Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1863)
- Date
- 1863-07-07
- Page
- Seite 433 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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433 Muttergemeinde angeschloffen. In SikloS hat Herr Rabbiner Roth zum Andenken Rießer'S eine Tobtenfeier gehalten, die, wie die öffentlichen Journale melden, ebenso erhebend wie tief ergreifend war. — Beim Schluffe dieser Zeilen kommt uns der trefflich gehaltene Artikel des Oberrabbiner in Gr.-Becskerek Herrn Oppenheim in dieser Zeitung No. 25 zur Hand, worin derselbe die Presse als das Organ bezeichnet, das dazu berufen, alles mögliche Material herbeizuschaffen, um die hohe königliche Statthallerei in Ofen über die Berhältniffe der israel. Schulen in Ungarn aufzuklären. Wenn wir nun die theilweis traurigen Berhältniffe des Lehrerstandes zu malen uns anschickten und in der Ueberzeugung leben, daß der Lehrer in vielen Gemeinden Ungarns nur gar zu oft die Härten und Launen Einzelner fühlen muß, so wollen wir hiermit nichts weiter gethan haben, als die intelligenten Israeliten Ungarns vor Mißgriffen gewarnt zu haben, und vor Allem sie ersuchen der Masse die Schule, das kostbarste Kleinod Israels, um so weniger anzuvertrauen, nachdem wir sonst Gefahr laufen, dem Che der, dem Lieblingskind des Chassid, und allen Anhängern einer kleinen Clique*) Thür und Thor geöffnet zu haben und dem polnisch-jüdisch-deutschen Dialect die glorreichste Zukunft in dem so gesegneten Magharenlande. Man wolle uns nicht mißverstehen, Hunderte von Gemeinden in Ungarn können Sinn für Schule haben, und andere Hunderte können ebenso in den Chassidismus verliebt sein und die Schule hassen und dem Chedcr den Vorzug geben. Um alle Uebel im Keime zu ersticken, wäre eine Notablenversammlung in Pesch wünschenswerth, und könnten wir nur aus diesem Wege der drohenden Gefahr entgehen. In Erwägung deS Umstandes, daß gerade Herr Rabbine Oppenheim zu Gunsten der Autonomie in der Allg. Zeitung des Judenthums schon vor Jahren auftrat, in fernerer Erwägung, daß er als Rabbi und Director die Schulverhältnisse kennt, wäre gerade derselbe berufen die Sache zu der seinigen zu machen, und die Angelegenheit der Schule im Vereine mit den Rabbinen und Vorstehern der Gemeinden im Jntereffe des Judenthums, der Humanität und der jüd. Volksschule in die Hand zu nehmen. Z . . .. *) Deren Organ der Rebbe in Mainz redigirt. Frankreich. Bayoune, im Juni. (Arch. isr.) Das Hospital der hiesigen Gemeinde hat von Herrn Furtado, maire von Requencourt und Ritter der Ehrenlegion, 18,000 Frcs. und von dessen Tochter, der Schwiegertochter Salomon Heines, 25,000 Frcs. erhalten. Gaben der Wohlthärigkeit, die wohl werth sind, öffentlich erwähnt zu werden. Paris, im Juli. Wenn man aus vor. No. d. Bl. erfahren hat, daß in den eben vollendeten französischen Wahlen sechs Israeliten obgesiegt, so wird man voraussetzen, daß dies nicht ohne Kampf geschehen, und daß die Gegner den Haß und das Vorurtheil, die noch immer gegen die Juden vorhanden sind, auszubeuten suchten. Das Aeußerfte hierin leistete ein Schreiben eines Advocaten Tolra zu Prades vom 18. Mai, gedruckt zu Toulouse und in Tausend von Exemplaren durch das südliche Frankreich verbreitet. Der genannte Advocat beruft sich in diesem Pamphlet, das gegen Emil Pereire gerichtet ist, auf das Evict vom 2l. September 1448, welches die Juden aus dem damals zu Spanien gehörenden Roußillon vertrieben, so wie auf die berüchtigte Geschichte zu Damaskus (1840), indem er mit unerhörter Frechheit die Schuldhaftigkeit der Juden an dem Tode des Paters Thomas behauptete. Herr I. Caroullo geißelt nun in der „Opillion uationsle" vom 20. Juni den Herrn Tolra und sein Schreiben in der würdigsten und nachdrücklichsten Weise, während die Bevölkerung von Roußillon selbst diesem „Vertreter der katholischen Partei" durch die Wahl Pereire'S das glänzendste Dementi gegeben hat. Dabei können wir jedoch nicht unterlaßen, dem wackeren und beredten Dertheidiger der Wahrheit und Unschuld, Herrn Caroullo, die herzlichste Anerkennung auszusprechen. Italien. Turin, im Juni. (Arch. isr.) Der Graf Corinaldi, Israelit, ist in die Deputirten-Kammen gewählt worden. — Nach der Gazette di Torino soll ßch das römische Dicariat mit neuen beschränkenden Maßregeln gegen die Juden beschäftigen; es wird beabsichtigt ihnen streng zu untersagen außerhalb des Ghettos 28