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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-05-26 · Heft 22 (26.5.1863) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 22 (26.5.1863)
Date
1863-05-26
Page
Seite 340 (sequence 12)
Language
German
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340 Mitau, im Mai. (Privatmitth.) Ich glaube, Laß folgende statistische Notizen, die wörtlich dem „Inland Nr. 16" entnommen sind, von Interesse seien, da sie die Bedeutung, welche sich die Juden für den hiesigen Platz zu erwerben verstanden haben, erweisen. Mitau hat, wie die statistischen Notizen erweisen, 840 Grundstücke, davon besitzen die Juden 176, darunter sehr viele der ansehnlichsten in den Hauptstraßen, z. B. 4 Grundstücke, jedes von 40,000 S.-Rbl. und darüber, wie es in Mitau wenige giebt. Der Grundbesitz der Juden verhält sich zu dem der christlichen Bürger wie 1 zu 3. Die christliche Kaufmannschaft zählt 95 Gilden, nämlich 2 erster, 5 zweiter, 88 dritter; darunter sind einige, die nicht am Orte anwesend sind, sondern für andere Plätze hier die Gilden losen. Die Juden, welche am Orte domiliciren, haben zusammen 65 Gilden, nämlich 60 dritter, 4 zweiter und 1 erster Gilde; es sind ebensoviel jüdische wie christliche Kaufleute am Orte. Das Banquiergeschäft wird von 1 jüdischen und 1 christlichen Kaufmanne vertreten, außerdem wird von 2 Juden das Disconto-Geschäft betrieben; der Banquier des curländischen Creditvereins ist seit dessen Gründung ein Jude. — Handel mit Getreide, Flachs und Hanf, Saat:c. wird bis auf 2 christliche Kaufleute nur von Juden sowohl zu Wasser wie zu Lande betrieben; das Dampfboot „Mitau" wird größtentheils mit Fracht beschäftigt, welche Juden angehört. Das Engros-Geschäft mit Russischen Manufactur- Waaren, das ziemlich bedeutend ist, wird nur von Juden, 5 an der Zahl, vertreten. Das hiesige Speditions- und ausländische Kurzwaaren-Geschäst für den Ort und die Umgegend, wie nach den Hauptstädten des Reiches, als St. Petersburg, Moskau, Kiew, Charkow, Sitomir, wird nur von Juden vertreten und eine große Zahl der dottigen Kaufleute, die einen-Engros-Handel bis zum schwarzen Meer und Sibiren mit den Maaren ttciben, haben bei hiesigen jüdischen Firmen als Conditionisten das Geschäft erlernt. — Tuchgeschäfte hat Mitau 5, davon 3 jüdische Firmen, eine ist im Besitze einer bedeutenden Tuchfabrik im Minskischen Gouvernement. Ausländische und Russische Modewaaren werden bis auf ein christliches Geschäft nur von Juden vertteten. Pelz- und Rauchwaaren sind nur durch jüdische Firmen vertteten. Lieferanten für Mitau und ganzCurland, für die Armee, Garnison, Hospitäler, Gefängnisse, für das Collegium der allgemeinen Fürsorge rc. sind und waren nur Juden als Minderbieter, und wird das Geschäft nur von ihnen betrieben. Nur die Pacht der Aa-Brücke wurde keinem Juden, und zwar zum Nachtheil der Stadt, selbst beim Mehrgebot jemals in Pacht gegeben, weil die Bürger die Brücke verpachten. Der Handel mit Bedarfsarttkeln russischer Erzeugnisse, wie Seife, Lichte, Eisenwaaren, Oel, Leder, rc. liegt größtentheils in den Händen der hiesigen Russen, wenig bei Juden, bei Deutschen gar nicht. Rohleder und Felle werden nur von Juden nach dem Auslande versendet. Die Hauptbudencolonnade in der großen Straße enthält 46 Firmen, nämlich 4 Deutsche, 7 Russen, 35 Juden. — Die Vermögensverhältnisse der jüdischen Kaufleute sind im Allgemeinen für gut und wohlhabend zu erachten, und die jüdischen Firmen werden als reell bezeichnet und haben einen guten Credit. Schweden. Stockholm, 1. Mai. (Privatmitth.) In letzter Zeit sind, was wohl erwähnt zu werden verdient, einigen Israeliten von der schwedischen Regierung besondere Auszeichnungen zu Theil geworden. So erhielt der Consul Herr Dawidson bei der Ordensvertheilung am Namensfeste des Königs den Wasa-Orden und ganz vor Kurzem wurde dem verdienten Reisenden, Herrn I. I. Benjamin H., der bei seiner Anwesenheit hier von Notabilitäten der Wissenschaft ungemein freundlich ausgenommen worden war, vom Könige die große goldene Medaille „für Kunst und Wissenschaft" (litteris et artibus) verliehen. Bon inneren Angelegenheiten der Gemeinde beschäftigte die Gemüther ganz besonders der projecttrte Bau einer neuen Synagoge, auf den sich lange Zeit hierdurch wohl das Göthe'sche Wort vom „Hangen und Bangen in schwebender Pein" hätte anwenden lassen. — Das scheint nun auch in ein anderes Stadium getreten zu sein; namentlich seit regsame Frauenhände Gelegenheit gefunden, dem großen Werke ihre volle Theilnahme zuzuwenden. Auf Anregung eines Vorstands-Mitgliedes unternehmen es nämlich die drei Damen: Frau Sophie Bonnier, Frau Pauline Hirsch und Fräulein Rubenson, ihre Glaubensschwestern in Stockholm aufzufordern, eine zu veranstaltende Auctton,

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