Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1863)
- Date
- 1863-05-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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27. Jahrgang JW 20 Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ fiir alles jüdische Interesse. Herausgegebcn von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 12. Mai 1863. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in l'/r bis 2 Bogen. Preis des Zabrgangs 3 Tblr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Lierreljäbrig 22*'2 Ngr. Inserate werden mit 11 2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berekbnct. Beilagcgebührcn betragen für 1 Bogen 1 Thlr. für ,/t Bogen 3 Thlr., für llt Bogen 2 Tblr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung».Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere bat sich das König!. Sachs. Haupt-Zcitungs - Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: I>r. Gabriel Rießer. I. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Kassel. Preußen: Berlin, Berlin, Berlin. De st er reicht scher Kaiserstaal: Wien. Pcsth. Donausürstcnrhümer: Bukarest. Holland: Aus den Niederlanden. Dänemark: Rcndsburg. — Nachtrag: Berlin, Breslau, Prag. Leitende Artikel. Bonn, 30. April. Dl*. Gabriel Nicßcr. I. Aufforderung zur Errichtung eines Denkmals für vr. Gabriel Rießer. Rießer ist dahingeschieden. Diese Trauerkunde hat tief erschütternd auf zahllose Herzen gewirkt. Rießer stand noch in der Vollkraft des Lebens; seine Thäligkeit war noch immer in ungebrochener Energie denselben Momenten, denselben Bestrebungen gewidmet, welche sein ganzes Leben ansgefüllt, dem unbedingten Recht und der gesetzlichen Freiheit, ihrer Begründung und ihrer Bertheidigung durch Wort und That, in Theorie und Wirklichkeit. Und nun urplötzlich aus seiner ruhmreichen Laufbahn herausgerissen! Wir haben Großes an ihm verloren! Und in diesem „Wir" vereinigen sich die ganze Menschheit, Deutschland und die jüdische Glaubensgenossenschaft. Denn das unveräußerliche Menschenrecht und das edelste Menschenthum war Las Ideal, für welches er einstand mit seinen besten Kräften; Deutschland war es, für dessen Einheit, Selbständigkeit und Freiheit er die besten Jahre seines ManneSalters hindurch kämpfte und zu dessen tüchtigsten Vertretern er gehörte; und die jüdische Glaubensgenossenschaft war es, deren Rechtsstellung und Rechtsbewußtsein der Verewigte vom ersten bis zum letzten Tage seiner öffentlichen Wirksamkeit mit ganzer Hingebung und glänzendem Erfolge verrrat, förderte, und mit zum Siege führte. War Rießer so Mensch und Deutscher im bedeutungsvollsten und herrlichsten Sinne, so gehörte er doch im Besonderen uns, den Juden an; alle seine Arbeiten und Erfolge auf den allgemeinen Gebieten kamen auch uns im Besonderen zu Gute, und fand und findet er dort eine allgemeine Anerkennung, so muß er in unsren Herzen noch eine ganz besondere Stätte der Verehrung, der Liebe und Dankbarkeit finden. Wir sind ihm ein Denkmal schuldig — ein Denkmal, das auch späten Geschlechtern verkünde, wie theuer er uns gewesen, wie wir ihn zu verstehen und zu würdigen wußten. Wir glauben daher nur einem allgemeinen Wunsche und Gefühle Ausdruck zu geben, wenn wir zur Errichtung eines solchen Denkmals hier aufsordern.