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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-06-23 · Heft 26 (23.6.1863) · p. Seite 400

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 26 (23.6.1863)
Date
1863-06-23
Page
Seite 400 (sequence 8)
Language
German
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400 bei seinem Amtsantritte in dem orthodoxen Eifer des hiesigen v\373 des oftgenannten Salomon Kluger vorgefunden, es doch verstanden hat, durch mildes vermittelndes Vorgehen jedem ernstlichen Conflicte auszuweichen, den Frieden in der Gemeinde zu erhalten. Das so milde Regiment war aber in seiner Passivität nichts destoweniger von der wohlthätigsten Wirkung aus unsere Gemeinde. Deutsche Bildung und deutsches Streben breiteten sich immer mehr aus und erfteuten sich des besten Gedeihens; nicht aber wie anderswo als exotisches Gewächs durch künstliche Wärme in die Höhe getrieben, sondern wie ein zartes Pflänzchen mit Liebe und Sorgfalt gepflegt. Der Fortschritt war kein auffallender, überraschender, aber dafür allgemein verbreiteter.*) Unsere Deutsch-israelitische Hauptschule erfteut sich eines zahlreichen Besuches, auch von Kindern der frömmeren Klasse, was — wie uns zahlreiche Beispiele belehren — durch Zwang und übergroßen Betlehrungseifer nie zu erreichen wäre; Bildungsvereine zur Verbreitung hebräischen und deutschen Wissens erstanden nach und nach und versprechen die erfreulichsten Resultate. Kaum aber hatte sich das Grab über jenen Mann des Friedens geschlossen, oder wichtiger gesprochen, noch war die körperliche Hülle nicht der Erde zurückgegeben, als schon um die Wiederbesetzung des oben vacant gewordenen Rabbinats der Streit begann. Gereicht es uns zwar zu einiger Befriedigung, daß der erste Anlaß hiezu nicht von Einem aus der Gemeinde, sondern von jener Partei in Lemberg gegeben wurde, die auch an dem inneren Zerwürnisse der dortigen Gemeinde Schuld trägt, so müssen wir es doch aufrichtig bedauern, daß auch einige sonst achtbare Glieder unserer Gemeinde sich so weit haben verblenden lassen, sich als Werkzeuge der Intriguen jener Partei gebrauchen zu lassen und durch ihr Beispiel einen großen Th eil der Gemeinde zu verführen. Eine kleine Minorität hat es zwar versucht, an competenter Stelle gegen diese schändlichen Umtriebe Verwahrung einzulegen und wenigstens darauf zu dringen, daß das hiesige Rabbinat nicht ohne Ausschreibung eines Concurses und ohne ordnungsmäßige Wahl, wie es jene wol¬ *) Ja, „ausfallend" war er nicht, und sehr schweigsam, denn man werfe den Blick wohin man will — Brody war auf der Liste der jüdischen Gemeinden, in denen stch einige Thätigkeit äußerte, erloschen. Die Redactiou. len, wieder besetzt werden soll, und kann auch, da dieser Protest Gesetz und Usus für flch hat, die Entscheidung der hohen Behörde nicht zweifelhaft sein; gelingt es aber demungeachtet jener Partei, die — wie uns ein trauriges Beispiel gelehrt hat — in Verfolgung ihrer Zwecke auch vor dem Aeußersten nicht zurückscheut, bei der vorzunehmenden Wahl ihren Candidaten durchzusetzen, dann ist es um den Frieden und die Einigkeit unserer Gemeinde geschehen. Sie muß sich dann nothwendig in zwei feindlich sich gegenüberstehende Parteien spalten, und wenn auch der Bürgerkrieg in jüdischen Gemeinden kein blutiger wird, so sind dafür die nachtheiligen Folgen in moralischer Beziehung oft um so trauriger. Darum rufen wir allen unseren Mitbrüdern, so lange es noch Zeit ist, zu: Prüfet ehe Ihr wählt, auf daß Euch nicht später die eigene Wahl gereue. — 30 — Holland. Ans dem Haag, 3. Juni. (Privatmitth.) Mit um so größerem Vergnügen habe ich in mehreren Nummern der A. Z. d. I. einen Artikel über die in dem beabsichtigten Handelsverträge zwischen der Schweiz und den Niederlanden enchaltene Ausschließung der Juden gelesen, als ich über denselben Gegenstand eine Petition an die General-Staaten (das Parlament) gerichtet habe. Die Commission der zweiten Kammer hat über den Handelsvertrag einen vorläufigen Rapport erstattet, den ich, so wett er uns interessirt, unten in treuer Übersetzung folgen lasse. Daß bei der Behandlung des Gegenstandes im Plenum ein großer Theil der General-Staaten sich der Interessen unserer Glaubensgenossen annehmen werde, läßt sich schon aus dem Commissionsberichte schließen. L. Simons. Auszug aus dem Commisfiousberichte über den Handelsvertrag zwischen Holland und der Schweiz. §. 2. Ein zweiter Hauptgrund gegen den gegenwärtigen Vertrag besteht darin, daß weder in dem Vertrage selbst noch in der dazu gehörenden Note auch nur ein Schein von Aufllärung darüber fehtt, ob bei dem Abschlüsse des Vertrages auf einen von vielen Seiten sehr wichtigen Punkt, nämlich die Verordnungen zur Ausschließung oder Beschränkung der Israeliten,

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