Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1863)
- Date
- 1863-06-16
- Page
- Seite 386 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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386 politischen Parteiungen zurücktreten, und eS ist die Aufgabe der Gemeinden, die Schule möglichst neutral und erhaben über all' diese Zerwürfnisse zu erhalten. — Die „Ungarischen Nachrichten", das Organ der k. Hofkanzlei, hat in No. 123 einen trefflichen Leitartikel über die Autonomie der israelitischen Gemeinden und Schulen gebracht, den ich Ihnen einsende. Sie werden daraus die wahrhaft edlen Intentionen der Regierung erkennen — und wie richtig sie die Aufgabe der Juden in Ungarn erfaßte, indem sie ihnen eine vermittelnde Mission anweist. Es ist wahrlich diese Mission am meisten dem Nationalcharakter der Juden angemessen und den Traditionen des jüdischen Volkes entsprechend. Wir enthalten uns weiterer Bemerkungen über diesen wichtigen und merkwürdigen officiellen Artikel, den wir weiter folgen lassen und wünschen, daß er überall den wohlthätigsten Eindruck machen möge, den derselbe zu machen berechtigt ist. Rabb. D. Oppenheim. Die Autonomie der israelitischeu Schulen. „Wie wir erfahren, ist die ungarische Regierung Sr. Majestät Willens, den Israeliten Ungarns die autonome Verwaltung des Schulunterrichtes zu überlassen. Außer dem gewöhnlichen, im Begriffe der Staatsregierung überhaupt liegenden, überall geltenden obersten Aussichtsrechte des Staates würden somit die Israeliten Ungarns diesen so wichtigen Theil ihrer Gemeinde- Verwaltung ganz selbstständig ordnen. Wir begrüßen diesen immerhin bedeutenden Fortschritt auf dem Wege der Emavcipation unserer israelitischen Mitbürger mit aufrichtiger Freude, denn er giebt Kunde von den besten Intentionen der Regierung für die israelitischen Bewohner dieses Landes und wird hoffentlich auch mächtig dazu beitragen, das Vertrauen der Israeliten zu der Regierung des Landes zu fördern und immer fester zu gründen. Wenn wir sagen, daß dieser Act allerseits Befriedigung erregen wird, so finden wir die Ursache hievon in dem Umstande, daß nicht die entfernteste Besorgniß vorliegt, es könnte diese Autonomie der Israeliten, welche überdies ein natürliches Recht aller Confcssionen des Landes ist, irgendwie von nachtheiligen Folgen für das Land oder die Israeliten selbst sein. Die hochherzige Verzichtleistung der katholischen Kirche auf den bisher gepflogenen Einfluß in jüdischen Schulsachen beweist am besten, wie sehr selbst die auf ihre Rechte so eifersüchtige katholische Kirchenleitung von der Nützlichkeit der Autonomie der Israeliten in ihren Schulangelegenheiten überzeugt ist. Und in der That ist es ein längst erkannter schöner Familienzug der Israeliten, daß sie ihre Kinder mit der größten Sorgfalt erziehen und überall Schulen mit großer Opferbereitwilligkeit erhalten. Während sie in ihren eigenen Glaubensangelegenheiten jedwedem Fanatismus fremd sind und sich strenge hüten, irgend einer anderen Religion nahe zu treten, sind sie auf dem Gebiete des Schulunterrichtes von den besten prccktischen Ideen beseelt, nach welchen sie diesen Unterricht für die wahren Lebenszwecke und den Erwerb ihrer Angehörigen mit lobenswerther Umsicht einrichten. So sehen wir selbst die ärmsten ihrer Mitglieder im Besitze jener Schulkenntnisse, welche ein unumgängliches Ersorderniß sind, um in der Gesellschaft unserer Tage fortzuschreiten und höhere Stufen zu erklimmen. Andererseits haben unsere israelitischen Mitbürger auch hinreichenden praktischen Sinn, um in ihren Schulen keine destructive sociale oder politische Richtung zu gestatten. Sie werden, wie wir annehmen, unter allen Umständen ihre patriotischen Gefühle mit den Pflichten der Ehrfurcht vor der Regierung und ihren Organen zu vereinbaren wissen. Nur da, wo Ruhe und Ordnung herrscht und wo die erhallenden Kräfte gegenüber den Umsturzgelüsten das Uebergewicht behaupten, kann Handel und Wandel gedeihen und für die Erhaltung dieses Lebenselementes der Israeliten mitzuwirken, dafür wird das prallische Lebensintereffe derselben hoffentlich einstehen. Dieses Jntereffe zeigt ihnen auch den Weg, den sie zu wandeln haben. Ihr Leitstern möge die vernünftige Ueberlegung sein, welche den gegebenen Verhältnissen Rechnung trägt und idealistische Tendenzen von sich weist, denen nur ein allgemeiner Umsturz Vorschub leisten könnte. Sagen wir es nur offen, die Israeliten Ungarns, dieser industrielle Volksstamm, ein hochwichtiger Factor unseres Handels, haben eine vermittelnde Mission mtt zu erfüllen. Sie haben in ihrem bescheidenen und doch bedeutenden Wirkungskreise für die Erhallung und Kräftigung jenes Bandes zu wirken, welches unser Vaterland mit Oesterreich verbindet, welches im Sturme der Zeiten sicher manches Weh, aber auch Segen und Wohlfahrt dem Lande gebracht und stärker ist als momentane Leidenschaften und Jrrthümer, die das Land und die Regie-