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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-06-30 · Heft 27 (30.6.1863) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 27 (30.6.1863)
Date
1863-06-30
Page
Seite 418 (sequence 10)
Language
German
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418 Frankreich. Paris, im Juni. (Arcb. 181.) Außer den drei Pereire's sind noch drei Israeliten in den gesetzgebenden Körper gewählt worden, nämlich zwei Fould's, Vater und Sohn, und Leopold Javal. — Die Wohlthätigkeits- Lotterie hat 40,000 Frcs. eingebracht, welche unter die verschiedenen israelitischen Institute vertheilt werden. — Ein Sohn des Baron Nathaniel von Rothschild, der die Rechte studirl hat, hielt vor Kurzem einen öffentlichen Vortrag über die Sathren des Mathurin Regnier (1573—1613), und ist diese Arbeit auch gedruckt erschienen. Es freut uns, aus dieser großen Finanzfamilie nun auch eine wiffenschaftliche Befähigung hervorgehen zu sehen. — Die diesmalige Kunstausstellung hat von ungefähr 20 jüdischen Künstlern Gemälde, Büsten und Gravüren angenommen. Biblische und jüdische Gegenstände hat Herr Sämlein behandelt, nämlich den Vers der Genesis, die Söhne Gottes sehend, daß die Töchter der Menschen schön seien, nahmen diejenigen zu Weibern, welche ihnen gefielen, Herr Ulmann eine Delilah, welche die Haare Simsons abschneidet, Herr Mohse eine talmudische Discusfion und die jüdische Schule von Milianah. Auch ein deutscher Israelit hat ein Gemälde ausgestellt, Herr Lazarus Wihl, zwar einen bizarren Gegenstand behandelnd, einen Zwerg, der die Trommel rührt, aber von sehr charakteristischer Zeichnung und einem vortrefflichen Colorit. Der Berichterstatter der Arch., Herr Schorostein, macht folgende Bemerkung: „Als wir diese verschiedenen Werke der israelitischen Künstler prüften, haben wir versucht, außer den Verschiedenheiten der Schulen, auch in ihnen einen besondern Charakter zu finden, der allen eigen ist. Es ist klar, daß dieses nicht in einer absoluten Weise verstanden werden kann. Nichtsdestoweniger, wenn zwischen ihnen etwas Gemeinschaftliches ist, so besteht dies in einer gewiffen Harmonie in der Composition und in einer Vorliebe für die Gegenstände, welche ebenso den Verstand wie das Gefühl berühren. Sie scheinen fich nicht damit zu begnügen Gegenstände und Bewegungen darzustellen, sondern auch den schöpferischen Gedanken auszudrücken und faßlich zu machen. Außer „der Krieg" von Herrn Hadamard, ist kein einziges Gemälde unter ihnen, welches nur durch Scenen von Gewaltthätigkeiten und Effecte des Schreckens und der Furcht einen Eindruck machen will." Belgien. Brüssel, 6. Juni. (Privatmitth.) „Voix d’un Polonais israelite en faveur de l’independance de la Pologne, par Ephraim Ben-Israel.“ Dies ist der Titel einer Broschüre, welche soeben aus den Pressen der Herren Banderauwera hervorgeht, und über welche ich heute sprechen will. Der Verfasser, ein erst 20jähriger Jüngling, wie mir Herr Lubliner sagte, welcher den Druck des Manuscripts besorgte, ist ein begeisterter Patriot, und als solcher fordert er alle Israeliten, auch die im Auslande, zur thatkräftigen Unterstützung der polnischen Nationalerhebung aus. „Wenn unter meinen Glaubensbrüdern in der Fremde," sagt er in seinem Vorwort sehr bezeichnend, „es solche giebt, welche Polen feindlich gesinnt sind, so würde ich sie als unsere größten Feinde betrachten, während ich die Ultramontanen, die Polens Sache vertheidigen, als unsere besten Freunde ansehe." Es folgt sodann eine Schilderung der Leiden Polens. Dann kommt der Verfasser auf den bekannten Einwurf, daß die polnische Erhebung von ultramontanen Elementen getragen werde, und er widerlegt dies schlagend in folgenden Worten: „Um die jetzige Stimmung des niedern und Mittlern Clerus in Polen zu bezeichnen, wollen wir nur das folgende Factum anführen, zum Beweis dessen, was wir über deren Patriotismus gesagt. Unsere Unparteilichkeit in dieser Hinsicht kann nicht in Zweifel gezogen werden, da wir der mosaischen Religion angehören." „Als Agent des Central-Comite's von Warschau hatten wir mehrmals römisch-katholische Priester in unsere Verbindung einzuführen, die spater unter unserer Direction blieben. Sie wußten recht wohl, daß wir der mosaischen Religion angehören, aber das Zutrauen, das sie in uns und unsere andern Glaubensbrüder im Comite hatten, hat dadurch nicht im Mindesten gelitten; es diente uns zu beweisen, wie die Liebe zu unserem gemeinsamen Vaterlande die Schranke niedergeworfen hatte, welche um des Glaubens willen ehemals bestand, indem sie unsere Hoffnungen in einer edlen und heiligen Einheit vereinigte."

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