Daß hierzu die jüdische Literatur am meisten beizutragen vermöge und ein neues Band um die zerstreuten Glieder zu knüpfen habe, ist selbstverständlich. Doch fügen wir noch eine Bemerkung hinzu. Abarbanel war (unseres Wissens) der erste, welcher mit beredten Worten auseinandersetztc, daß die Juden gerade in ihrer Zerstreuung ihr Rettungsmittel hatten. Denn in West verfolgt, konnten sie in Ost ihre Zuflucht nehmen; in Süd ausgerottet, öffnete ihnen Nord ein Asyl. Was wissen wir von den noch bevorstehenden Kämpfen? Ist Eins der großen Principien schon durchgekämpft, auf welchem die Zukunft der Menschheit beruht? Noch nicht ein einziges. Noch schlummert selbst der religiöse Fanatismus unter der Oberfläche, und irgend eine neue Erscheinung konnte selbst diese Flamme noch entzünden. Oder ist der Kampf des absoluten und constitutionellen Princips auf dem Continente irgendwo der Entscheidung und Consolidirung nahe gebracht? Oder ist das Nationalitätsprincip nicht ein Vulkan, auf welchem wir stehen? Ja, gehen wir bis auf die älteste Phase des gesellschastlichen Lebens zurück: hat denn schon nur das Sclaventhum seine Existenzkraft verloren? Und wie diese Kämpfe noch heute geführt werden können, zeigt uns nicht Nordamerika ebenso wie Polen das herzzerreißendste Beispiel? Fürwahr, es ist noch Alles zu thun, und Heiventhum, ich meine concretes, reales Heiventhum, und Gotteslehre, ich meine die concrete, reale Gotteslehre, das Heidenthum, das Leben ist, und die Gotteslehre, die Leben werden will, stehen noch heute so im Kampfe gegenüber wie vordem; die letztere hat an Terrain gewonnen, sie schasst sich immer mehr Raum im Bewußtsein der Menschheit — aber desto stärker wird der Kampf. Nun, da so mächtige Erschütterungen mit all ihren Wechselfällen, mit all ihren Siegen und Niederlagen noch bevorstehen, ist es recht gut, ist es abermals ein Werk der Vorsehung, daß die Abkömmlinge des jüdischen Stammes, daß die Bekenner des Judenthums in politischer und socialer Stellung und Anschauung den verschiedensten Parteien angeh ören. Spenden-Liste für die er - Stiftung l) zur monumentalen Herausgabe der Schriften Riesser's, 2) zur Unterstützung solcher Israeliten, die Gerichtsassessoren oder zu Gymnasial- und Nniversiräls- Lchrämtern befähigt, aber ihrer Religion wegen nicht angestellt sind. 356) Max Rosenthal aus Berlin 1 Thlr. 357) M. Mannheimer in Worms ges. am Beschneidungsmahle bei Benj. Titeur 2 Thlr. 358) Dr. M. Mielziner in Kopenhagen 1 Thlr. 359) D. Rubin das. */2 dän. Thlr. 11 */* Sgr. 360) W. 1 Ducaten 3 Thlr. 5 Sgr. 361) Dr. I. Egers in Berlin 2 Thlr. 362—380) Vorsteher Arnold S. Arnstein in Sulzbach ges. von ihm selbst 2 fl. 42 kr., Jacob Steinhardt 2 fl., Moritz Hah- 31*