Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1863)
- Date
- 1863-06-16
- Page
- Seite 387 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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387 rung immer nur für kurze Zeiten von einander entfernt halten. Wissen doch die Israeliten am Besten, welch' tausendfältige Lebensadern unseres Laterlandes in diesem seinem Verbände mit Oesterreich die Länge der Zeiten geschaffen und großgezogen. Möge dieser Geist auch ihre Schulen immerfort beleben und mögen sie der Welt beweisen, daß die Anhänglichkeit und Liebe für das engere Vaterland mit der aufrichtigsten Hingebung für einen innigen Verband mit Oesterreich ganz gut verträglich ist. Die Zeit ist nicht fern, wo die Israeliten im Besitz politicher Rechte durch weise Mäßigung und politische Klugheit auf das Geschick des Landes Einfluß nehmen und ihre Hingebung für jene höheren Interessen an den Tag legen können, mit denen ihr eigenes Beste eng verbunden ist, Jntereffen, die mit dem Gedeihen des Gesammtreiches, mit der politischen Verbrüderung seiner Völker und mit der Begründung gemeinsamer konstitutioneller Einrichtungen Hand in Hand gehen." — Frankreich. Paris, 7. Juni. Der Herr Königswarter, Candidat der Regierung (Bruder des Präsidenten der All. univ. israel.) ist bei der Deputirtenwahl erlegen. Dagegen sind drei Perei re's hineingewähll. Ausgezeichnete Banquiers sind sie, wie der „K. Z." berichtet wird, alle drei keine Redner. Emil, der älteste Bruder, ist der talentvollste. Er ist es, der seit 25 Jahren alle Pläne entwirft, die dann sein Bruder, der ein ausgezeichneter und energischer Cabinetschef ist, ausführt. Eugen Pereire, Sohn eines der beiden Ersteren, ist noch sehr jung, und man weiß nicht viel über ihn. Viele sehen in Emil Pereire schon einen zukünftigen Minister. Unter dem jetzigen Regime bedarf man dazu keines Redner-Talentes. — Italien. Ferrara, im Mai. Nach dem „Karriere Israel."*) ist der Congreß italienischer Israeliten zu Ferrara, der am 12. Mai eröffnet, am 17. geschlossen worden, von *) Diese Monatsschrift, welche in Triest erscheint zeichnet sich durch treffliche Artikel und geschickte Redaction aus. Hauptmitarbeiter sind unter Anderen d« Profefforen della Torre und Luzrtto. Die Redaction. 22 Abgeordneten, welche 31 Städte vertraten, besucht gewesen. Die letzteren waren: Cuneo, Ferrara, Firenze, Lugo, Mondovi, Vercelli, Chieri, Acqui, Reggio, Scandiano, Turin, Cento, Trino, Biella, Finale di Modena, Jorea, Livorno, Modena, Casale, Moncalvo, Fossano, Colorro, Soragno, Monticelli, Firenzuola, Corte Maggione, Bussetto, Asti, Aniona, Sabbionetto und Urbino. Unter den Deputirten waren drei Rabbiner. Ueber die Verhandlungen war der Bericht noch nicht erschienen. Die Bildung einer Synode wurde abgelehnt. Der nächste Congreß soll 1866 stattsinden. Rußland. Libau, 8. Mai. (Privatmitth.) Ihr geschätztes Blatt enthält in seiner No. 15 einen Correspondenzarttkel aus Kurland, in welchem sich unter Anderem auch folgender Passus vorfindet: '„So wenig die Junker den Juden gestatten wollen ihre Güter zu betreten, und sie deshalb einem Paßzwange unterworfen haben, daß sie bei jedem Schritt von den wenigen ihnen gestatteten Landstraßen mit einer Ladung Knutenhiebe bestraft werden u. s. w." — Es ist zweifellos, daß die Zustände des Judenthums und die politische Stellung der Juden daselbst vielfach einer Reform bedürftig sind; für eine solche nach Kräften durch Wort und Schrift, namentlich auch durch fteimüchige Besprechung der bestehenden Uebelstande zu wirken und zu kämpfen, ist die Pflicht eines Jeden, bei dem nicht durch irgend welche Sonderinteressen der Sinn für wahren Fortschrüt verloren gegangen ist. Soll dieser Kampf aber mit Aussicht auf Erfolg geführt werden, so dürfen bei demselben nur die Waffen lauterster Wahrheit in Anwendung gebracht, so muß namentlich bei der Darstellung posittver Verhältnisse die sttengste Gerechtigkeit zur Richtschnur genommen und jede Uebertreibung und Entstellung gemieden werden. Nun begreife ich nicht, wie von einem Paßzwange, dem die Juden durch die „Junker" unterworfen sein sollen, die Rede sein kann, da die sämmtlich zu den Städten Kurlands verzeichnten Juden, wie jeder andere Stadtbewohner ihre Päffe von den örtlichen Autoritäten erhalten, die in keinerlei Weise dem Einfluß des Adels unterliegen. Ebensowenig sind „dem Juden 25**