Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1863)
- Date
- 1863-06-09
- Page
- Seite 368 (sequence 8)
- Language
- German
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368 tischen Juden, und eine andere chaldäische für die babylonischen anfertigen mußte. Uebrigens hatte man schon viel früher die Gewohnheit angenommen, die beim Gottesdienste verlesenen Capitel des Pentateuchs in der Volkssprache zu erklären. Wenn die ersten Bücher der Bibel den Charakter des reinsten Hebräisch an sich tragen, so verhält es sich mit den letzten ganz anders; man findet in diesen Ausdrücke, Verse, endlich vollständige Capitel, die fremden Idiomen angehören. Die vortalmudischen Bücher, wie die Mechiltha, das Siphre, das Siphra und die Mischna enthalten eine große Anzahl griechischer Wörter; die Gemara, die wenigstens zur Hälfte chaldäifch abgefaßt ist, und die Midraschim haben außerdem noch viele lateinische Wörter ausgenommen. Gewiß, wenn die Weisen und Rabbinen es gewollt hätten, würden sie im Hebräischen leicht die diesen fremden Wörtern entsprechenden Ausdrücke haben finden oder bilden können. Die Sprachforscher nach dem Abschlüsse des Talmud, sowie die Dichter seit Jbn-Gabirol und Jehuda Jbn-Tibbon (in seinen Uebersetzungen von arabisch verfaßten philosophischen Werken) haben denselben Weg eingeschlagea. Aber da diese Weisen sich weniger mit der Form als mit der Erhaltung des Dogma's beschäftigten, so werden auch die zahlreichen Erklärungen biblischer Worte, selbst im Talmud, nur vom dogmatischen Standpunkte aus gegeben." — Der Vers, datirt daher die Geschichte der hebräischen Lexicographie vom Talmud selbst an, und giebt hierauf bezügliche Bemerkungen, spricht über die beiden Bibelrevisionen von Ben-Ascher und Ben-Naphthali, über die ersten Studien regelmäßiger Grammatik bei den Karaiten und giebt dann eine ausführliche Analyse des von ihm in Jerusalem entdeckten Manuscripts des Lexicons von R. David ben Abraham aus Fez (S. 25—155). Hier theilt er die Einleitung über jeden Buchstaben des Alphabets, die Regeln über die Anwendung der Buchstaben als Wurzel- und Servilbuchstaben enthaltend mit, und charakterisirt das grammatikalische System des Vers. Ebenso giebt er Beispiele seiner lexicographischen Behandlung, die freilich eher einem Bibel-Commevtar gleicht. Hierauf geht der Vers, auf die Lexikographen des 10. Jahrhunderts über, dann auf diejenigen, welche ihre Werke hebräisch schrieben und kommt zur Schule des Hayoudj von Fez und zu Jbn-Djauah, von dessen Lexicon er die Vorrede analysirt und Beispiele giebt. Bon hier aus gelangt er auf bekannterem Gebiete an. Ueberall fügt der Vers, ausführliche Bemerkungen hinzu, so daß seine Schrift nicht blos allgemeinen historischen Werth, ondern auch ganz materiellen für Lexicographie und Grammatik besitzt. Wir können dem Verfasser für diese schätzbare Arbeit nur unsere volle Anerkennung anssprecheu. Zerstreute Bemerkungen. Ähre gutachtliche Ansicht, schreibt uns Herr Gordon in Schaulen, welche dahin ausläuft, daß es den Juden in unserer Zeit, wo der Götzendienst in unseren Landen nicht mehr existirt, dem Sinne des Judenthumes nach freistehe, sich mit der Production plastischer Gebilde zu beschäftigen, findet Unterstützung in einer alten, maßgebenden Autorität. Es ist der bekannte Tedaja Bedarschi, der in seiner Apologie der proven^alischea Juden an Ben- Adereth die Meinung aufstellt, daß das Studium der nicht minder als die bildenden Künste bei den Juden verpönt gewesenen Astrologie bei denselben nunmehr erlaubt und gebräuchlich sei, aus dem Grunde, weil die Sternanbeterei nicht mehr existire und die Wissenschaft daher einen bloß abstrakten Charakter habe, welche consequente Ansicht Seitens des rigorosen Rabbinen keinen Einspruch fand (S. Responsien des R. Scholomo-ben- Adereth S. 46 c. 7). In seinem Werke „das deutsche Gaunerthum" Th. II. S. 84 macht Ave - Lallemant folgende Bemerkung: „Es ist eine herbe Wahrheit, daß sich besonders christliche Zeugen immer bereit finden lassen, für Geld das Maremocum (d. i. Alibi des Verbrechers) zu beschwören, ja das manche ein stehendes Gewerbe davon machen, während die Zahl der Juden dagegen immer nur sehr gering ist. Ueberraschend ist die statistische Notiz bei Thiele aus der Löwenthal'schen Untersuchung, daß in dieser achtuudzwanzig solcher falschen Zeugen implicirt waren, unter denen sich nur ein einziger Jude befand." Zeitungsnachrichten. Preußen. Cöln, 29. Mai. (Privatmitch.) Die Provinzen Rheinland und Westphalea sind bis jetzt in Preußen die einzigen, in welchen die jüdischen Lehrer Consequenz