Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1863)
- Date
- 1863-07-21
- Page
- Seite 459 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226395--21403-3301303- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
459 christlichen und israelitischen Mitbürgern gemeinsam heilige Buch", die Psalmen David's, mit einer eigenhändig unterschriebenen Widmung Ihrer Majestät versehen. Das Durchlauchtigste Fürsten-Paar zu Wied hatte dem Jubel-Paare die heilige Schrift alten Testaments mit eigenhändig eingezeichneten Widmungen zugedacht und solche, anreihend an die Königliche Gabe, durch den Fürstlichen Kammer-Director Freiherrn von Bibra, übergeben lassen. Herzliche und erhebende Worte begleiteten auch diese Uebergabe. — Es trat nun der israelitische Gemeindevorstand vor das Jubel-Paar hin, überreichte demselben mit einer kurzen, ergreifenden Anrede einen prachtvollen mit Wein gefüllten Kelch, „einer Liebesgabe der Gemeinde, an welcher der Reiche, wie der Arme gleichen Antheil habe", und forderte den Jubilar auf, „diesem Symbole eines heiteren und glücklichen Lebens-Abends durch den rituellen Segensspruch über die Frucht des Weinstocks die Weihe der Religion zu crtheilen." Nachdem dieser Aufforderung entsprochen, erklang von der Sänger-Tribüne herab, als Schluß der kirchlichen Feier, der herrliche Psalm: „Herr, unser Gott! wie groß bist Du!" Nach und aus dem Gotteshause wurde das Löb'sche Ehepaar vom israelitischen Gemeindevorstande und von weißgekleideten Mädchen, welche Kränze trugen und den Weg mit Blumen bestreuten, geleitet. Die vierstimmigen Gesänge waren eine meisterhafte Ehrenleisiung der Mitglieder der hiesigen Liedertafel. Auch im weiteren Verlauf des Tages wurden den Jubilaren von Privaten und Vereinen, so von dem älteren und jüngeren israelitischen Frauen-Derein, vom israelitischen Jünglings-Verein rc. rc. entsprechende Angebinde überbracht. Ein Diner, welchem der Hr. Bürgermeister v. d. Beeck und der Dirigent der Liedertafel, Hr. Löcher, beiwohnten, und während dessen der Königlichen und Fürstlichen Huld-Geschenke durch sinnige Trinksprüche auf das Wohl der Hohen Geber gedacht wurde, so wie eine abendliche Reunion in den brillant erleuchteten Räumen des „alten Riesen", Letztere den Typus eines wahren, ungetrübten Volksfestes an sich tragend, schlosien diesen seltenen Jubeltag. Der Eindruck aber, wie an diesem Feste sich Christ wie Israelit betheiligte, wie sie gemeinsam in Andacht beteten, in Rührung weinten, in Liebe Glückwünsche aussprachen und in Frohsinn sich freuten, er wird fortleben; er ist und bleibt die schönste Frucht des Tages! Stettin, 6. Juli. (Privatmitth.) Auch in hiesiger Synagoge fand am zweiten Tage des Wochenfestes von vr. Treuenfels eine ergreifende Gedächtnißfeier für den verewigten Ri eher statt. — Die hiesige Gemeinde geht mit dem Plane um, ihre zu klein gewordene Synagoge durch einen Neubau zu ersetzen, der auf 38,000 Thlr. angeschlagen worden. — Don Dr. Treuenfels angeregt, haben auch die hiesigen Handlungsdiener einen Verein zur gegenseitigen Bildung und Unterstützung gebildet. Kürzlich ist hier der seltsame Fall vorgekommen, daß ein Zeuge nicht vereidigt werden konnte, weil er, obgleich mosaischen Glaubens, dennoch nachweislich keinen Religionsunterricht genosien hatte. Unter solchen Umständen hat der zur Eidesabnahme zugezogene Rabbiner dieselbe verweigern zu müssen geglaubt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Waitzen, 28. Juni. (Privatmitth.) Am 21. d. M. nahm der hiesige Oberrabbiner Herr Adolph Neumann, Sohn des um die neuhebräische Literatur hochverdienten Moses Samuel Neumann, nachdem er 22 Jahre das hiesige Rabbinat segensreich verwaltet hat, von uns Abschied, um im heiligen Lande die letzten Tage seines Lebens zu vollbringen und seine Gebeine im Thale Josaphat bestatten zu lassen. Alle Bitten und Wünsche der Gemeinde hatten ihn in diesem Entschlüsse nicht wankend machen können. Die Trauer der Gemeinde gab sich bei dem Abschiede in unverkennbarster Weise kund. Im Hofe und in den Stuben des Rabbinatshauses drängte sich die ganze Gemeinde, den verehrten Greis noch einmal zu sehen und seinen Segen zu empfangen. Sie begleiteten ihn in dichtem Haufen zum Schiffe, daß er kaum an dessen Bord gelangen konnte. Mehr als hundert Personen fuhren mit ihm nach Ofen und von da zum Bahnhofe, wie ihm auch in Ofen ein feierlicher Empfang, vergrößert durch Deputationen aus Pefth und Stuhlweißenburz, bereitet wurde. Möge er glücklich in Jerusalem anlangen! Lazar Reiser. Fünfkircheu, 28. Juni. (Privatmitth.) Bekanntlich hat der frühere, vielverehrte Rabbiner vr. Hirschfeld Hierselbst einen Ruf nach Augsburg erhalten und angenommen, und verließ uns am Io. April, nachdem die Gemeinde in sehr solenner Weise das Bedauern i;?