Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 85 (17.7.1838)
- Date
- 1838-07-17
- Page
- Seite 344 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3224856-3224942--01157-3301316- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ausübung seiner ihm zustehenden Rechte, sondern es setzt ihn auch nicht selten in den Augen seines christlichen Brudeks herab. Mit srecker SnrUe deruft'sich recht häufig beiden gerichtlichen Verdandlungen ein Schelm auf das unwürdige und gleichsam als Lbttichep geltende Patent und lacht pcm^Äudxn in'.s Gesichts wenn dieser nech so sehr-in--seinem Rechte ist. Wenn wir nicht irren, so ist dieser Punkt schon öfters, und namentlich in den letzten Jahren, von dem geistreichen Advokaten Di. Breal zu Landau bei der Staatsregierung in Anregung gebracht, bis jetzt aber keiner Berücksichtigung gewürdigt worden. — Wir zweifeln nicht daran, daß der jetzige Präsident der Pfalz, Fürst v. Wrede, der allenthalben geliebt ist, und sich mit der Verbesserung der Institutionen unseres Kreises so sehr beschäftigt, auch in dieser Hinsicht darauf bedacht sein wird, den -luden" daö zu verleihen zu suchen^ was ihnen so rechtmäßig gebührt. M. Belletristik. Die Gegensätze. Eine israelitisch - religiöse Novelle. IFortsetzung.) VI. Um dieselbe Zeit hatte sich Jonathan bei seinem Water eingefunden. Ec fand diesen verstimmt in seinem Arbeitszimmer umherwandelnd. Jonathan schaute in das ehrwürdige bleiche Antlitz des Greises, das eben so durch die Sorgen für das Geschäft, das er früher eifrig, jetzt lässiger betrieb, gefurcht war, als durch das unermüdliche Studium der talmudischen und rabbinische» Literatur, dem er seine Nachte weihte, und durch die strengen aseetischen Bedungen, denen er sich öfters, besonders seit dem Tode seiner geliebten Sarah, der Mutter Jonathan«, ergab. Er blickte auf die hager« Gestalt, die ziemlich gebückt, sich dennoch mit Würde und Festigreit trug; und fühlte bald eine gewisse Unruhe, die ihn zu der Frage zwang: Was ist Dir, Water? Hast Du eine unangcnehmeNachricht gehabt? Einen Verlust erlitten? Oder beunruhigt Dich ein« noch nicht gelöste Frager — Ich bringe Dir so hi,r die Tescliuwoh (Antwort) auf die jüngste Schaaluh (Frage), die Du mir vorgelegt, und glaube, daß Du damit zufrieden s-i« «erdest. Doch wünsche ich wol Mitwisser dessen zu s«'m, was Dich drückt. Der Greis blickte ihn durchdringend an', und erwledert« «ach «knigem Zögern: Kennst D« nicht, Jonathan, daS Wort unsrer Weisen, Schi schob Deworiw gcnai lau lotalmud Cboeboiu und das vierte davon: \Vcal jessapeir im iscln wasehuk? — °). aber Du handelst dagegen! Jonathan merkte, worauf der Greis ziele, aber die Ehr« furcht vor dem Vater Mb ihn ab, zu antworten, bevor jener zu Ende gekommen. Ach, mein Sohn, fuhr dieser fort, Koloch eizel «checkmaussuch, weal tussim ketotuh bcbcissoch **)! — Du wirst verstanden haben, was ich meine, und ich sehe, daß ich nicht falsch berichtet bin. Vieles habe ich zum Ruhme der Tochter jenes gottvergessenen Mannes gehört, und sie tragt die Schuld ihres Vaters nicht, den ich einst den Freund meines Herzens nannte. Aber, mein Sohn, Du weißt es wohl, wie es mir nicht gleichgültig sein kann, Dich diesen Umgang pflegen zu sehen. So Du mir erlaubst, werde ich Dir mein» Meinung eröffnen. Sprich, Vater, ich bin aufmerksam. Ich habe Dir bis jetzt hinlänglich Freiheit gegeben, zu thun und zu lassen, was Dir gut schien. Du hast Dich vielfach vorbereitet, ich habe Dich nie beschrankt; selbst da, wo mir der Nutzen nicht deutlich war, gab ich Dir die Mittel gern und freudig. — Es ist aber nun mein Wunsch, daß Du nunmehr ein festes Ziel ins Auge fassest. Ich bin kein Freund von dem schelomeid bazmau weeinau melammeid laacheiiim "*), und bedaure jetzt, daß mich die Umstände zwangen, in diesen Fehler zu verfallen. Aber die Zeiten haben sich geändert, denn was früher bei der großen Zahl unsrer Gelehrten ziemlich gleichgültig war, Einer mehr oder weniger, ist jetzt von hoher Wichtigkeit. Ueber Dein« Befähigung habe ich genügendes Urtheil. Ich habe Unterhandlungen mit meinem Freunde kn M. angeknüpft, und Du wirst den dort erledigten Rabbinatssitz erhalten. Ist der Wirkungskreis auch nicht so groß, so ist es doch die erste Stufe, und, was die Hauptsache ist,, Du wirst gern gesehen. Ich erwarte Deine Zustimmung. Kannst Du, lieber Vater, meine Zustimmung zu diesem wichtigsten, entscheidenden Schritte meines Lebens in so kurzer Zeit erwarten? erwiedebte Jonathan. Daß meine Absicht anderswohin ging, ist Dir bekannt. Ich wollte, ledig des Dorurthcils, das die jetzige Welt vor dem bloßen Titel „Rabbiner" hat, ledig der Fesseln und Rücksichten, welche die •) Beracliot 42. „Sechs Dinge gestemen nicht dem Gelehrten: er gehe nicht duftend von Wohlgerüchen auf die Straße, und nicht mit gcflickien Schuhen <d. h. weder stutzerhaft noch vernach« laffigr), er gebe nicht des Nachts allein aus, und spreche nicht auf der Straß« mit einer Frau, er komme nicht zuletzt in'S Lehrhaus, und speise nicht mit pöbelhaften Leuten zusammen. •*) Geselle Dich zu Deinesgleichen, und bringe keinen Zank in Dein HauS. "') Der für sich selbst lernt und Andere nicht belehrt.