Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1863)
- Date
- 1863-06-30
- Page
- Seite 415 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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415 klagen. Ich bemerke dies blos, damit nicht etwa Zeter geschrieen wird, wenn beim jüdischen Gottesdienst „christliche" Melodien gesungen, oder gar von einem Nichtjuden auf der -Orgel eingeleitet und accompagnirt werden. Es kommt hierbei Alles auf Tact und Tempo an und — bei verschlossenen Augen und völliger Hingebung weiß selbst der beste Kenner nicht, ob er weißen oder rothen Wein getrunken hat. Uebrigens hatten wir im Tempel seit zehn Jahren mit Erfolg die Ordnung eingeführt, daß beim Hauptliede (vor der Predigt) nach dem Orgel-Präludium der erste Choralvers vom Chor allein gesungen wird, und erst beim zweiten Verse die Gemeinde mitzusingen ansängt. Von den Vorarbeiten zur hiesigen Gemeinde-Reorganisation ist noch nichts zu melden, es geht damit, wie mit der ganzen hiesigen Legislatur, sehr langsam. München, 15. Juni. (PrivatmitthJ Das bayerische Regierungsblatt v. 30. Mai c. veröffentlicht einen Act der Mild- und Hochherzigkeit vön Seiten eines unserer Glaubensgenossen, der es wohl verdient, auch in Ihren geschätzten Blättern einregistrirt zu werden. Betreffender Bericht nebst allerhöchster Zufriedenheitsbezeugung lautet wörtlich: „Der Privatier und Dr. philos. Wilhelm S. Königswarter in München hat mit einem Fundationskapital von 3000 fl. eine Stipendienstistung für einen Studirenden der Universität, mit einem gleichen Kapital von 3000 fl. eine Stipendienstiftung für einen Eleven der Academie der bildenden Künste und mit einem Kapital von 4000 fl. eine Stiftung zur Bertheilung von Geldpreisen an hiesige, besonders tüchttge Handwerksgesellen und Lehrlinge begründet und bestimmt, daß der Genuß der Stiftungsrenten bei sämmtlichcn drei Stiftungen von dem religiösen Bekenntniß unabhängig sein solle. Se. Majestät der König haben diesen Stiftungen mit der Benennung „„Di*. Königswarter'sche Studien- und Künstler-, dann Gesellen- und Lehrlings-Stiftung"" die allerhöchste Landessürstliche Bestätigung zu ertheilen geruht und zugleich allergnädigst anzuordnen geruht, daß dieselbe unter allerhöchster wohlgefälliger Anerkennung des von dem Stifter bekundeten gemeinnützigen und patriotischen Sinnes durch das Regierungsblatt zur öffentlichen Kenntniß gebracht werde." Gleichzeittg nehme ich Veranlaffung Ihnen mitzutheilen, daß auch die hiesige Kanzel zu denen zu zählen ist, die unserm unvergeßlichen Rießer einen Nachruf gewidmet. Schon msn V-o, also gleich nach Empfang Ihrer „Aufforderung" benutzte unser Prediger Dr. Engelbert hierzu den Sabbathvortrag, der gestützt auf den Text 'm “t i-pt inp^ den Gedanken ausführte, daß — soll noch heute der Priester seiner hohen Aufgabe, der beständigen Wahrung und Wartung der Gotteslampe, der Erhaltung und Läuterung unserer Lichtreligion mit Erfolg obliegen — ein Jeder in Israels Gemeinde seinen Oelbeitrag zu liefern habe und ein Jeder Mitwirken müsse; gegenüber dem Princip oder besser der Principlosigkeit des Jndifferentismus, der alles religiöse Streben und Wirken dem Cultusbeamten, dem sogenannten Fachmann überlaffen zu können wähnt. Zum Schluffe lag der Hin- und Nachweis sehr nahe, wie unser jüngst dahingeschiedene R., nicht als Rabbiner oder Prediger oder Lehrer, sondern als Jude mit hingebender Begeisterung, mit dem Einsatz seiner ganzen ungetheilten persönlichen Kraft für die Rechte und Freiheit seiner Glaubensgemeinde, gegen Vorurtheil und Bosheit so nachhaltig und ausdauernd, so unverdroffen und siegreich gekämpft, wie er es verstand, nur mtt den reinsten und edelsten Mitteln den Geist der Unterdrückung und der Widersacher zu bannen und selbst dem vorurtheilsvollen und boshaftesten Gegner Achtung und Anerkennung für sich und seine Glaubensgenossen abzuringen und endlich, welchen herben Verlust wir sonach durch sein ftühes Hinscheiden erlitten und wie sehr wir verpflichtet sind, dem ein Denkmal unserer Liebe und Dankbarkeit zu errichten, dessen Leben ein für uns nur Segenbringendes war.— Ihre Aufforderung ward hier mit wärmster Theilnahme begrüßt. Sofott unterzog sich eines der achtbarsten und geehrtesten Gemeindeglieder der Mühe, eine Subscriptionsliste anzufertigen und in Circulation zu bringen, die schon heute als Ergebniß der Zeichnungen eine Gesammtsumme von einigen 100 fl. Nachweisen kann. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, im Juni. Die „Preffe" enthält Folgendes: Es bedarf wohl für selbst nur halbwegs Einsichtige keiner weiteren Auseinandersetzung, wozu es gut ist, daß das folgende Schreiben des Cardinal-Primas von Ungarn an den österreichischen Cultusminister Grafen Leo Thun allgemein bekannt werde: