Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1863)
- Date
- 1863-07-07
- Page
- Seite 431 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226393--21373-3301271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
431 lichen Armenversorgung zugleich die Bestimmung getroffen werden soll, daß jeder Jsraelite nur zu der Gemeinde seine Cult-Steuern zu zahlen habe, wo er seinen Wohnsitz hat. Dadurch würden manche kleine Gemeinden in ihrem Fortbestände wesentlich gefährdet und wäre denselben daher zu empfehlen, rechtzeitig durch geeignete Schritte und Maßnahmen sich vor der sie bedrohenden Gefahr sicher zu stellen. H. Preußen. Berlin, 17. Juni. Sonntag den 14. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, fand die feierliche Eröffnung des neuerbauten Schulhauses der jüd. Gemeinde, Große Hamburgerstraße 37, im Beisein der betreffenden Vorstände und Organe der Aufsichtsbehörde Statt. Die Weihrede hielt der Prediger Dr. Sachs, dagegen die eigentliche, die Geschichte der Anstalt zusammenfassende Rede der Reetor Horwitz, unter dessen Leitung die Knabenschule und die Lehrer-Bildungs-Anstalt in dem schönen geräumigen Gebäude vereinigt sind. Die erste dieser Anstalten zählt jetzt 594 Schüler in 12 Klassen, die letztere 30 Zöglinge in 3 Klaffen. Die tteffliche Ausführung einer vom Rector Horwitz gedichteten und Herrn L. Lewandowski componirten Motette erhöhte den Eindruck der Feier. Berlin, im Juni. (Privatmitth.) Die Knabenwaisenanstalt des Herrn Baruch Auerbach hat in diesen Tagen ihr dreißigstes Jahr zurückgclegt. Der Jahresbericht weist nach, daß die Anstalt mit 4 Waisenknaben begonnen, jetzt 26 zählt, mit Einschluß dieser während 30 Jahren 118 Knaben ausgenommen, für diese circa 106,000 Thlr. ausgegeben und 82,000 Thlr. Fond gesammelt hat. Wir sind die Letzten, welche die Anerkennung der segensreichen Verdienste des Herrn Auerbach irgend schmälern wollen, aber seine Anstalt beweist doch abermals, wie kostspielig solche Anstalten für die öffentliche Mildthätigkeit sind. Die Ausgaben des verflossenen Jahres für die 26 Knaben, blos was deren Unterhalt und Unterricht betrifft, waren 5797 Thlr. Somit kommen auf jeden Knaben 223 Thlr. und wenn man, wie recht ist, auch die 950 Thlr. für „Baulichkeiten des Hauses" dazu rechnet, aus jeden Knaben 259 Thlr., sage Zweihundert neun und fünfzig Thaler. Für eine solche Summe kann man die luxuriöseste Pension eines Knaben bezahlen, ohne daß dieser in dem drückenden Gefühle erzogen wird, Zögling eines Waisenhauses zu sein. Die bekannten sittlichen Motive gegen dergleichen Anstalten — in Vergleich mit der Erziehung von Waisenkindern in angemeffenen Familien — würden durch derartige finanzielle Gründe verstärkt. Wollstein, 20. Juni. (Privatmitth.) Hier wurde am 1 5. d. das 25jährige Amtsjubiläum des Lehrers Posener in erhebendster Weise gefeiert und zwar nicht bloS von Gemeinde und Schule, sondern auch vom städtischen Lehrkörper, der christlichen Geistlichkeit und der Regierung. Denn im Namen der Regierung brachte der Herr Landrath v. Unruh-Bamst, im Namen der Stadt Herr Anders — an Stelle des in Geschäften abwesenden Herrn Bürgermeisters — im Namen der Lehrer der Parochie der Prediger Herr Rector Braun dem Jubilar ihre Glückwünsche dar, denen die anwesenden Stadtverordneten, Gemeindevorsteher und Schulrepräsentanten die ihrigen hinzufügten. Herr Anders verlas zugleich ein Schreiben des Herrn Superintendenten Gerl ach, der es bedauerte, einem so seltenen Feste nicht beiwohnen zu können. Österreichischer Kaiserstaat. Aus Südungarn, 19. Juni. (Privatmitth.) Sie haben ebenfalls (in vor. No.) das Schreiben des Cardinal-Primas Scitowsky an den früheren Cultusminister Graf Thun, mitgetheilt. Es wäre überflüssig einen Commentar zu dieser Epistel, welche die Ungar. Zeitungen meist ignorirten, liefern zu wollen! Wahrlich wir können, wie so oft, auch diesmal ausrufen: „Gelobt sei Gott, daß er uns nicht hat hingegeben zum Fräße für ihre Zähne. Unsere Seele ist gerettet, wie der Vogel aus des Voglers Schlinge; die Schlinge ist zerriffen, und wir — wir sind gerettet!" (Pf. 124. 6.) — Herr Scitowsky handelte daher ganz consequent als er im December 1860 bei der „Grauer Conferenz" Hrn. Schoßberger die Thüre wies! Der 10. October 1860 vernichtete alle Träume desselben in Betreff des Concordates, und er warf sich auf einmal in die Arme der nationalen Partei! Wir erinnern an die Worte des Gräfin Thun im verstärkten Reichsrathe, die derselbe den ungarischen Reichsräthen auf deren Vorwürfe wegen deS Concordates erwiederte, daß das Concordat hauptsächlich vom Cardinal-Primas §§. für §§. bera-