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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-06-09 · Heft 24 (9.6.1863) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 24 (9.6.1863)
Date
1863-06-09
Page
Seite 369 (sequence 9)
Language
German
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369 und Ausdauer genug besaßen, um ihre jährlichen Conferenzen aufrecht zu erhalten und durch eine Reihe von Jahren vurchzuführen, so daß deren Bestand für lange Zeiten gesichert erscheint. Es ist allerdings betrübend, daß die auch in anderen Provinzen gemachten dessallsigen Versuche immer bald wieder ausgegeben wurden. Sollten die Lehrer, welche sich ihrer prekären Sellung, ihrer zum größten Theil traurigen Verhältnisse und der Nothwendigkeit, durch gemeinsames Streben dieselben zu verbessern, ihrem Stande Achtung zu erwerben und sich in ihrem Berufe zu fördern und zu stärken, so wenig bewußt sein? Nur das kurzsichtige Auge halbgebildeter oder sich selbst überschätzender Lehrer kann den vielseitigen Nutzen solcher Conferenzen verkennen, der sich freilich an der Elle materieller Vortheile oder an dem Gewichte klingender Münzen nicht bemessen läßt. Ehre daher den westphälischen und rheinischen Lehrern, welche Sinn genug für diese Versammlungen und die daraus erstießenden sittlichen, intellectuellen und auch äußerlichen Vortheile besitzen, um ein geringes Geldcpser nicht zu scheuen, welches die Reise erfordert. Es waren diesmal über 30 Elementarlehrer cingetrofsen, welche wieder unter dem Vorsitze des Hrn. Blumen au aus Bielefeld 1'^r Tage in dem ihnen von der Gesellschaft „Harmonia" bereitwillig gewährten Saale tagten. Auch die Herren Rabb. vr. Schwarz von hier und Philipp so n von Bonn wohnten der Conferenz bei. In sehr gründlicher Weise wurden die Verhandlungen über die Behandlung der nachbiblischen Geschichte der Juden in den Schulen, über die Stellen des Pentateuchs, welche aus sittlichen Gründen beim Unterricht im Uebersetzen zu überschlagen seien — der Referent Lehrer Rüben aus Gütersloh hatte eine vollständige Aufzählung der betreffenden Stellen sammt Motivirung ausgearbeitet — über die rechte Beschaffenheit eines Lesebuchs für jüdische Schulen — worüber Lehrer Spier aus Ruhrort einen gründlichen historischwissenschaftlichen Vortrag hielt — gepflogen. Ausführliche Erörterungen fanden auch über die Erfahrungen Statt, welche die anwesenden Lehrer über die Schul- Jnspection Seitens christlicher Geistlichen gemacht und die keineswegs einer humanen und unparteiischen Behandlung widersprachen. Die Conferenz gelangte dahin, chre Ansichten über Schul -Jnspection überhaupt in formulirten Grundzügen auszusprechen, doch wollen wir dem ausführlichen Berichte nicht vorgreisen. Die Anlegenheiten der Lehrer-Unterstützunzskasse und einige Abänderungsvorschläge ihrer Statuten beschäftigten nicht minder die Conferenz, die übrigens mit vollständig parlamentarischem Tacte geleitet wurde und von der Bildung und Befähigung der anwesenden Lehrer einen sehr günstigen Begriff gab. Die nächste Conferenz soll in Bielefeld stattfinden, und hat die dortige Gemeinde den Theilnehmern bereits jetzt gastfreundlich freies Logis und Beköstigung angeboten. Breslau, 26. Mai. (Privatmitth.) Am ersten Tage des Wochenfestes nahm Herr Dr. Geiger in der Predigt Abschied von seiner Gemeinde, indem er sie zugleich ermahnte, aus dem Wege des Fortschrittes auch nach seinem Abgänge zu verbleiben. Wer an seine Stelle eintreten werde, ist noch völlig ungewiß. Warmbrunn, im Mai. i Privatmitth.) Mit dem Beginne der schönen Jahreszeit fangen auch die Kranken um unsere Heilquellen sich zu sammeln an, und es beginnt damit die Sorge der „Jüdischen Badearmenkasse" zur Deckung ihres Kostenaufwandes, die diesmal um so ernster ist, als sich im vorigen Jahre statt der früheren Ueberschüfse ein verhältnißmäßig nicht unbedeutendes Deficit ergab. Der 18. Rechenschaftsbericht zeigt nämlich, daß die Einnahmen von 54 jüv. Gemeinden und Krankenvereinen 164 Thlr., die Sammlung von jüd. Badegästen 197 Thlr. betrugen, und die ganze Einnahme durch anderweitige Geschenke und Zinsen 385 Thlr. betrug. Durch die größere Zahl von armen Badegästen als stüher, welche nämlich die Höhe von 50 erreichte, beliefen sich die Ausgaben auf circa 450 Thlr., so daß ein Deficit von circa 65 Thlrn. entstand. Dieses mußte aus den angesammeltcn Fonds für den Bau eines Hospitals gedeckt werden. Dieser Fonds besteht jetzt aus circa 1000 Thlrn., und wurden ihm die jährlichen Ueberschüfse zugeführt. Da nun dieser Bau, wenn er erst in Angriff genommen ist, auf 15,000 Thlr. veranschlagt ist, so trüben sich natürlich die Aussichten für dieses wohlthätige Unternehmen. Man kann sich daher der Bitte nicht erwehren, daß die Unterstützungen der jüdischen Badearmenkasse allhier reichlicher zufließen mögen und glaubt sich hierzu um so berechtigter, als es sich dabei um das Heil armer Kranken aus den verschiedensten Gegenden des Vaterlandes und der 'Nachbarländer handelt. Hoffen wir daher, daß ein solches Deficit nicht wieder eintreten und die Mittel der Kasse immerfort wachsen werden! 24

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