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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-07-21 · Heft 30 (21.7.1863) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 30 (21.7.1863)
Date
1863-07-21
Page
Seite 458 (sequence 6)
Language
German
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458 Bajazzo. Eine höhere Lösung der aufgeworfenen Frage fehlt demnach, und es ergeht unserem Verfasser wie allen neueren Dichtern, die eine welthistorische Frage zu ihrem Gegenstände machen: er zeigt eine Complicatiou der Wirklichkeit, laßt aber die Frage unbeantwortet. Gerade darum müssen wir im Namen des deutschen Äudenthums gegen dieses Resultat des Gedichtes uns verwahren. Die Verhältnisse möge» in den Heimathsländeru unseres verehrten Dichters noch so liegen: das deutsche Iudeuthum hat laugst begonnen, den Weg der Lösung zu betreten, indem es das Iudenthum und die menschheitliche Cultur zur gegenseitigen Durchdringung bringt, ein höheres organisches Product erarbeitet und sowohl die stabile Orthodoxie als auch die radicale antireligiöse Bildung beide als unhaltbar von sich weist. Wir sind überzeugt, daß der edle Dichter sich auch zu dieser Ansicht bekennt, allein er hätte sie in seinen Personen zur Ausprägung bringen müssen, was freilich für die einmal von ihm gewählten unmöglich war. Demungeachtet empfehlen wir das Gedicht, das sich zugleich der besten äußern Ausstattung erfreut, allen gebildeten Israeliten, da es im Einzelnen einen großen Reichthum an Gedanken und dichterischen Schönheiten umfaßt. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Oldenburg, 5. Juli. (Privatmitth.) Mhier ist Hr. Mendelssohn (Jude) seit 19 Jahren an allen hiesigen öffentlichen Schulen als Turnlehrer angestellt und hat sich stets des Wohlwollens seiner Dorgcsetzten zu erfreuen gehabt. Durch die Herausgabe einiger Schriften über Turnerei auch in weiten Kreisen bekannt, erhielt er kürzlich die Aufforderung aus Ludwigs- Lust in Mecklenburg, dort ein schulgerechtes Turnen einzurichten. Ferner wurde ihm eine ehrenvolle Einladung aus Leipzig, durch die er bei dem daselbst vom 2.—5. August c. statthabenden Turnerfeste zum Mitgliede des „Beurtheilungs-Ausschusses" gewählt worden. So wird derselbe auch der Dresdner Turnlehrer-Dersammlung am 30. und 31. Juli beiwohnen. — Wir verfehlen nicht, aus ein neues von Hrn. Men delssohn verfaßtes Werk, von welchem bereits das erste Heft unter dem Titel: „Beiträge zur Geschichte des Turnens"*) erschienen ist, aufmerksam zu machen, und indem wir auf eine Beurcheilung dieses Heftes in den von Dr. M. Kloß herausgegebenen „Neuen Jahrbüchern für die Turnkunst" Hinweisen, wünschen wir diesem Unternehmen den besten Fortgang. L. Preußen. Neuwied, 29. Juni. **) Am 24. d. Mts. feierten die israelitischen Eheleute Jacob Löb von hier, beide noch ungewöhnlich rüstig, ihre goldene Hochzeit. Diese seltene Feier ging in würdigster Weise von Statten. In der dem Festtage vorhergehenden Nacht wurde von liebender Hand das Wohnhaus des Jubel-Paares mit Maien und Kränzen geschmückt. — Die religiöse Feier in den einfach und freundlich gezierten Räumen der Synagoge, Vormittags halb 11 Uhr, versammette eine dichtgedrängte, den verschiedensten Confessionen angehörige Menge Theilnehmender und wurde von dem Religions-Lehrer Herrn Stein weg durch ein ergreifendes Gebet eingeleitet. Hierauf recitirte derselbe den Psalm 91 im Ur-Texte und in deutscher Uebertragung, an dessen Ende sich die Motette: „Lobe den Herrn meine Seele" in vierstimmigem Chore anschloß. Es folgte nun die eigentliche Feier "Rede. Wenig Augen sah man während derselben thränenleer. Sie betonte nicht nur die Gnade Gottes, die sich dem Jubel-Paare sichtlich erwiesen, sondern auch die Liebe der Menschen, und steigerte sich zum höchsten Pathos bei der Entrollung dieses Bildes wahrer, allgemeiner Menschenliebe. Nachdem der hierauf folgende Männer-Chor verklungen, überreichte der Königl. Bürgermeister Herr v. d. Beeck im Namen Ihrer Majestät der Königin Elisabeth dem Jubel-Paare mit einer längeren, dem Acte angemessenen ernsten Ansprache das „den *) Leipzig bei R. Friese. Die Schrift giebt eine gut geschriebene Darstellung der Gymnastik bei den alten Israeliten, Griechen und Römern, dann in der neuern Zeit, wo die Verdienste namentlich Bieth's, GutsmuthS und Pestalozzi's um dieselbe ausführlich hervorgehoben werden. Die Rcdaction. **) Obgleich der beschränkte Raum und die Aehnlichkeit jeder derartigen Feier längst Berichte über goldene Hochzeiten ft. bei Seite legen läßt, so schien uns in der obigen doch ein Moment zu liegen, das uns die Aufnahme des uns zugesandten Berichtes der Neuwieder Zeitung befürwortete. Die Redactiou.

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