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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-05-26 · Heft 22 (26.5.1863) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 22 (26.5.1863)
Date
1863-05-26
Page
Seite 332 (sequence 4)
Language
German
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332 rer vereinigte sich noch einmal, ihn auf dem letzten Wege zu geleiten; liebende Freunde riefen ihm die letzten Scheideworte nach und ernste Töne verkündeten die Wehmuth aller Herzen. In Rießer's Charakter war kein Makel, er wird uns ein Vorbild sein für alle Zeiten. Ernst und unbestechlich in feinen sittlichen Überzeugungen, war er wie ein Fels unerschütterlich, wo er Recht und Sittlichkeit vertrat. Im Privatleben zeichnete ihn die liebenswürdigste Humanität aus, wer ihn nur in geselliger Beziehung kannte, glaubte kaum, daß es derselbe Mann war, der im öffentlichen Leben und in seinen Schriften mit so gewaltiger Kraft einherschritt. Was er seinen Freunden, seinen Verwandten war, wissen nur diese; verloren aber hat ihn jedes Herz, Jeder, der einmal das Glück hatte, ihm nahe zu treten, verloren hat ihn die Vaterstadt, das Vaterland, die Menschheit. Möge er fortleben in dem Andenken einer dankbaren Nachwelt, mögen Eltern ihn ihren Kindern als Beispiel aufstellen, wie ein edler Mensch gelebt und gestrebt hat. Sein Monument sind seine Schriften.*) I. *) Soeben kommt uns „Denkrede auf Dr. Gabriel Rießer, gehalten am 2. Mai im Neuen israelitischen Tempel von Dr. N. Frankfurter. Hamburg, 1863" zu, eine wahrhaft gediegene, durch und durch edle Rede! Der Redner hatte freilich den Dortheil, seinen Gegenstand nach allen Richtungen hin in das Licht des Ruhmes stellen zu können, ohne auch im kleinsten Maße der Wahrheit zu nahe zu treten, und nur die Aufgabe, mit seinem Worte nicht hinter der Wirklichkeit zurückzubleiben. So viel er in dem engen Rahmen dies nur vermochte, hat er diese seine schöne Aufgabe würdig gelöst. — Ebenso verdanken wir der Güte des Hrn. Dr. Berthold Auerbach einen von ihm verfaßten Nachruf „Beim Tode Rießer's" in den „Deutschen Blättern" No. 18, der den Verewigten in seinem hohen politischen und sittlichen Werthe charakterisirt; wie denn die Theilnahme an dem Hinscheiden dieses Mannes sich überall in ruhmvollster Weise ausgesprochen. Die Redaction d. A. Z. d. I. Die bürgerliche Stellung des Iudenthums in Schweden. Beitrag zur Geschichte Israels von Arthur Levysohn in Stockholm.*) Es geht ein tiefer historischer Zug durch unsere schnelllebige Gegenwart. Je erfreulicher es dabei ist, die Erkenntniß wachsen zu sehen, daß die Weltgeschichte das Gewissen der Menschheit, um so bemerkenswerther ist auch die Wahrnehmung, daß man nicht mehr blos bestrebt ist, im Schachte der Menschengeschichte aus dem Bollen zu arbeiten, sondern zugleich sich auch bemüht, aus den verschiedensten Seitengängen — der Specialgeschichte — fort und fort neues Material zum völligen Ausbau des Wissenschafts-Stollens an den Tag zu fördern. Wenn das Interesse an sich schon nicht gering ist, daß ein Jeder der Special-Chronik seiner engeren, zufälligen Heimath bewahrt, um wie viel lebhafter muß da nicht die Theilnahme sein, mit der insbesondere wir „Bekenner der mosaischen Confession" die Geschicke unserer Ur-Urväter verfolgen, deren treuem Festhalten am Glauben ihrer Väter — auch wir unser theuerstes Kleinod verdanken. — Freilich die Geschichte Israels seit der Zeit seiner Verbreitung als Ferment der Gotteserkenntniß über die ganze Erde, — die ein ganzes volles Blatt — und leider eines der dunkelsten — in dem Buche der Geschichte der Menschheit einnimmt, die Geschichte Israels, sagen wir, ist fast mit der Aufzählung aller nur denkbaren Leiden und in's Unendliche verlängerten Todesqualen völlig erschöpft. — Erst die jüngste Vergangenheit begann mit Macht dem Juden die Rechte des Menschen zurückzugeben — sie begann, denn noch ist die Zeit nicht gekommen, in der „alle Menschen Brüder" geworden! Aber der unverkennbare Fortschritt ist ein um so bemerkenswertheres Ergebniß, als er geschieht, ohne daß das Judenthum effectiv iw Stande wäre, seine Widersacher durch irgendwelche Gewalt oder Macht des „Faustrechtes" zum Nachgeben zu zwingen. Ein Resultat, wiederholen wir, das gegenüber seinen Lobrednera der „guten, alten Zeit" deutlich beweist, wie unaufhaltsam die Sache der *) Wir werden ersucht, zu bemerken, daß unser jetziger schwedischer Berichterstatter nicht mit dem verehrten Rabbiner Herrn Di*. Levysohn zu Stockholm identisch ist. Die Redaction.

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