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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-07-14 · Heft 29 (14.7.1863) · p. Seite 447

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 29 (14.7.1863)
Date
1863-07-14
Page
Seite 447 (sequence 9)
Language
German
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447 . I i wo die Jahreszeiten feierlich begangen werden, ohne tiefe, innige Rührung verlassen. — Die hohen Behörden haben zu verschiedenen Malen die ganze Einrichtung geprüft und sie für gut befunden. Sr. Excellenz, der Hr. Oberpräsident von Duesberg zu Münster und der Hr. Regierungspräsident von Bardeleben zu Minden nahmen die Anstalt in Augenschein und drückten ihren Beifall aus. — Aber Weh kann es uns thun, daß das Curatorium in öffentlichen Blättern gegen diese Einrichtung des Hauses aufttitt, als sei dieselbe der Höhepunkt der Pracht und des LuxuS. Wer es mit einer Wohlthätigkeitsanstalt gut meint, der greift dieselbe nicht in öffentlichen Blättern an. Wenn ich beständig in die Welt Hinausposaune: „das Haus ist bankerott!" so muß das Publikum meinen, daß ich die Absicht habe, das Haus bankerott zu machen, indem ich ihm seinen Credit raube, und wenn eine Anstalt, nachdem sie ein festes Eigenthum erworben, eine kleine Capitalschuld von an 3000 Thlr. hat, so sind wir sicher, daß unter solchen Verhältnissen bei der Wohlthätigkeit unserer Glaubensbrüder kein Bankerott zu befürchten ist. Ein Waisenhaus ist erst dann bankerott, wenn Wohlthätigkeit und Menschenliebe bankerott sind. — Konnte das Curatorium mit Fräul. Nathan nicht weiter Hand in Hand gehen, so wäre es bester gewesen, wenn daffelbe zurückgetreten wäre, denn die Herren wissen wohl, daß für die Anstalt die Wirksamkeit der Gründerin eine Lebensbedingung ist. Die Herren dursten ifie nicht plötzlich in den Zeitungen angreifen, als sei sie eine Verbrecherin geworden, oder gar als habe sie Profite gemacht; diese Angriffe sind zu rücksichtslos und gehässig, um nicht Entrüstung zu erregen. Hervorheben wollen wir noch, daß Fräul. Nathan durchaus nicht etwa mit der ganzen Gemeinde in Oppositton sei. Wir wissen aus sicherer Quelle, daß noch sehr Viele aus der Gemeinde Fräul. Nathan schützend zur Seite stehen, daß sie bei jeder Gelegenheit reichlich zur inneren Einrichtung spenden und daß sie mit Stelz auf das schöne Werk blicken, das in ihrer Stadt entstanden ist. Oesterreichischer Kaiserstaat. Peffh, 21. Juni. lPrivatmitth.) Was man 12 volle Jahre angestrebt, wofür die wackersten unserer Vorstände, Rabbinen und Lehrer gerungen und gekämpft haben, soll endlich in Erfüllung gehen! — Ungarns jüdische Schulen werden, wie die g. Leser der Allg. Z. d. Äudenth. bereits wisien, mit der Autonomie ilrer Schulen, mit jüd. Jnspectoren für dieselben versehen werden. — Diese den Juden Ungarns in Aussicht gestellte Concession ist unstreitig von großer Tragweite. Und doch haben sich in der inländischen Tagespresse Stimmen gegen die erst ins Leben tretende Autonomie bereits kund gegeben! Ja, es sollen sogar eine Anzahl von Lehrern bei der h. ung. Regierung Petitionen überreicht haben, in welchen sie daraus Hinweisen, wie gefährlich es sei, die jüd. Schule der Willkür unserer Gemeinden Preis zu geben. Wir finden dieses Schwarzsehen der Zukunft, diese Aengstlichkeit unserer Lehrer nicht ganz unbegründet. Wer die ächte Paschawirthschast gewisser ung. Gemeinden gegen ihre Lehrer kennt, wer da weiß, wie in den letzten 2 Jahren, in welchen die Regierung von den jüdischen Schulen fast gar keine Notiz nahm, gar manche brave, in der Schule ergraute Lehrer völlig in den Hintergrund gedrängt oder ihres Dienstes ohne Grund und Ursache entlassen wurden, während pflichtvergessene, moralisch ruinitte Individuen mit Belobungen und Auszeichnungen blos deshalb überhäuft wurden, weil sie dem Herrn Vorsteher oder der Frau Vorsteherin zu hofiren wußten, der muß fteilich im Interesse der guten Sache wünschen, daß die jüd. Schule im Status quo, d. h. unter Aufsicht der kath. Geistlichkeit bleibe. Allein die ins Leben tretende Autonomie wird die Existenz der Schulen und Lehrer in keiner Weise alteriren. Es wird durch dieselbe nur in den Personen, keineswegs aber in dem bestehenden Systeme was geändert werden. Anstatt christlicher, unabhängiger Inspektoren, wie wir sie bis jetzt hatten, werden wir nunmehr als solche Juden haben! — Ich kann Ihnen aus sicherer Quelle melden, daß die hohe ung. Regierung nicht nur das Institut jüd. Schulinspectoren ins Leben rufen, sondern auch vier Oberstudiendirectoren ernennen werde, damit das jüd. Schulwesen gänzlich in jüdischen Händen concentrirt sei. Dieselben werden als Regierungsbeamte Macht und Einfluß genug besitzen, um den etwa sich kundgebenden Uebergriffen der Gemeinden einen dauernden Damm zu setzen. Ja, wir sind dessen überzeugt, daß es ihnen eher gelingen dürfte, die Stellung der Lehrer zu verbessern, was den kach. Jnspectoren nicht gelungen ist. Unsere Lehrer haben also gar keine Ursache in bittere 29

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