Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1863)
- Date
- 1863-06-16
- Page
- Seite 379 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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37S zweckgemäß, weil er echt Rießerisch ist und mitten in das Leben eingreift. Rießer war der Vorkämpfer derer, welche um ihrer Abstammung und Ueberzeugung willen dem freien Gange in ihrem Lebensberufe entsagen; viele Jahrzehnte hindurch war ihm die Anwendung seiner Talente und seines Wissens im praktischen Leben versperrt, und er mußte sich auf seine literarische Thatigkeit beschränken. Nur ein günstiges Geschick hatte ihn bewahrt, dabei darben zu muffen, hat ihm spater eine politische Laufbahn eröffnet, und in seinem Alter ihn in das Amt berufen. So hatte er den bitteren Kelch zu kosten, welchen andere Glaubensgenossen noch heute bis zum Grunde zu leeren haben. Wie würde er daher mit voller Seele dem von uns ausgesprochenen Gedanken zustimmen, ihn unter seinen Schutz und Einfluß nehmen und seinen Namen freudig der Ausführung desselben leihen! Aber glaubt man, daß die Wirksamkeit einer solchen Stiftung eine wenig umfängliche sein würde? Wir wollen hier nicht die ziemliche Anzahl von Männern aufführen, welche theils ihren Namen in Literatur und Kunst mit Hellem Glanze umgeben, theils in ihren Fächern sich zur höchsten Befähigung herangebildet haben, aber grundsätzlich vom Amte fern gehalten, der Unterstützung und Förderung würdig und bedürftig sind. Diese Alle haben einen vollen Anspruch an uns, und nicht Wenigen unter ihnen würde die Stiftung ein Rettungsanker in der Noth sein. Aber er ist auch dehnbar. Denn schon mit wenigen Mitteln würde er einiges Gute erreichen können, mit dem Anwachs der Mittel seine Wirksamkeit vergrößern, und endlich auch auf Stufen ausdehnen können, die wir hier noch nicht angeführt, um nicht vom Beginne an zu weit zu gehen, oder die an die gedachten nicht geradezu heranreichen. — Wir stellen diesen Zweck der Rießer-Stiftung zur Discussion und werden Aeußerungen, die an Inhalt und Form genügen, gern entgegennehmen. Wir machen hier nur schon darauf aufmerksam, daß bei dem gezeichneten Zwecke auch nicht im Entferntesten an irgend eine regierungsfeindliche und oppositionelle Richtung zu denken ist. Wir treten durchaus nicht irgend einer Staatsregierung damit entgegen, sondern wollen nur die Schaden heilen, die für einige unserer würdigsten Glaubensgenossen aus den noch obschwebenden Ansichten und Verhältnissen hervorgehen. Wird es sich aber zeigen, daß unserm Gedanken, wie wir glauben, die allgemeine Zustimmung wird, so werden wir keine Anstrengung scheuen und alle Kraft daran setzen, ihn zur Verwirklichung zu bringen. Wir hoffen mit Bestimmtheit, daß sich unsere Glaubensgenoffen ohne irgend eine Parteiung und Rücksichtnahme um diese Standarte edler und erfolgreicher Thaten schaaren werden! Gabriel Meßer. Wir erhalten folgende Zuschriften: Ihre Aufforderung zur Betheiligung an Gabriel Rieß er's Denkmal verdient den wärmsten Dank aller Gutgesinnten und Besserdenkenden. Wir sind überzeugt, daß dieses ebenso wohlwollende als zeitgemäße Unternehmen gewiß vom günstigsten Erfolge gekrönt sein wird. Wir überreichen Ihnen hiermit Thlr. 74. Pr. Crt. laut Verzeichniß, die wir in unserem Vereine für diesen Zweck gesammelt haben. Leipzig, den 28. Mai 1863. Mit besonderer Hochachtung zeichnet Der Verein zur Förderung geistiger Interessen im Judenthume. I. Max Frankel, Herm. Bodek, Vorsitzender. Stellvertreter. I. S. Löwe ngard, Schriftführer. Offenbach, den 1. Juni. Eine erhebende, tiefergreifende Feier vereinigte gestern Nachmittag viele Mitglieder und eingeführte Gaste der dahier bestehenden zahlreichen Gesellschaft „Eintracht" in ihren Räumen, um einem wehmüthig empfundenen Herzensbedürfnisse zn genügen. Es war die Trauerfeier zur Erinnerung an den verewigten Dr. Gabriel Rießer. Die einfache Decoration des Gesellschafts-SaaleS entsprach der ernsten Feier und die geeignete Seelenstimmung der Versammlung wurde durch einen getragenen Gesang erweckt, welchen der in dieser Gesellschaft unter der Leitung des Herrn L. Rapp bestehende Sängerverein vortrug. Der Director dieser Gesellschaft, Herr Leop. Löwengard, erklärte in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung der Feier als einen den Manen Rießer's schuldigen Dank, sowohl für seine Leistungen zu Gunsten des bürgerlichen Lebens im Allgemeinen, als auch insbesondere für die 25*