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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-17 · Heft 85 (17.7.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 85 (17.7.1838)
Date
1838-07-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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9 II. Jahrgang. No. 8S. Zeitung des Zirdcnthums. Ein unpartheiischeS Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königs. Sächsischer aliergnädLgster Concession.) Leipzig, den 17. Juli 1838. Zeitungsnachrichten. Warschau, 22. Juni (Privatmitth-). Je mehr wir uns des schönen Fortgangs der Bildung der jüdischen Glaubensgenossen in unsrer Hauptstadt wahrhaft zu erfreuen haben, desto betrübender ist dem Bessergestnnten das Zurückbleiben der meisten Kleinstädter. Je thatiger jene dahin arbeiten, sich der allgemeinen Bildung anzuschließen, desto weniger fühlen sich diese angeregt, sich aus den Armen der alten Schlafsucht zu erheben. Freilich hat auch dieses', wie alles Andre, ein Für und Gegen. Der hochselige Kaiser Alexander, mit väterlichem Eifer für allgemeine Bildung seiner Landeskinder sorgend, ließ in der Hauptstadt Elementar- oder Vorbereitungsschulen für die israel. Jugend anlegen. Vieles wirkten diese, und brachten in viele Vater das Bedürfniß einer bessern Erziehung ihrer Kinder hinein. Allein je mehr eben jene sich allein in den Elementen bewegten, desto eher blieb das alte Vorurtheil, die strebsamen Schüler die höheren Schulanstalten nicht besuchen zu lassen, weil ihnen dies zur Lässigkeit in der bisherigen Religionsverfassung zu führen schien. Man erkannte daher bald die Quelle dieser Erscheinung anderswo, und unvermuthet wurde auf Geheiß des Monarchen ungefähr im Jahre 1822 eine Rabb inenschule unter Leitung der gebildetsten Männer des Landes errichtet, um durch die daraus hervorgehenden Schüler wissenschaftlich gebildete Männer an die Spitze der Gemeinden zu bringen. So glücklich nun auch die Resultate dieses Instituts waren, so entsprachen sie doch dem eigentlichen Zwecke nicht ganz. Nach fünfjährigem Cursus sahen wir die ersten zwölf ausstudirten jungen Männer hervorgehen, aber die einzelnen Gemeinden wollten dieselben nicht zu Rabbinen annehmen, und die Regierung sie ihnen nicht auftringen, denn was bringt erpreßte Bildung? Auch hatten wirklich die jungen Männer sich zu wenig dem israet. Religionsfache hingegeben. — Von der andern Seite aber führten die glücklichen Erfolge viele Eltern dahin, ihre Söhne überhaupt in dieser Anstalt unterrichten zu Lassen, und die Zahl der Schüler vergrößerte sich mit jedem Tage. Die Regierung faßte dies weislich auf, ließ nunmehr Schüler mit weniger Umständen aufnehmen, und die Rabbinenschule bildet jetzt viele brauchbare Menschen für den Unterricht der Jugend, die Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse rc. * - So verhält es sich aber nur mit dem Juden der Hauptstadt, der die anregendsten Beispiele vor Augen hat, und das Wohlwollen der Regierung deutlicher wahrnimmt. Der Kleinstädter sieht leider mehr auf das Beispiel seiner Nachbaren, die noch tiefer stehen. Doch hoffen wir zu Gott, daß sich auch dahin immer mehr das Bessere, wenn auch langsam, Bahn brechen wird. S. G. Frankfurt a. M., 21 Juni. Wir können nicht umhin, folgende Piece aus der Didaskatia No. 168 zur Aufnahme zu empfehlen. Aus dem baierischen Kreise Pfalz, Anfangs Juni. Die Wohlrhaten des Friedens gehen auch in unserem Kreise, mehr und mehr auf den eigentlichen Kern des Volks über. In unserem Handel, unserer Industrie, kurz überall erblicken wir ein Heben und Emporschwingen, und je größer die Thätigkeit der Pfälzer in den letzten Decennien war, desto mehr hat auch der Wohlstand zugenommen. Die schönste Anhänglichkeit an Staat und Kirche zeigt sich bei uns, und in letzterer Beziehung haben die Kölner Wirren gewiß aus kein Land weniger Eindruck gemacht, als auf das unserige. Katholiken, Protestanten und Juden leben hier friedlich neben einander. Frömmelnde Priester gibt es in jeder Religion, und so haben auch wir einige unter allen Confessioncn unseres Kreises. Aber das Volk kennt seine Leute, und die Mehrzahl desselben bleibt doch immer verständig. Wenn wir indessen über den Schutz und die Anordnungen von Seiten der Regierung nur Rühmenswerches mittheilen können, so bleibt es doch immer auffallend, warum das bei den Juden unter der Herrschaft Napoleons eingeführte, sogenannte Moralpatent, welches derselbe zur Zeit der überhandnehmenden Prellereien für einige Departements anordnete, jedoch später wieder zurücknahm, nicht auch von Seiten Baierns außer Kraft gesetzt wird, trotz dem so viele Beweise seiner Schäd lichkeit vorliegen. Die Bildung der Juden Rheinbaierns hat in den letzten zwanzig Jahren um so mehr zugenommen, als der größte Theil derselben dem Schacherhandel entsagte und mehr und mehr zur Kultur des Bodens und zur eigentlichen Handarbeit seine Zuflucht nahm. Aber das löbliche Streben der Juden in unserm Kreise hatte die wohlthatige Folge eines immer mehr überhandnehmenden Zutrauens der christlichen Bevölkerung gegen sie. Bei allen Gemeindewahlen finden wir Juden von Seiten «der Christen auSerkohren, und gibt es einen deutlicheren Beweis für die gute Stimmung, die in Beziehung auf sie herrscht, als daß selbst zur Jury nicht selten Juden gewählt werden? Ein zeitgemäßer Unterricht, der unter dm Anspielen der Regierung steht, hat wol nicht wenig zu diesem günstigen Kulturzustande beigetragen, und wie sehr der Jude immer mehr zur Einsicht kommt, daß eine gründliche Jugendbildung am meisten sein Fortschreitcn befördere, beweist die gute Dotation der jüdischen Lehrer, so wie das Entstehen so vieler Schulhäuser, worüber sich erst kürzlich die Regierung so günstig ausgesprochen hat. Bei den politischen Untersuchungen in unserem Kreise war auch nicht ein Jude compromittirt, und daß dieses der Regierung nicht entgangen, das können wir mit Zuverlässigkeit »behaupten. Das Moralpatent jedoch ist nicht nur ein großesHinderniß für den Redlichen in der freien

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