Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1863)
- Date
- 1863-06-09
- Page
- Seite 372 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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312 Die Bevölkerung der verschiedenen Confessionen hat mit Befriedigung diesen öffentlichen Beweis der Gefühle der Brüderlichkeit, welche zu Edenkoben die Geistlichen der drei Culte beseelen, wahrgenommen. Smyrna, im Mai. (Arcli. isr.) Der Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde hat dem Gouverneur der Stadt, Achmet-Pascha, ein Gesuch eingereicht, in welchem er erklärt, jede Verfolgung und Anklage gegen die bei den Vorgängen im März Verhafteten fallen lassen zu wollen. Möge dieser Act der Versöhnlichkeit und Großmuth auf die Griechen einen vortheilhaften Eindruck machen! Batavia. (Arcll. isr.) In dieser Hauptstadt der Holländischen Colonien in Indien hat die letzten Feiertage ein israelitischer Gottesdienst stattgefunden. Ein ausgezeichneter Jurist, Herr van Rynkel, gab sein Haus dazu her, und hielt auch eine deutsche Ansprache an die Versammelten. Die Mehrzahl der letzteren bestand aus Holländischen Soldaten. Berlin, 1. Juni. (Privatmitth.) Bekanntlich kann jetzt hier und in Wien kein Lustspiel, keine Posse über die Bretter gehen, worin nicht Juden eine Hauptrolle spielen. Es ist dies im Ganzen harmlos, und kommen die Juden dabei sogar größtentheils gut weg; auch kann man voraussetzen, daß die Zeit nicht fern sein wird, wo man dieses Sujet's überdrüssig und es als abgenutzt bei Seite gelegt wird. Jetzt geht man aber einen Schritt weiter und bringt auch biblische Gegenstände in Lustspielen und Possen auf die Bühne. So studirt man aus dem hiesigen Friedrich-Wilhelmsslädter Theater ein vieractiges Lustspiel „Lea für Rahel" ein. Der Verfasser ist noch ungenannt. Aber noch stärker ist es, wenn, wie wir hören, im Treumann- Theater zu Wien eine neue Posse von Lindner: „Die fünf Bücher Mosis" vorbereitet. Das ist eine Frivolität, die über die Grenze des Erlaubten geht. Correspondenz. Zur Berliner Orgelfragc. (Schluß.) Seien wir streng in unseren Anforderungen, denn in der richtigen Wahl der Cultusbeamten (Cantoren, Organisten, Chorleitern), welche den Gottesdienst führen, liegt ein großer Theil des Heiles der Gemeinde. Wer gedankenlos die gottesdienstlichen Handlungen verrichtet, — wer seine Amtsübung nur als Mittel zu glanzenden, jeder Innerlichkeit entbehrenden, Schaustellungen betrachtet, — wer sein Amt gar als eine Last ansteht und seine Pflichten nur geschäftsmäßig mit Unlust und unwürdiger Hast erfüllt: der ist gewiß nicht geeignet, das Herz der Hörer in geweihte Stimmung zu versetzen und es für den Samen des göttlichen Wortes empfänglich zu machen. Bei solcher Amtsführung bleibt es sich natürlich ganz gleich, ob Jude oder Nicht-Jude, Beide säen Spreu, die nimmer zur lebendigen Frucht aufgeht.- Was war es denn, was einen Bach zum größten Orgelspieler aller Zeiten machte? Es war nicht allein seine vorzugsweis musikalische Begabung, es war sein tiefes Gemüth, es war seine Kindlichkeit und Bescheidenheit, es war seine echte, rechte Frömmigkeit, die mit ihren goldenen Wurzeln in die tiefsten Tiefen seines Herzens drang und es erfüllte und daraus emporwachsen ließ jene Hoheit, Gewalt, Frische und Innigkeit, die man seinem Spiele nachrühmt. Zu Gottes Ehre dachte und spielte er seine gewaltigen Töne, daher das Reine, froh Innige und zugleich das andächtig Feierliche. — Soll daher der Gottesdienst durch den Organisten eine wirkliche Weihe erhalten, so ist ein Haupterforderniß dazu, daß der, welcher zu diesem heiligen Amte ausersehen ist, durchdrungen sei von der Wichtigkeit und Erhabenheit deffelben. Er sei innig von Gemüth, fromm von Gesinnung, durchdrungen von den Lehren unserer heiligen Religion und zu alledem wohl bewandert in allen Zweigen seiner Kunst. — Wenden wir uns nun zur Beantwortung der Frage, was soll gespielt werden? Was in größeren Synagogen hauptsächlich zur Einführung der Orgel beigetragen, ist die Unzulänglichkeit des Chores, den Raum eines größeren Gotteshauses (die neue Berliner Synagoge hat über 3000 Sitzplätze) auszufüllen. Es wird der Chor also etwas in den Hintergrund treten müssen, während man auf die Cultivirung des Gemeindegesanges mehr als bisher sein Augenmerk zu richten haben wird. Aber da stoßen wir auf eine große Schwierigkeit, und die besteht in dem Mangel an würdigen Gesängen. Ein Lied, dem die Ehre erwiesen wird, von einer ganzen Gemeinde gesungen zu werden, muß streng und würdig gehalten und nicht verunziert sein durch jene trivialen Phrasen, von denen ein