Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1863)
- Date
- 1863-06-16
- Page
- Seite 388 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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388 nur wenige Landstraßen gestattet"; er reiset vielmehr, wie jeder andere Bewohner Kurlands, nach Belieben auf dem Lande umher, ohne jemals und von irgend Jemand nach einem Passe gefragt zu werden, so lange er sich nicht irgend einer Ungesetzlichkeit schuldig gemacht hat. Die „Ladung Knutenhiebe" ferner, der Ihr Correspondent eine so schaudererregende Rolle in seinem Phantasiegemälde zugecheilt hat, dürste wahrlich bei jedem mit den kurländischen Verhältnissen Vertrauten Unwillen erregen. Es würde die erlaubten Grenzen eines Correspondenzartikels überschreiten, wollte ich Ihnen eine specielle Charakteristik der Verhältnisse der in Kurland in Stadt und Land wohnenden Juden geben. Es genüge zu bemerken, daß die letzteren größtentheils als Milchpächter und Brauer auf den Gütern eine häufig, ja durchschnittlich behagliche Existenz haben und in keineswegs vereinzelten Fällen sich in dieser Stellung ein nicht unbedeutendes Vermögen erwerben; daß der Jude ferner, sowohl von den größeren Kaufleuten als auch von den Edelleuten, vorzugsweise zur Vermittelung jeder Art von Kaufgeschäften auf dem Lande gebraucht wird, daß endlich diese Verhältnisse einen Grad von Vertrauen voraussetzen, der mit der angeblichen Verachtung und dem Hasse gegen die Juden schlechterdings nicht in Einllang zu bringen ist. Die Verbindung, in welche die Besprechung der speeiell jüdischen Verhältnisse mit dem Thema des von Ruten b erg'scheu Buches — die bäuerlichen Zustände in Kurland — gebracht wird, erscheint gänzlich unmotivirt. I. Franck. Bemerkung der Redaction. Wir wünschen aufrichtig, daß Herr I. Fr. vollständig und richtig unterrichtet sei, allein unser Correspondent aus Mitau hat oft genug wörtlich die Erlasse von adligen Gutsherren und uuwiderlegte Vorgänge gegen Juden mitgetheilt und seine Artikel sind so oft in russische Blatter aus dem unsrigen ausgenommen worden, als daß wir mehr vvraussetzen könnten, als Herr I. Fr. habe nicht Gelegenheit gehabt, die Sachlage in ihrem ganzen Umfange kennen zu lernen. Sonst hätte er sich auch nicht an den Artikel in No. 15 allein gehalten, sondern auch an die anderen Corresp. im vor. und diesem Jahre. Brüssel, im Juni. (Privatmitth.) Bor einigen Tagen erschien Hierselbst eine Broschüre: „Voix d’un Israelite en faveur de l’independance de la Pologne.“ Wir haben sie nicht vorliegen, sondern nur die Auszüge, welcher der „Levant“ aus ihr bringt. Hiernach ist die Schrift von einem Agenten des revoluttonären Comites in Warschau abgefaßt und, nach jenen Auszügen zu schließen, nichts darin enthalten, was die polnischen Juden selbst betrifft, sondern rein politischer Natur über Polen. Der „Levant“ zieht aus der Broschüre die Folgerung, daß sie den Beweis liefere, wie die Bewegung in Polen nicht eine nur katholische sei, wofür man sie ausgebe. Wir wollen dies nicht ganz abläugnen, indeß waren beim Anfänge wenigstens Symptome genug vorhanden, um sie so erscheinen zu lassen. Sind die Berichte der Zeitungen richtig, so hat Oesterreich diese Angelegenheit auch so aufgefaßt, und will seine Action auf die Freiheit des Katholicismus beschränken. Daß damit Judenthum und Judenheit in Polen gar wenig erlangt hätten, brauchen wir nicht erst zu sagen. Rhodus. Rhoduö, im Mai. Das furchtbare Erdbeben am 22. April hat auch vielen Israeliten theils das Leben, theils Hab und Gut gekostet. Die dahin fließenden Unterstützungen werden vom Comite mit Zuziehung des Erzbischofs und des Oberrabbinen vercheilt. Anzeigen. Statt besonderer Meldung, beehren wir uns hiermit auswärtigen Freunden und Bekannten die glückliche Verlobung unserer geliebten Kinder Ludwig und Thea ergebenst anzuzeigen. Frankfurt am Main. Samuel C. Dann. Di. Leopold Stein. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Predigers, der Rabbinatszcugnisse rs&nr: mnr; besitzt und zugleich den Religionsunterricht zu ertheilen hat, in den höheren Klassen (wenn möglich zum sofortigen Antritt) vacant. Mit derselben ist ein jährliches Gehalt von 350 Thlr. und 150 Thlr. Nebencinkünstc verbunden. Qualificirte Bewerber wollen sich in vortofreicn Briefen unter Beifügung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten Vorstand wenden. Schwetz a/W., im Juni 1863. Der Synagogen-Vorstand. K. Hirschberg. I. Danziger. Heinrich Biehl.