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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-05-26 · Heft 22 (26.5.1863) · p. Seite 337

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 22 (26.5.1863)
Date
1863-05-26
Page
Seite 337 (sequence 9)
Language
German
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337 festirt, indem sie z. B. sich weder an der Israel. Bibelanstalt, noch an dem Institute zur Förderung der israel. Literatur, wie es sich geziemte, betheiligt. Das ist jedoch die reinste Unwahrheit, daß man in der Synagoge von Stuttgart nicht mehr mit Tefillin beten dürfe. Was in Stuttgart untersagt ist, besteht lediglich darin, daß man in der Synagoge selber die Tesillin nicht anlegen darf, sondern dies in der Vorhalle derselben zu thun hat, eine Anordnung, die in vielen Landgemeinden bereits getroffen ist, und worüber unter Leuten, die sonst im Leben auf Anstand halten, gar nicht mehr sollte gesprochen werden dürfen. Einen großen Triumph erblickt jenes Blatt in den Angriffen, welche jüngst die israel. O.-K.-B. durch mehrere Artikel in dem freisinnigen Volksblatte Württemb., im „Beobachter" erfahren hat. Wenn die sogenannte orthodoxe Partei den Vers, jener Arttkel als ihren Vertreter ansehen will, so mag sie es immerhin thun und dürfte es auch in ihre bekannte Taktik passen. Auffallend aber muß es denn doch jedem redlich denkenden Menschen erscheinen, wie diese Partei einen Mann als Anwalt ihrer Sache bettachtet, der in einem Athem für die Beibehaltung der Mezizah in die Schranken tritt und zugleich der Regierung Vorwürfe macht, daß sie die gemischten Ehen zwischen Jude und Christ nicht erlaubt. Um kein Wort weiter über die zum Mindesten sehr unästhetische Weise zu verlieren, womit jener Verf. das Thema der gemischten Ehe behandelt hat. Auch die Behauptung: „die israel. O.-K.-B. setzt Rabbinen, Vorsänger, Lehrer u. s. w. nach Gutdünken ein, ohne den Gemeinden das Recht der freien Wabl zu lasten, enthätt nur in Bettest der Rabbinen theitweise Wahrheit, ist aber im Uebrigen falsch, indem die jüdischen Volkslehrer vom königl. Consistorium eingesetzt und die Vorsänger, welche zugleich Religionslehrer sind, von der Gemeinde gewählt und von der O.-K.-B. nur bestätigt werden. Daß die O.-K.-B. der allgemeinen Gunst in Württemb. sich nicht erfreue, ist ganz richtig, indem die orthodoxe Partei gar zu gerne, wie sie bereits in Baden, aber vergebens bisher, gestrebt hat, die Rabbinatssitze mit Jüngern aus der Würzburger Schule besetzt sehen möchte. Daß dieser Wunsch sich bis jetzt in Württemb. nicht erfüllt hat, verdankt man dem Institute der O.-K.-B., das im Allgemeinen als eine Wohlthat für das Land von Allen angesehen wird, die für die saubere Wirthschast im Gemeindeleben ttüherer Zetten noch ein Gedächtniß haben und wissen, wie viel Eigeninteresse und Leidenschaftlichkett bei der Wahl der Vorsänger, die noch jetzt der Autonomie der Gemeinde anheim gestellt ist, zum Vorschein kommt und wie unwürdig mitunter außerhalb Württemb. die Behandlung von Vorsängern, Lehrern und sogar Rabbinen ist, indem sie einer Oberaufsichtsbehörde entbehren, der sie allein Rechenschaft schuldig sind. Daß übrigens die Wirksamkeit der O.-K.-B. ttotz ihrer unbestreilbareu Verdienste noch anders und zweckentsprechender gestaltet sein könnte, soll mit dem Gesagten nicht geläug net, sondern ein ander Mal bewiesen werden. Mißliebig ist aber darum die O.-K.-B. im Allgemeinen nicht, sondern nur in den Augen jener lichtscheuen Geister, die von den Thronsitzen des Obscurantismus sich ihre Parole holen. Österreichischer Kaiserstaat. Krakau, 9. Mai. iPrivatmttlh.» Wenn ich bereits in No. 10 d. Zeitg. über die schwierige Stellung der Juden zum polnischen Ausstande im Allgemeinen mich aussprach und aus die verschiedenartigen Interessen, die für sie auf beiden Seiten liegen, aufmerksam machte, so findet dies Alles jetzt, nachdem derselbe schon einige Monate gewährt, seine weitere Bestätigung. Es handelt sich hierbei nicht um Erörterung der Rechtsfrage, sondern allein um die Zeichnung der saetischen Zustände und Verhältnisse. In der That können von der polnisch-jüdischen Bevölkerung die Geschäftsleute und die arbeitenden Klaffen sich einer großen Bangigkeit vor dem Gelingen des AufstaureS nicht erwehren und namentlich die älteren Leute erzählen sich taufend Gcschichtchen aus der Vergangenheit von dem Hochmuthe der ehemaligen polnischen Aristokratie, von der Verachtung, mit welcher der Edelmann die Juden behandelte und vor keiner That gegen sie zurücköebte; wie z. B. hier in Krakau, so lange es Freistaat war, kein Jude an Sonn- und Feiertagen die innere Stadt betreten durfte, und Vieles dergleichen. Sollen wir, fragen sie, selbst dazu beitragen, daß ein solcher Zustand wiederkehre? Allerdings können wir diese Furcht nicht als gerechtfertigt ansehen, denn auch die Polen haben mit den anderen Völkern in Bildung und Gerechtigkeit Fortschritte gemacht, wozu kommt, daß die Polen ihre Selbständigkeit nur durch die Mitwirkung anderer Mächte erlangen könnten, welche ein Zurückfallen in 22

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