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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-06-09 · Heft 24 (9.6.1863) · p. Seite 370

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 24 (9.6.1863)
Date
1863-06-09
Page
Seite 370 (sequence 10)
Language
German
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370 Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, 17. Mai. (Wand.) Bekanntlich wurde der aus freier Wahl der Gemeinde hervorgegangene Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, an dessen Spitze der bekannte Arzt Dr. Hirschler stand, und der sich durch sein liberales und reformatorisches Vorgehen allgemeine Achtung und Beliebtheit erwarb, von der k. Statthallerei als ungültig erklärt und der frühere vor dem Jahre 1860 bestandene Vorstand wieder ius Amt eingesetzt. Letzterer machte nun vorgestern unter Anführung seines Präses, des Herrn S. W. Schoßberger v. Tornya, bei dem Herrn Statthalter Grasen Pslffy seine officielle Aufwartung, bei welcher Gelegenheit der Herr Statthalter den Vorstand seines Schutzes in allen Cultus-Angelegenheiten versicherte. Heute soll die Ergänzungswahl der Gemeindevertretung stattfinden. Herr S. W. Schoßberger (Israelit) in Pesth wurde bekanntlich vor Kurzem in den Adelsstand erhoben. Ueber den Text des ihm übermittelten Adelsdiploms schreibt man dem „P. Ll." In dem Documente reiht Se. Majestät „kraft Seiner königlichen Machtvollkommenheit und nach dem Beispiele Seiner königlichen Vorfahren Herrn Schoßberger sowohl, als seine jetzt lebenden (namentlich angeführten) Kinder, sowie auch die gesetzlichen Nachkommen, welche ihm in Zukunft noch durch Gottes Segen beschert werden sollten, in die Reihe des wirklichen, allen, wahren und unzweifelhaften Adels von Ungarn und seinen Nebenländern ein, und ertheilt ihm all' jene Rechte, Vorzüge, Vorrechte, Freiheit und Freiheiten, welche dieser Adel, sei es auf Grund der Rechte oder der alten Gewohnhetten besitzt und genießt, in der Schlacht, im Strauße und im Kampfe, in den Kriegsspielen, in den Duellen und in sonst was immer für ritterlichen und edlen Waffenübungen, so wie er ferner berechtigt ist, auf Ringen, Siegeln, Schilden, Fahnen, Segeln, Vorhängen, Teppichen, Zelten, sowie am Haus und am Friedhose, sein volles, wirkliches, alles, wahres und unzweifelhaftes adeliges Wappen zu gebrauchen." Rußland. Odessa, im Mai. (Privatmitth.) Die hiesige „Sabbathschule für israelittsche Handwerks- und Handlungskehrlinge", die bekanntlich vom Kaiser die Erlaubniß zum Fortbestände erhalten, während alle christlichen Sonntagsschulen im Reiche wegen der in ihnen stattgefundenen Umtriebe geschlossen wurden, hat ihren 4. Jahresbericht veröffentlicht, worin sie allerdings zu einem noch zahlreicheren Besuche auffordert. Der zweckmäßig angeordnete Unterricht wird unentgeldlich nicht allein von den Schülern empfangen, sondern auch von den Lehrern ertheilt. Die Schülerzahl beträgt gegenwärtig 96, von denen 30 Handlungslehrlinge, die übrigen Gesellen und Lehrlinge von Handwerken sind. Seit ihrem Bestehen zahlte die Anstalt 499 Zöglinge. Dem Hrn. Dr. Goldenblum gebührt die Anerkennung, die Schule mit gleichem Eifer gegründet zu haben, wie sie fortzuführen. Holland. Alls dem Haag, im Mai. (Privatmitth.) Seit einem Jahre fungirt hier Herr Dessau als Ober- Cantor der hiesigen Gemeinde und trägt durch seine ausgezeichneten Leistungen besonders dazu bei, den Werth eines geordneten, verbesserten und herzansprechenden Gottesdienstes immer fühlbarer zu machen. 9t a <l> t v a <$♦ Wien, im Mai. (Privatmitth.) Wenn die israelitische Gemeinde in Wien in den letzten fünfzehn Jahren an Seelenzahl so außerordentlich gewachsen, so darf man doch nicht verkennen, daß sie sich nicht blos auf die materielle Vergrößerung der Seelenzahl beschränkte, sondern in zwei Richtungen hin Vorzügliches geleistet. Die eine betrifft die Wohlthätigkeitsanstalten und trotz ihrer Jugend kann die Wiener Gemeinde sich hierin kühn mit ihren ältesten Schwestern messen. Die zweite ist die gottesdienstliche und besitzt Wien cultuelle Anstalten genug, um nicht zu hoch gespannten Ansprüchen vollständig zu genügen. Um so mehr setzt es in Verwunderung, wenn die dritte, wahrlich nicht minder wichttge Institution jeder Gemeinde, das Schulwesen gänzlich vernachlässigt ist. Wenn man von dem Religionsunterrichte absieht, über dessen Beschaffenheit wir heute nicht zu sprechen gedenken, und kommt aus Städten wie

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