Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1863)
- Date
- 1863-06-02
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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351 dessen Geburtstage er gepflanzt wurde. So ist mir auch am Tage meiner Geburt ein Kirschbäumchen im väterlichen Garten gepflanzt worden, von dem ich spater fleißig Kirschen gegessen habe, und ich konnte es nie ohne sonderliche Bewegung ansehen, gleich als meinem Doppelgänger und sympathetisch mit mir zusammenhängend, und dankte wohl auch Gott, daß er das Bäumchen bis zum Kirschentragen hatte gedeihen lassen." Der Talmud Gittin 57 a erwähnt bereits diesen schönen Gebrauch, daß bei der Geburt eines Kindes die Eltern einen Baum pflanzten, und zwar bei Geburt eines Knaben eine Ceder und bei der eines Mädchens eine Fichte. Nach der Sage war dieser gewiß unschuldige Gebrauch für die Juden in der Periode des Bar-Ccchba so verhängnißvoll, daß dadurch die Zerstörung Betars hcrbeigeführt worden sei: 12T2 mn -2 •'rn: nm mn Nrrrnn vrra »mpr ntin rrrc Npir’ 11221 1712 1£"P '227'2 Die Juden wußten dem sinnigen Brauche überdies eine höhere Bedeutung zu geben, indem sie mit den am Geburtstage des Brautpaares gepflanzten Bäumen das Brautgemach schmückten, als sollten gleichsam die beiden bisher gesonderten Stämme zu einem mächtigen Stamme innig verwachsen. Ohne Zweifel wurde Liese Sitte von den Juden nach Deutschland gebracht, von denen sie also die Deutschen überkommen haben, obschon die Juden dieselbe fallen lassen mußten, weil ihnen in den Ghettos weder Sonne noch Licht, geschweige denn ein Garten gegönnt wurde. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, im Mai. lPrivatmitth.) Wie sehr in neuerer Zeit die Juden in allen Berufszweigen sich heimisch machen, erweist sich auch dadurch, daß bereits mancher Jüngling jüdischer Neligion auch auf der deutschen Handelsflotte sich als tüchtiger- Seemann ausbildet und bewährt. So hat erst in diesen Tagen hier ein junger Israelit aus Magdeburg, Bernhard Arnstadt, der bereits mehrere Jahre als Matrose gedient und viele Seereisen mitgemacht, das Steuermanns-Examen I. Klasse mit dem Prädicat „glänzend" gemacht, was mit dem Eapitäns - Examen gleichbedeutend ist. Hannover, im Mai. (Privatmitth.) Wie Ihnen bereits aus Stockholm geschrieben worden, hat der Reisende I. I. Benjamin vom Könige von Schweden die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten. Sie war von folgendem königl. Handschreiben begleitet: „Herr Benjamin in Hannover. Nachdem Sie wiederum eine lange und bedeutende Reise zurückgelegt haben, halten Sie die Gefälligkeit, Mir Ihre aus derselben gesammelten reichhaltigen Erinnerungen und Erfahrungen zukommen zu lassen. Ihre Ansichten über die Lebensweise, die Sitten und Bestrebungen der Nordamerikaner scheinen mir in bohem Grade die Beachtung aller Gebildeten zu verdienen, weil sie in vielfacher Hinsicht und namentlich durch ihre Freimüthigkeit sich von denen unterscheiden, welche man bis jetzt über diesen Staat, welchem gegenwärtig eine so allgemeine Aufmerksamkeit zugewendet wird, erhalten hat. Ihre ethnographischen Mittheilungen über Gegenden und Völkerschaften, deren Namen vor Ihnen kaum bekannt gewesen, haben Ihnen bei unseren Gelehrten große Hochachtung erworben und so spreche Ich Ihnen in deren Namen sowohl, wie in Meinem eigenen Meinen Dank aus für ihre Werke, welche jetzt Meine Bibliothek zieren. Ich hoffe, daß Sie von Schweden und Ihren hiesigen Glaubensgenossen nur angenehme Erinnerungen mitgenommen haben und wünsche Ihnen für die neuen Wanderschaften, welche Sie zu dem lobenswerthesten Zwecke zu unternehmen beabsichtigen, eben so viel Glück wie Erfolg, um hernach in Ruhe und mit Befriedigung die reichen Erinnerungen genießen zu können an Alles, was Sie überstanden haben und was Sie redlich erstreben wollten. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter Stockholm, l l. April 1863. Oisrles." Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im Mai. iPrivatmitth.» Die siebenbürgische Frage in Oesterreich geht ihrer Lösung entgegen. Bekanntlich ist der Landtag daselbst bereits einberusen. Vielleicht ist es auch den Lesern bekannt, daß bereits das Octoberdiplom auf die Gleichberechtigung der Eonfessionen bei der Berathung über Landesangelegenheiten hinweiset. Es dürsten daher einige 'Notizen über die Juden daselbst nicht ohne Interesse sein.