Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1863)
- Date
- 1863-06-02
- Page
- Seite 352 (sequence 8)
- Language
- German
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352 Im Jahre 1850 waren in Siebenbürgen 15,568 jüdische Seelen, und zwar im Hermanstädter District 1411 Seelen - Carlsburger - 2080 - - Klausenburger - 6629 - - Retteger - 4196 - - Udvarhelyer - 1034 - - Fogarascher - 298 - Es bestehen in Siebenbürgen 34 israelitische Haupt- und mehrere Nebengemeinden. Außer dem Landesrabbiner sind zwei Unterrabbiner in Alör und Tamad, in den übrigen Gemeinden sind blos Schächter und Vorsänger. Der Gehalt des Landesrabbiners (jährlich 200 fl. und 80 fl. Quartiergeld) wurde bis zum Jahre 1851 von der Carlsburger Gemeinde allein bestritten. Im genannten Jahre trug der damalige Civil- und Militär-Gouverneur darauf an, daß der Landesrabbiner aus dem Staatsschätze einen jährlichen Gehalt von 720 fl. beziehe, und daß derselbe nicht wie bis dahin blos von der Carlsburger Gemeinde, sondern von allen Gemeinden gewählt werde. Ferner schlug diese Behörde vor, daß die übliche Bestätigung des Landrabbiners von Seiten des römisch-katholischen Bischofs nach der Verfassung vom 4. März 1849 wegzufallen habe. Der Vorschlag, dem siebenbürgischen Landesrabbiner Portofreiheit und Dorspannsgebühren zu bewilligen, wurde von dem damaligen Ministerium des Innern (1. Dec. 1851) zurückgewiesen. Hingegen gewährte das Handels-Ministerium am 18. Nov. 1854 dem Landesrabbiner Portofreiheit. Dr. G. Wolf. Aus Ungarn, 15. Mai. (Privatmitth.) Das Meisel'fche Memorandum, welches durch die Allgemeine Zeitung des Judenthums im Magyarenlande, wenn auch nur im Auszuge bekannt wurde, hat bei uns im orthodoxen Lager eine Sympathie für Herrn Rabbiner Dr. Meisel hervorgerufen, die großartig ist. Insbesondere ist es die Besprechung unserer Schulverhältnisse in der Hauptstadt des Landes, sowie die Bitte um die Erweiterung der Pesther Talmud - Thoraschule in ein Rabbinerseminar, ohne daß hierdurch Nicht - Pesther Lehrerkräfte nöthig wären, welche bei unseren Frommen die freudigste Sensation erregte. In der That können unsere Hyperorthedoxen das Jnslebenrufen eines Rabbinerseminars, an welchen ein Fasset*), Zipser oder Löv als Directoren möglicherweise berufen werden könnten, nicht mit gleichgültigen Augen hinnehmen, während eine Anstalt nach Eisenstädter Schnitt für die neuorthodoxe Schule von keiner Gefahr ist. Nicht so günstig nimmt eine andere nicht minder intelligente Partei in unserem Vaterlande das in Ihrem Blatte uns mitgetheilte Memorandum auf, nachdem sie eben die Veröffentlichung des ganzen Memorandums erwartet hat und noch erwartet, da sie das Halbe nun einmal nicht liebt. Ein der neuorthodoxen Schule angehörender Dr. philos. hat vor Kurzem es für gut befunden, da sein Geschäft in Stocken gerathen ist — er ist, obwohl gewesener Rabbinats-Candidat, seit mehreren Jahren Handelsmann — sich um das Rabbinat einer bedeutenden Gemeinde Ungarns zu bewerben, wurde jedoch von dem ebenso energischen als geistreichen Vorsteher dieser Gemeinde mit dem Bedeuten abgewiesen, daß, sobald die Gemeinde einen Concurs zur Besetzung eines Weinhändlers auszuschreiben genöthigt sein sollte, sie mit ihm in Verbindung treten wolle. Nachdem unser Dr. plülos. mit seltner Energie, wenn auch ohne Erfolg sich die Verbreitung des Mainzer Blättchens angelegen sein läßt, so hat selbiger sich an die Häupter der neuorthodoxen Schule gewandt, um sich von ihnen protegiren zu lassen. Fünfkirchen hat, um seinen Oberrabbiner Dr. Hirschfeld, der einem Rufe nach Augsburg folgte, ein würdiges Denkmal zu setzen, die Creirung einer höheren Religionsschule (Talmud-Thoraschule), in welcher die Schüler der Volksschule einen erweiterten hebr. Unterricht, sowie die israel. Zöglinge der Real- und Gymnasialschule, sowie der Präparandie einen höheren Religionsunterricht zu genießen haben, beschlossen und ist bereits zur Besetzung eines Religionslehrers der Eoncurs ausgeschrieben. Das Baranger Comitat verliert in Dr. Hirschfeld einen begabten Kanzelredner und wird sein Abgang allgemein bedauert. Das Anwachsen der kleinen zu diesem Comitate gehörenden Gemeinden, die mittlerweile selbständige Rabbinen angestellt haben, ist die Ursache, wenn für die Folge Fünfiirchen von der *) Herr Rabbiner Dr. Fasset erhielt in Anbetracht seiner Verdienste um das israel. Volksschulwesen von Sr. k. k. apostolischen Majestät vor Kurzem das goldene Verdienstkreuz mit der Krone.