Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1863)
- Date
- 1863-07-14
- Page
- Seite 448 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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448 Klagen auszubrechen. Daß die ung. Gemeinden für die Bezahlung der anzustellenden Inspectoren aus Gemeindemitteln nicht sein werden, war vorauszusehen. Bereits haben sich mehrere Gemeinden über das den g. Lesern bekannte Statthalterei-Rescript in diesem Sinne geäußert. Auch die h. Gemeinde hat ein ähnliches Gutachten abgegeben. In demselben spricht sie ihren tiefgefühlten Dank Sr. Majestät unserem allergnädigsten König für diesen neuen Beweis landesväterlicher Huld aus. Noch weiter sagt sie ihre erg. Anerkennung der h. ung. Regierung, so wie dem kath. Clerus für die Verdienste, welche sie sich um das jüd. Schulwesen Ungarns erworben haben. Sie bedauert in demselben, dem Wunsche der h. Regierung, die anzustellenden Jnspectoren aus Gemeindemitteln zu erhalten, nicht nachkommen zu können, weist aber zugleich darauf hin, daß es in Pesch und gewiß auch in den übrigen Gemeinden Ungarns befähigte und würdige Männer gebe, die ein solches Ehrenamt ohne jede Entschädigung zu übernehmen bereit wären. Sollte jedoch die h. Regierung durchaus besoldete Jnspectoren anstellen wollen, so möge dieselbe eine Versammlung ung. jüd. Notablen gestatten, damit dieselben berathen, ob nicht ein Theil des ung. jüd. Schulsonds zu diesem Zwecke verwendet werden könnte. Man ist hier natürlich auf die desfalls zu erfolgenden Entschlüsse unserer hohen Landesstelle höchst gespannt. — In unserem „Magyar Egylet“ wird fortwährend an dem Zustandekommen einer ung. Bibelübersetzung gearbeitet. Herr Rabbiner Dr. Zipser aus Rechnitz spendete zu diesem gewiß höchst edlen Zwecke 50 fl. Schade, daß dieses Beispiel eines mittellosen Rabbiners bei unseren Reichen eine so spärliche Nachahmung findet, und doch ist die Thora in ung. Sprache übertragen, nicht nur ein nsn wiip, sondern auch ein dringendes Bedürfniß der Zeit. Ueberhaupt ist es zu bedauern, daß der oben erwähnte ungarische Verein nicht jener Theilnahme sich erfreut, dessen er sich erfreuen sollte und müßte. Freilich ist die Schuld nicht blos den Verhältnissen, in denen wir leben, sondern auch der Verwaltung selbst zuzuschreiben. Darüber und über das hiesige jüdische Schulwesen in meinem nächsten Berichte. — — g — Schweiz. Eudingerr, 1. Juli. (Privatmitth.) Wir sind in der Angelegenheit unserer bürgerlichen Gleichstellung wieder um eine Episode reicher durch den 27. Juni. An diesem Tage wurde die zweite Berathung des abgeänderten Vorschlages vorgenommen. Die „Botschästler" i. e. Ultramontanen drangen darauf, während die Liberalen, in der Hoffnung, die Leidenschaftlichkeit werde durch die Zeit sich abkühlen und dem Rechtsfinne Platz machen, den Gegenstand verschoben hätten. ES galt der Angriff hauptsächlich dem §. 3, der den Israeliten die politischen Rechte in eidgenössischen und cantonalen Angelegenheiten einräumt und in erster Berathung vom 12. März von der Mehrheit des Großen Rathes gestrichen wurde. Auch dieses Mal erging es diesem Paragraphen nicht besser, indem er mit 80 gegen 60 Stimmen verworfen wurde. Es waren auch dieses Mal wieder die Sprecher der ultramontanen Partei, Aklin und Dr. Jehle, welche auf eine gegen alles gesunde Recht verswßende Weise rednerten. Umsonst war es auch jetzt, daß die gewichtigsten Männer, wie R. R. Schwarz und Keller, Feer Herzog, Oberst Siegfried, aus schlagende Weise darthun wollten, daß den Israeliten die politischen Rechte entziehen einem Auflehnen gegen den Bund gleich komme. Gründe der Vernunft galten nichts, es wird nach Commando gestimmt. Nach der Sitzung verlas Herr Fürsprech Haberstich von Arnau eine Verwahrung gegen diesen Beschluß, worin er denselben mit der Ehre und den Interessen des Cantons unverträglich und als eine Zuwiderhandlung gegen den Bund erllärt und sich aller Verantwortlichkeit und Folgen, welche aus demselben entstehen können, entschlägt. 64 Mitglieder des Großen Rathes Unterzeichneten diese Erklärung. Dieselbe wurde von dem „Schweizerboten" unter Beifügung der Namen veröffentlicht. Wer die Persönlichkeiten der Unterzeichner kennt, der weiß, daß, wenn auch unsere Sache vor der Hand materiell einen Rückschritt gemacht, wir bei alledem einen moralischen Sieg davon getragen. Dr. St. Gallen, im Juli. (Privatmitth.) Die Stadt St. Gallen hat 27 israelitischen Niederlassungsgesuchen sammt und sonders entsprochen. Die Bürgerschaft von St. Gallen (solche Gesuche werden vor die Gemeinde gebracht) hat damit gründlich mit mittelalterlichen Borurtheilen gebrochen und gerade der Umstand, daß alle Angemeldeten ohne Unterschied angenommen wurden, bezeugt, daß sie deutlich zu erkennen geben wollte, daß