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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-06-30 · Heft 27 (30.6.1863) · p. Seite 417

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 27 (30.6.1863)
Date
1863-06-30
Page
Seite 417 (sequence 9)
Language
German
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417 suchte verrostete Waffe, welche von einem Kirchenvater geschmiedet, unbeachtet, unbenutzt bis aus die Jetztzeit in irgend einem Winkel gelegen. Zum direclen Angriffe war sie nie geeignet; sie sollte blos den Ungläubigen gegenüber eine Manisestation sein, wie die allein seligmachende Kirche von ihnen denkt und wie sehr sie daraus sieht, keinen Antheil an der Erziehung jener zu haben, welche durch eben diese Erziehung den Höllenflammen verfallen sind. Der niedere Clerus im Kaiserstaate hat sich im Allgemeinen bereitwillig herbeigelassen, die jüdischen Volksschulen zu inspiciren, sogar hie und da ihr geistiges und materielles Interesse zu fördern. Er fand einerseits eine Art Befriedigung darin, die Hand über jene Anstalten halten zu dürfen, welche die Quellen eines fremden Stromgebietes bilden; andererseits bot es ihm Gelegenheit mit Andersgläubigen in Rapport zu treten, was zu so Vielem gut sein kann. Es war eben auch der Wille der Regierung in dieser Richtung kräftig genug, um die Absichten der Finsterlinge zu paralisiren. Und so haben wir seit den Zeiten des unvergeßlichen Josef, des Schöpfers jüdischer Schulen in Oesterreich, bis auf die Gegenwart katholische Schulinspectoren, welche in vielen Fällen sogar Beschützer der jüdischen Volksschulen waren. Wir wollen es nicht verhehlen, daß bei dem Aufschwünge dieser Anstalten beide bekannten Erklärungen von i-irr; -rrn gerechtfertigt wurden; es hatte eben Alles seinen regelmäßigen Gang, und der jüdische Lehrer hatte selten Ursache, sich über seinen katholischen Vorgesetzten zu beklagen. Wir erinnern uns sogar mit inniger Rührung an den leider viel zu früh verstorbenen Schulvistricts-Aufseher, Hrn. Nikolaus Bahr, Domherrn und Probst zu O^wchcim, dessen reine Menschenliebe und echte Religiosität die Schulen aller Confessionen mit gleichem Eifer und gleicher Liebe umfaßte, und der von edlen Gefühlen durchdrungen viel Schönes und Gutes auf dem ihm so theuren Gebiete hervorgerufen hatte. Sein Nachfolger in der O-wchcimer Pfarre huldigt freilich anderen Ansichten und beobachtet den Juden gegenüber ein conträres Benehmen. Zunächst dem religiösen Skrupel des Clerus scheint auch die rasche Entwickelung der jüdischen Volksschulen im Baterlande ein bedeutender Factor zu der erwähnten Weigerung zu sein. Die jüdische Volksschule hat die katholische weit überflügelt, obwohl sie zwei und oft gar drei Sprachen in ihren Lehrplan ausgenommen hat und auch pflegt, während diese es nur mit einer zu thun hat. Wie oft waren nun die katholischen Seelen- und Schulhirten in der nicht angenehmen Lage, Parallelen zu ziehen, welche fast immer zu Gunsten der fremden Confession ausfielen; und wie oft lagen der geistlichen Schuloberbehörde Referate vor, welche von „jenseits des Stromes" Schöneres berichteten! Der jüngste Erlaß der königl. ungarischen Statthalterei entspricht endlich den in dieser Richtung seit etwa achtzehn Jahren gehegten Wünschen der Geistlichkeit und beauftragt die ersten Gemeinden der einzelnen Schulbezirke, eine Anzahl besoldeter israelitischer Schulinspectoren zu wählen, denen man die Beaufsichtigung der jüdischen Lehranstalten übertragen könnte. Wir tragen einen gerechten Zweifel, daß die Gemeinden einer derartigen Zumuthung ganz entsprechen und sich zur Dotation dieser Jnspectoren herbeilassen werden. Die Gemeinde erhält schon aus eigenen Mitteln ihre Schulen; Schulinspectoren aber ohne Regierungsorgane, und mögen daher auch von dort aus besoldet werden. Die katholische Geistlichkeit hat ebenfalls keine wie immer gearteten Bezüge von den ihr zur Aufsicht untenstehenden Schulgebieten resp. Gemeinden. — Die ungarische „Judenschaft" hat ferner einen Schulfonds von einer Million Gulden E. M>, deren jährlichen Zinserträgniß von 52,000 fl. ö. W. wahrlich nicht von den im Lande bestehenden fünf „Musterhauptschulen" absorbirt wird, indem diese Anstalten nur den Gehalt für das Lehrerpersonal beziehen. Wir sehen dem Ausgange dieser Streitftage nun neugierig aber unbesorgt entgegen, indem das Wesen der Schule nicht alterirt werden kann, es sei denn, daß unter dem Einflüsse jüdischer Schulinspectoren die hebräische Sprache mehr und besser gepflegt werden könnte als es an vielen Orten bis jetzt geschehen ist. An der hiesigen Hauptschule ist die Stelle des Directors noch unbesetzt, und dürfte es noch lange dauern bis die Gemeinde-Repräsentanz einen solchen aus der Mitte der Lehrer ernennt, indem die eigenthümliche Zusammensetzung des sonst ehrenwehrten Lehrerpersonals eine solche Maßregel heischt. Die in einem magyarischen Blatte jüngst circulirende Nachricht von der Besetzung der Directorstelle ist aus der Luft gegriffen, wenn auch gedachtes Blatt eine hierauf bezügliche Berichtigung unbeachtet gelassen hat. 27

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