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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-06-09 · Heft 24 (9.6.1863) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 24 (9.6.1863)
Date
1863-06-09
Page
Seite 367 (sequence 7)
Language
German
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367 Güter im Leben giebt, als die wir im Gewühl der Märkte suchen. Immer mehr greift die Allgewalt der materiellen Jntereffen um sich und der Cultus des Edlen und Schönen droht unterzugehen unter der Berührung des religiösen und nationalen Jndifferentismus. So möge denn das erlaubte Beispiel des edlen Montefiore zur Umkehr mahnen und dem jüngern Geschlecht die Selbstverläuznung und den Opfermuth als würdige Ziele des Strebens vor Augen halten! — Literarisch er Wochenbericht. Bonn, den 31. Mai. Notice sur la lexicographie hebrai'que, avec des remarques sur quelques grammaires posldrieurs ä Ibn-Djanah; par SI. Neubauer. Paris 1863. Diese gründliche und mit Sachkenntniß durchgeführte Abhandlung wirft ein Helles Licht auf die Geschichte der hebräischen Lexicographie und Grammatik der älteren Periode. Sie beginnt mit einer allgemeinen Betrachtung, die uns um so mehr auffiel, als wir erst vor Kurzem (in No. 16 d. Bl.) eine ähnliche gemacht, mit dem gleichen Resultat, wenn auch in anderer Weise erwiesen. Wir sagten nämlich, daß kein Volk des Alterthums ein solches Sprachgenie dargethan, wie das israelitische, das überall sich schnell die Sprache des Landes angeeignet und fremden Sprachen in die hebräische auf's Leichteste Eingang und umgestaltenden Einfluß gestattete. Wir geben hier diese Bemerkungen in deutscher Uebersetzung wieder. „Wenn man aufmerksam die Geschichte und Entwickelung der hebräischen Sprache, wie sie sich in der heiligen Schrift erhalten hat, verfolgt, so giebt es eine Thatsache, die keinem aufmerksamen Beobachter entgehen wird: nämlich, daß von den vierundzwanzig Büchern, aus denen die Bibel besteht, kein einziges völlig dem andern gleicht, weder im Ausdruck noch selbst bisweilen in der Grammatik. Ja noch mehr, die Capitel eines und desselben Buches sind unter einander verschieden. Die, oft tiefgehenden, Veränderungen in der Form einer Sprache haben unzweifelhaft ihre Ursache, und was die hebräische Sprache betrifft, so müssen wir sie ohne Zögern in der Leichtigkeit suchen, mit welcher die Hebräer jederzeit die Ausdrücke der von den ihnen benachbarten Völkern gesprochenen Sprachen angenommen haben. Diese Thatsache hat au und für sich nichts Erstaunliches, besonders wenn man sorgfältig die Lage des hebr. Volkes in den verschiedenen Epochen der Abfaffung der vierundzwanzig biblischen Bücher sorgfältig in's Auge faßt. Bei einer Nation, welche unaufhörlich von ganz heidnischen Völkern umgeben ist, mußten die geistigen Bestrebungen vorzüglich darauf gerichtet sein, die große Idee der Einheit und Geistigkeit Gottes zu verbreiten; dies war die Hauptsache; die Form, die Ausdrücke, unter welchen sich diese Idee verbreitete, konnten weniger wichtig sein; sie blieb doch hellstrahlend, wenn man auch, um sie auszudrücken, bisweilen fremde Ausdrücke für eigene Worte wählte. Als die Hebräer das heilige Land betreten hatten, konnten die beständigen Eroberungskriege und die Sorgen der ersten Niederlassung nicht leicht Muße zu literarischen Beschäftigungen und zur Bewahrung der Sprachreinheit übrig lassen. Nur als die Hebräer durch die Natur von den anderen Völkern getrennt waren, wie in der Wüste, oder als sie ihre Nachbarn beherrschten, wie unter David, fanden sie die Reinheit ihrer Sprache wieder, der Sprache des Pentateuchs und der Psalmen; aber je mehr der Einfluß des Auslandes sich einnistet und stärkt, erscheint in der Nationalsprache eine Menge von Wörtern anderer Sprachen, welche durch die Natur der Beziehungen mit dem herrschenden Volke auf gewaltsame Weise eingeführt waren. Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache bei einem durch seine Sitten und seinen Cultus so scharf von seinen Nachbarn getrennten Volke, mit welcher Leichtigkeit die Juden fremde Ausdrücke für ihre Sprache angenommen und wie wenige Anstrengungen sie gemacht haben, dieselbe als lebende Sprache zu erhalten. Konnten die 70 Jahre der babylonischen Gefangenschaft ausreichen, um die Juden das Hebräische vergessen zu lassen? Gewiß, es ist erlaubt, daran zu zweifeln*), und der Ursprung der weitgreifenden Veränderung, welche die Sprache damals erlitt, muß viel früher gesucht werden. Diese Nachlässigkeit, in Betreff der heiligen Sprache, vermehrte sich noch nach der Erbauung des zweiten Tempels, so daß man eine griechische Uebersetzung der heiligen Schrift, die berühmte Septuaginta für die egyp- *) Wir möchten glauben, daß die Reden des zweiten Jesaias an das Volk gegen Ende der babyl. Gefangenschaft und der Propheten Haggai, Secharja und Maleachi nach der Rückkehr erweisen, daß das Volk die hebräische Sprache in Babylon nicht vergessen. Die Redaction,

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