Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1863)
- Date
- 1863-07-07
- Page
- Seite 432 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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432 then und bearbeitet wurde! Außerdem ersehen wir aus diesem Schreiben, daß in Ungarn das Verbot des Haltens christl. Gesellen und Lehrjungen (von Dienstboten und Ammen ist nichts erwähnt) vom Jahre 1840 sich datirt — und daß dasselbe daselbst um einige Wochen früher als in den anderen Kronländern (siehe Wiener vom 22. November 1859) aufgehoben wurde. Das Verbot vom I. 1840, dessen Veröffentlichung ebenfalls wichtig wäre, hatte damals seine traurigen Folgen, und ich könnte Ihnen, Herr Redacteur! viele Fälle namhaft anführen, wo jüdische Meister in Folge dessen, da ihnen das Halten von Gesellen verboten wurde, zur christlichen und meist evangelischen Kirche — und zwar oft nur für ihre Person allein ohne Familien — übertraten. Zum Lobe der ungarischen Geistlichkeit, namentlich der Landgeistlichkeit muß ich hervorheben, daß seit dem I. 1848 niemals, so viel uns bekannt, von diesem Verbote Gebrauch gemacht wurde — und das Halten christl. Gesellen rc. wurde den jüdischen Meistern nicht erschwert. Man glaubte allgemein, daß das Verbot bereits außer Kraft gesetzt sei! Vor dem I. 1848 aber war dasselbe von unsäglichen, traurigen Folgen und es zerstörte viel Familienglück!! Bekanntlich wollten die Geistlichen, besonders in Galizien unter dem Bach-Thun'schen Regime, das dom I. 1817 datirte Verbot des Haltens christl. Dienstboten rc. allgemein gehandhabt wissen — und es kostete viel Anstrengung bis daffelbe aufgehoben wurde. S. Wertheimer's Jahrbuch, 7. Jahrg. 1860, S. 65 ff. Preßburg, im Juni. (Privatmitth.) Bekanntlich haben hier seit einem Jahre die Freunde eines geregelten Gottesdienstes einen solchen mit Chorgesang in einem besondern Gotteshause hergestellt. Der Gemeinde- Vorstand glaubte demselben durch Anstellung eines Predigers den Todesstoß zu versetzen; aber statt einen regelmäßigen Concurs zu eröffnen, berief er, ohne die Gemeinde an der Wahl sich betheiligen zu lassen, einen Rabbiner Fischman aus Klausenburg. Durch die Predigten desselben fühlen sich nun die Besucher jenes geregelten Gottesdienstes bewogen, erst recht an demselben festzuhalten. Aus Ungarn, 19. Juni. (Privatmitth.) Durch den vor Kurzem bekannt gewordenen j. Erlaß des königlichen ungarischen Statthalterei-Rathes, die Wahl jüd. Jnspectoren an jüdischen Schulen betreffend, wird einem längst gehegten Wunsche der Intelligenz Ungarns seiner Realisirung entgegen gegangen. Wenn nun auch einestheils durch Anstellung jüdischer Schulinspeckoren die Israeliten Ungarns in der Autonomie einen Schritt nach vorwärts rücken, so kann doch andererseits nicht außer Acht gelassen werden, wie wichtig gerade diese Frage für die Entwicklung des israel. Schulwesens unseres Heimathlandes ist und wie traurig es wäre, wenn diese Autonomie eine Anarchie im Schulfache nach sich ziehen möchte. Wir Alle erinnern uns noch lebhaft des in diesen Blättern angeregten Principienstreites, eines Streites, an dem seinerzeit tüchtige, im Vaterlande anerkannte Schulkräfte Theil nahmen, und der nichts weiter bezweckte, als die Oberaufsicht der Schule dem Staate nicht entrissen zu sehen. Bei der Heiligkeit der Sache und Wichtigkeit der Frage für das Schulsystem unseres Heimathlandes, möchten wir in diesen Blättern, nachdem die Anstellung jüdischer Jnspectoren als gewiß anzusehen ist, die Gemeinden darauf aufmerksam machen, nur solchen Männern dieses Ehrenamt in die Hand zu geben, denen es ernstlich um die Erziehung der Jugend zu thun ist und die auch pädagogische Kenntnisse besitzen; hingegen solche, welche von anderweitigen Berufsgeschäften sehr in Anspruch genommen sind, der pädagogischen Laufbahn ferne stehen und zu egoistischen Zwecken dieses Ehrenamt ausbeuten könnten, auszuschließen. Selbstverständlich sind Rabbinen, welche wahrhaften Sinn für dieses heilige Institut haben, und deren Zahl ist Gott sei Dank nicht gering, ergraute Lehrer, die jahrelang ihre Kraft der Schule widmeten, nur allein geeignet für dieses Amt, auch brauchten einstweilen nicht für ein jedes Comitat Jnspectoren ernannt werden, und könnten mehrere Bezirke um so eher vereinigt werden, da in manchen Comitaten der Schulen nur wenige sind, in anderen es an geeigneten Kräften mangeln möchte. Vor Allem möchten wir den Gemeinden an das Herz legen, den Lehrern, trotz ihrer Autonomie in Schulangelegenheiten, ihre Selbständigkeit nicht fühlen zu lassen, und wäre es vor Allem nolhwendig ein gemeinsames Statut, etwa das von der allgemeinen israel. Lehrer-Conferenz in Pesth ausgearbeitete, in dieser Beziehung als Norm anzusehen, damit das Wanderleben nicht wieder wie vor Jahren bei uns heraufbeschworen werde. — In Fünfkirchen wurde Herr Ehrlich, gewesener Prediger in Debreciner, zum Rabbiner erwählt, und haben sich die Gemeinden Därda und Szt. Lörinc der