Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1863)
- Date
- 1863-05-12
- Page
- Seite 300 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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300 Was soll dies aber für ein Denkmal sein? Wir bekennen offen, daß wir der Aufstellung marmorner oder erzner Standsäulen an irgend einer Localität wenig zugeneigt sind. Die Einwirkung solcher Monumente ist auf den Ort beschrankt und trifft überhaupt nur bei Männern zu, deren Gedächtniß durch ihre allgemeine Wirksamkeit auf die große Masse des Volkes in dieser dauernd lebendig ist. Ein solches Denkmal entspräche dem Sinne Rießer's auch weniger, der zum Hauptziele seines Lebens die immer kräftigere und ausgedehntere Belebung des Rechts und des Rechtsgefühls, die Verbreitung des Geistes des Rechts in aller Welt hatte. Endlich ist wohl die Beschaffung eines solchen Denkmals Sache seiner näheren, besonders vaterstadtischen Freunde, die es nicht daran fehlen lassen werden. Sondern: das würdigste Denkmal für Gabriel Rießer ist das, welches er sich selbst gesetzt, und bestünde in einer Ausgabe seiner sämmtlicheu Schriften und Reden, soweit die letzteren ausgezeichnet sind und nicht specielle, locale oder temporäre Gegenstände betrafen. Bekanntlich sind die schriftstellerischen Arbeiten Rießer's außer einigen Bändchen und Brochüren in vielen Zeitschriften und Journalen weit zerstreut und seine Reden in stenographischen Berichten u. s. w. enthalten. Sie sind daher in ihrer Gesammtheit wenig zugänglich und tragen dennoch allesammt an Inhalt und Form den Stempel des edelsten Geistes. Sie bilden zugleich seine eigentliche Lebensbeschreibung. Ihre Sammlung wird aber deshalb mannigfaltige Mühewaltung und eingehende Studien erfordern, da viele seiner Abhandlungen und Reden nicht ohne einleitende Darstellung der geschichtlichen Verhältnisse, unter welchen sie entstanden, bleiben könnten. Ein solches Denkmal wäre der heiligen Sache des Rechtes für alle Zeiten ein großer Dienst und zugleich am meisten im Sinne des Verewigten, da hierdurch fort und fort die Wirksamkeit seines geistigen Lebens ermöglicht und gesichert würde. Wer aber Inhalt, Veranlassung und Form eines großen Theiles der Rießer'schen Arbeiten kennt, weiß, daß sie, noch dazu bei dem Umfange einer gewissenhaft zusammengestellten Gesammtausgabe, keinen Gegenstand eines buchhändlerischen Unternehmens bilden, wozu noch kömmt, daß es eben darum zu thun sein muß, dieser Sammlung von vornherein ein größeres Publikum und die Bedeutung eines aus dankbaren Herzen errichteten Denkmals zu schaffen. Wir schlagen daher Folgendes vor: 1. Wir eröffnen eine Sammlung fteiwilliger Gaben, deren Ertrag bestimmt ist, eine Gesammtausgabe der Rießer'schen Schriften und Reden zugleich als Denkmal für denselben herzustellen. 2. Die Redaction und Drucklegung dieser Gesammtausgabe wird durch eine Anzahl näherer Freunde Rießer's zu Hamburg bestimmt und angeordnet. 3. Äst diese Gesammtausgabe erschienen und der Kostenpreis jedes Exemplars berechnet, so erhalt ein Jeder, der eine fteiwillige Gabe gespendet hat, betrug diese mehr als den Kostenpreis eines Exemplars, ein solches gratis, betrug sie weniger, so kann er durch Nachzahlung des Fehlenden ein Exemplar erlangen. Der Verkauf der weiteren Exemplare geschieht zu dem möglichst billigen Preise, und die Einnahme hieraus, sowie der Ueberschuß der Sammlung über die Herstellungskosten der Gesammtausgabe soll zu einer Rießerstiftung verwendet werden, deren Bestimmung in einem dem Verewigten entsprechenden Sinne von dem Redactions - Comite getroffen werden soll. Diesen Gedanken legen wir heute allen Freunden und Verehrern Rießer's, insbesondere aber allen Glaubensgenossen dringend an's Herz und halten uns überzeugt, daß derselbe überall Anklang finden werde. Wir erklären uns bereit, Spenden zur Verwirklichung dieses Planes entgegen zu nehmen, dieselben in diesem Blatte zu veröffentlichen und sie zur Zeit dem Redactions- Comi16 zur Verfügung zu stellen. Wir eröffnen diese Sammlung schon heute.*) Dr. Ludwig Philippson in Bonn. II. Das Begräbuiß Rießer's. Hamburg, 28. April. Gestern, Sonntag war die Beerdigung: ein Leichenzug (über 110 Wagen) wie ihn Hamburg lange nicht gesehen hat, zusammengesetzt aus Juden und Christen: beide aus allen Klaffen der Gesellschaft, der religiösen *) vr. Ludwig Philippson in Bonn 5 Thlr.; Advocat Emil Lehmann in Dresden 5 Thlr. — Zusammen 10 Thlr. Die Redactio».