Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-06-23 · Heft 26 (23.6.1863) · p. Seite 402

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 26 (23.6.1863)
Date
1863-06-23
Page
Seite 402 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226364-3226391--21340-3301236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

402 worden. Denn die Stadt hat an ihm einen ihrer wackersten, ehrenhaftesten und verdientesten Bürger, die jüdische Gemeinde ihren thätigsten und hingebendsten Genossen, die Armen, Bedürftigen und Kranken ihren jederzeit hülfespendenden Beschützer und Wohllhäter, die Waisen einen liebevollen Dater verloren. Als Kalisch im Jahre 1852 von der Cholera heimgesucht wurde, gehörte er zu der von der Regierung, zur Hülfeleistung aller Art und zur Einführung heilsamer Maßregeln eingesetzten Commission und war eines der thätigsten und aufopferndsten Mitglieder derselben: in gleich liebevoller und thatkräftiger Weise nahm er sich seiner Mitbürger an, als die Stadt in demselben Jahre noch von einer großen Feuersbrunst betroffen wurde. Das jüdische Hospital, ein unschätzbarer Segen für die Juden der Stadt und der ganzen Umgegend, hat seiner Anregung und seiner Freigebigkeit seine Entstehung zu danken; die Apotheke ist auf seine Kosten hergerichtet, und bis jetzt von chm allein unterhalten worden, noch zuletzt hat er 5000 Gulden dem Hospital geschenkt. Mehr aber noch als durch diese Munificenz hat er durch die unermüdliche Thätigkeit, die er diesem Institute zugewendet, daffelbe gefördert und es zu einer Musteranstalt erhoben. 27 Jahre lang, bis zu seinem Tode, ist er der Vorsitzende des Hospitals gewesen, und trotz seines ausgezeichneten Geschäftes hat er doch die meiste Zeit seines Lebens in dieser Anstalt zugebracht. Das Hospital war sein Haus, und die Kranken alle — die hilfsbedürftigen Kinder seiner Liebe und seiner vorzüglichsten Sorgfalt. Der Synagogenbau ist nicht minder sein Werk: er hat das Bedürfnis dafür in seiner Gemeinde geweckt und durch seine reichliche Unterstützung die Ausführung möglich gemacht. Seine großen Verdienste um das allgemeine Beste konnten in höchster Stelle nicht verborgen bleiben, und so ist er vom Kaiser, bei dem er übrigens in mehreren Audienzen die Sache seiner jüdischen Mitbürger Polens aufs Eifrigste vertrat und befürwortete, zum Ehrenbürger ernannt worden. Wie seine Werke, so zeugte seine ganze Persönlichkeit von dem größten Wohlwollen und die reinste, von keinerlei consessionellen Rücksichten eingeschränkte Menschenliebe. Hatte er mit der Neuzeit und den edelsten Vertretern ihrer wissenschaftlichen Aufllärung eine höchst gediegene und vielseitige Bildung gemein, wie sie bei den Juden unseres Vaterlandes bis jetzt noch zu den Seltenheiten gehört, so hatte er auf der andern Seite aus der guten alten Zeit Treue und Anhänglichkeit für die heilige Religion, und die unbegrenzteste, aber zugleich anspruchsloseste Hingebung für die Sache der Brüder, dieses theure Bermächtniß der frommen Vorfahren, in dem Grade sich bewahrt, wie es leider bei uns, deren Nachkommen, immer seltener zu finden ist. Adolf Kempner. Nachtrag. Paris, 11. Juni. Gestern haben nach einer langen Pause die Unterhandlungen über den Handelsvertrag mit der Schweiz wieder begonnen. Im auswärtigen Amte fand die sechste Conferenz statt. Vielleicht führen diese Unterhandlungen zu nichts, denn die Schweiz will sich durchaus nicht zur Anerkennung der Zone von Fausigny und zu der Zulassung der Israeliten zu den bürgerlichen Rechten verstehen, zwei Bedingungen sine qua non Frankreichs. Die beiden Regierungen sind überein gekommen, diese beiden Punkte vor der Hand bei Seite zu lassen und unterdessen die Tarifsachen zu erledigen. Was die Israeliten betrifft, so sind sie einerseits durch die Schweizerische Verfassung von dem Dollgenusse der bürgerlichen Rechte ausgeschlossen, andererseits verlangt Frankreich im Interesse des israelitischen Handwerkstandes im Elsaß, daß dieser Zustand der Dinge modificirt werde. Wien, II. Juni. (Pr.) Herr Philipp Scheh Edler v. Koromla hat an dem evangelischen Lyceum zu Oedenburg ein Stipendium von einigen Tausend Gulden für daselbst studirende Israeliten gegründet. Brody, 28. Mai. (Privatmitth.) Gestern gegen Mittag hier angekommen, empfing mich, kaum ins Hotel gelangt, der Factor — so nennen sie in Galizien eine Art jüdischer Lohndiener, die in fast allen Hotels, christlichen und jüdischen, zur Bequemlichkeit mitunter auch zur Pflege der Reisenden anzutreffen sind — mit der Mittheilung, daß soeben der Ortsrabbiner oder wie er ihn hieß, der Herr Kreisrabbiuer, MichelKristiampoller selig in den Herrn entschlafen sei. Ich hatte diesen Ehrenmann mehr als blos den Namen nach gekannt und bedauerte von Herzen, daß es meine Zeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.