Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1863)
- Date
- 1863-06-16
- Page
- Seite 378 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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378 Inhalt. Leitende Artikel:- Der rechte Gedanke für die Rießer-Stistung. — Gabriel Rießer. — Fortsetzung der Spenden-Liste zur Rießer-Stistung. — Aufruf zum Ankauf des Geburtshauses Moses Mendelssohn's zu Deffau. — Israelitische Bibelanstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Mittelsranken. Preußen: Breslau, Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Gr.-Becskerek. Frankreich: Paris. Italien: Ferrara. Rußland: Libau, Brüssel. RhoduS: RhoduS. Leitende Artikel. Bonn, 5. Juni. Der rechte Gedanke für die Nießer-Stiftimg. Es ist bereits mehr als ein Monat über das Grab hinweggegangen, welches die irdischen Reste unseres Rießer's umschließt. Die von uns alsbald ausgegangene Aufforderung, das Andenken des Verstorbenen durch eine bleibende Stiftung zu ehren, hat allgemeinen Anklavg und bereits einige Bethätigung gefunden. Diese Aufforderung stellte als erstes Bedürfniß und als erste Aufgabe die monumentale Herausgabe sämmtlicher Schriften und Reden Rießer's hin, dann in zweiter Linie eine, dem Geiste und Wirken Rießer's entsprechende Stiftung. Der Gedanke der letzter» sollte von einem zu bildenden Comitö ausgehen. Wie wir hören, ist auch in Frankfurt am Main ein solches Comitä in der Bildung begriffen. Da dasselbe aber bis heute noch nichts hat von sich hören lassen, so zögern wir nicht langer, den Gedanken auszusprechen, den wir für den, des Gegenstandes und des Zweckes würdigsten halten, und bemerken gern, daß bereits Männer, wie Joseph Lehmann, Red. d. Mag. f. Lit. des Auslandes, für sich und Berthold Auerbach ihn uns brieflich ausgesprochen und ihre wärmste Theilnahme dafür erklärt haben. Es müßte als Rießer-Stistung ein Fonds gebildet werden znr Unterstützung nnd Entschädigung solcher Israeliten, welche zu Universitäts- Md Gymnasiallehrern Md zu Gerichtsaffefforen sich befähigt gemacht Md als hierzu befähigt sich erwiesen haben, aber ihres Glaubens wegen in Preußen, Deutschland u. s. w. eine Anstellung nicht erhalten. Dieser Gedanke, dieser Zweck, diese Bestimmung ist einfach, edel, zweckentsprechend und dehnbar. Er ist einfach; denn wer sollte ihn nicht fasten und begreifen können, wer ihn nicht billigen, ihm zustimmen müssen? Er hat das Verdienst, greifbar zu sein, concret, dabei nicht in's Unübersehbare hinauszuschweifen, und nicht Mittel zu erfordern, die beim besten Willen nicht herbeigeschafft werden könnten. Er ist edel, ja eine wahrhafte Pflicht. Die Männer des Geistes und der Wissenschaft haben den Bekennern des Judenthums, haben allen Klassen derselben die bürgerliche Gleichstellung, die steie Existenz und Bewegung auf dem industriellen, politischen und socialen Gebiete errungen — nur sie selbst sind noch ausgeschlossen. Der jüdische Bauer, Handwerker, Handelsmann, Kaufmann, Fabrikant, der jüdische Bürger als solcher in Stadt und Staat findet keine Schranken mehr — sie sind ihm niedergerissen — keine Hindernisse mehr — sie sind für ihn beseitigt worden — um seines Glaubens willen. Nur der Jude, der sich der Wissenschaft und Kunst gewidmet — mit Ausnahme des Arztes — der Jude, der dem Staatsdienste, der Rechtswissenschaft, der gelehrten Bildung, dem höher« Lehrfache sein Leben geweiht, nur für diesen besteht noch die mittelalterliche Schranke und Ausschließung, nur diesem sind die wirkungsreichsten Lebensbahnen verschlossen, er verkümmert auf seinem Wege, er fällt der Noch und dem Mangel anheim! . . . Und wie? ist nicht für ihn die Lockung, seinen Glauben für den irdischen Vortheil hinzugeben und seine Ueberzeugung um der irdischen Wohlfahrt willen zu verläugnen, am stärksten und nächsten? Einen Schritt — und jedes Hinderniß fällt, und seinen Talenten, seinem Wissen und Können öffnet sich die freie Bahn; Wirksamkeit, Ehren und Gewinn warten seiner. Wie? sind dies nicht die wahren Märtyrer des Glaubens unserer Zeit, die Opfer der Wahrhaftigkeit, der Gesinnungsstärke, der Ueberzeugungstreue, würdig den Glaubensduldern ftüherer Jahrhunderte an die Seite gestellt zu werden? .... Dem Industriellen tritt sein Glauben nicht hindernd in den Weg, für ihn besteht keine Prüfung und Versuchung der Art — aber für den Mann der Wissenschaft allwege. Wie? sollte es da nicht Pflicht aller Juden sein, solche Männer vor materiellem Schaden, vor Noth und unwürdiger Lage zu schützen und für die Unbill, die sie zu erleiden, in Etwas zu entschädigen? Wird nicht dadurch auch ihre geistige Strebsamkeit und Frische erhalten, daß wir selbst dessen Früchte genießen? Er ist