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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-05-19 · Heft 21 (19.5.1863) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 21 (19.5.1863)
Date
1863-05-19
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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311 reinsten Wollen die ruhige Besonnenheit. Nicht war es ihm und den Gesinnungsgenossen möglich, alles Gewollte durchzusetzen, die Wogen der Bewegung gingen noch zu hoch, und Viele meinten im ersten Sturm Alles erobern zu können. Wir finden Rießer unter Denen, die Weisheit und Selbstbeherrschung genug haben, um des Befseren willen das Gute nicht aufzugeben: mit schwerem Herzen oft und unter banger Voraussicht gab er nach, um nicht das Gewonnene wieder in Gefahr zu bringen. Die Reichsverfafiung des Jahres 1849 war nur durch gegenseitiges Nachgebeu möglich geworden, die Machtstellung und die Größe Deutschlands sollte durch sie zunächst gesichert werden; war dieses Ziel erreicht, so konnten etwaige Mängel und Unvollkommenheiten der Verfassung ertragen und ihre Hebung der Zeit überlasten werden. Unter Denen, die erwählt wurden, dem König von Preußen die Kaiserkrone anzubieten, war auch Rießer. Der Schmerz über das Mißlingen der großen Arbeit war ein ungeheurer: aber er verzweifelte nicht. Noch immer konnte viel Gutes erreicht werden; die von dem König von Preußen vorgeschlagene neue Verfassung war gegen den frühern Zustand immerhin ein großer Fortschritt. Dieses Mal wählte ihn die Vaterstadt zum Abgeordneten in das Erfurter Parlament, während seiner Abwesenheit in Frankfurr war die Gleichstellung der Juden auf gesetzlichem Wege beschlossen worden. Auch in Erfurt stand Rießer in vorderster Linie, auch hier stand er ein für Recht und Wahrheit. Kleinmuth und Schwäche vereitelten auch dieses Werk, und die schlimme Zeit, die uns Allen noch so neu im Gedächtnisse ist, begann. Für Deutschland war im Augenblicke nichts mehr zu hoffen, Hastenpflug erschien wieder auf der Bühne, der Bundestag wurde reactivirt, und Gewalt und Willkür kamen zur Herrschaft. Gedrückt und getäuscht kehrte Rießer nach Hamburg zurück und nahm seine frühere Thätigkeit als Notar wieder auf: seinen Schmerz verschloß er in sich, nur wenige seiner nächsten Freunde hörten ihn über die Geschicke Deutschlands sprechen, und auch riese nur auf Momente. Selbst seine Feder bewegte er nur selten für politische Gegenstände: ein Aufschrei des ingrimmigsten Zornes gegen Hassenpstug ward in Cassel so laut vernommen, daß er ihm das hessische Land für viele Jahre verschloß. Hin und wieder legte er eine Lanze ein für seine Glaubensbrüder. Allmälig fand er sich auch in der unerquicklichen Gegenwart zurecht, besonders waren es die jährlich unternommenen größeren Reisen, die ihn wieder erftischten. Die bedeutendste und längste derselben ging nach Nordamerika, wo er das ganze Land durchreiste und dessen Zustände gründlich erforschte. In mehreren Aufsätzen, die in den „Preußischen Jahrbüchern" erschienen sind, hat er über die Ergebnisse dieser Reise berichtet. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 7. Mai. In London ist jetzt der zweite Theil von v«. M. Kali sch' hebr. Grammatik erschienen, enthaltend die Ausnahmsformen und Constructionen, eingeleitet durch eine Geschichte der hebräischen Grammatik. Das ganze Werk in zwei Bänden, kostet 25 Schill. — Vom Juni an soll in Arad in Ungarn eine Zeitschrift, die „jüdische Volksschule" erscheinen, monatlich zweimal in einem Octavbogen. Die Probenummer ist gut geschrieben, und enthält das Programm, das in der That nur lobens- und anerkennenswerth ist. Wir begleiten das Erscheinen mit dem Wunsche, daß dieselbe recht bald aus der Phrase herauszukommen und praktisch und speciell zu werden verstehe. Sie will sich übrigens vorzugsweise nur mit der jüdischen Volksschule im Kaiferstaate beschäftigen. — Angekommen: Notice sur la Lexicograplite liehraique, avec »les remarques sur quelques grammairieus poslerieurs a Ibn-Djanali. Par A<1. Neubauer. Paris, 1863. Wir kommen auf diese, aus dem Journal asiatiqne besonders abgedruckte Schrift ausführlich zurück. Desgleichen auf: Einleitung in das Babylonisch - hebräische Punktationssystem nach den im „Odessaer Museum der Gesellschaft für Geschichte und Alterthümer" befindlichen Handschriften (unicis) bearbeitet (mit Vocaltafel und einem Facsimile) nebst einer" Grammatik der hebräischen Zahlwörter (Jesod Mispar) von Abraham ben Esra (auf dem Titel steht der Druckfehler Ersa) aus Handschriften herausgegeben und commentirt von S. Pinsker. (Mit Unterstützung des kaiserl. russischen Ministeriums für Volksaufklärung.) Wien, 1863. — nrn .c'N-ipn -isp n-cxvz Nin Erstes Heft von I. B. Lewinsohn. Odessa, 1863. — Bottuschan, im Mai. —nr. Eine Auswahl von Gedichten F. v. Schiller's, übertragen in's Hebräische zu dessen erster Säcularfeier von M. S. Raben er. Erster Theil. Der rühmlichst bekannte Verfasser,

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